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CL-Finale: Milito erfüllt Mailands Triple-Traum

Foto: SASCHA SCHUERMANN/ AFP

Champions-League-Finale Bayerns Triple-Traum zerplatzt

Tränen beim FC Bayern, Riesenjubel bei Inter Mailand: Die Münchner verloren im Finale der Champions League gegen den italienischen Meister - der sich taktisch überlegen präsentierte. Mann des Abends war Angreifer Diego Milito, der mit einem Doppelschlag den Titel sicherte.

FC Bayern

Arjen Robben will nicht mehr hinsehen, auch Bastian Schweinsteiger senkt den Blick, sackt enttäuscht auf den Rasen des Estadio Santiago Bernabéu. Schiedsrichter Howard Webb hat gerade das Champions-League-Finale in Madrid abgepfiffen - und den Traum des vom historischen Triple beendet. "Wir haben eine überragende Saison gespielt. Es ist natürlich bitter, wenn man das dann nicht krönen kann", sagt Münchens Torhüter Hans-Jörg Butt traurig.

José Mourinho

Um die enttäuschten Bayern sprinten Inter-Profis in Richtung Ersatzbank, um Trainer hochleben zu lassen. Mit 2:0 (1:0) siegt Mailand, Inter sichert sich damit zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den Dreifachtriumph: die nationale Meisterschaft, den Pokal - nun eben die Champions League. Doppelter Torschütze ist Stürmer Diego Milito (35./70. Minute).

Wie nervös die Bayern-Profis in die Partie gingen, zeigten die unpräzisen Zuspiele der Anfangsphase. Noch schlimmer: Auch defensiv offenbarte das Team große Unsicherheiten. In der fünften Minute tauchte Inter-Angreifer Milito im FCB-Strafraum auf, erst nach mehreren Versuchen brachte die Bayern-Verteidigung den Ball aus der Gefahrenzone.

Es dauerte rund zehn Minuten, bis der Deutsche Rekordmeister in die Partie fand. Arjen Robben, kurz zuvor noch von Walter Samuel an der rechten Außenbahn rüde von den Beinen geholt, setzte sich gegen zwei Gegenspieler durch (10.). Sowohl Samuel als auch Cristian Chivu konnten den Niederländer nicht stoppen - seinen Querpass vor das Inter-Tor verwertete Ivica Olic jedoch nicht.

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Champions-League-Finale: Trauer in München, Jubel in Mailand

Foto: WOLFGANG RATTAY/ REUTERS

Robben stand auch in der nächsten Szene im Mittelpunkt, als ihm Nationalmannschaftskollege Wesley Sneijder einen, vom Schiedsrichter ungeahndeten, Tritt versetzte. Bayern erspielte sich im weiteren Verlauf der Anfangsphase zwar die größeren Spielanteile, die beste Torchance verbuchte jedoch Inter. Aus rund 40 Metern prüfte Sneijder mit einem direkten Freistoß die Reflexe von Bayern-Torhüter Butt. Der Kandidat für die Position des deutschen WM-Schlussmanns parierte, festhalten konnte er den Ball in dieser Szene nicht.

Die erste halbe Stunde prägten vor allem die taktischen Ausrichtungen beider Mannschaften, ein hochklassiges Spiel kam so nicht zustande. Die linke Abwehrseite der Mailänder schien von Trainer Mourinho instruiert, die Bahnen von Angreifer Robben zu stören. Viele kleine Fouls ließen den 26-Jährigen immer wieder zu Boden gehen, in der 30. Minute sah Chivu die Gelbe Karte.

Mailands Treffer als Schock für den FCB

Knapp fünf Minuten später erzielte Inter den Führungstreffer - unter Mithilfe der FCB-Hintermannschaft. Diese verfiel zurück in die Unsicherheit der Anfangsphase, einen langen Abschlag des eigenen Keepers konnte Milito unbedrängt zu Sneijder köpfen. Mit einem schnellen Doppelpass brachte dieser den Ball zurück zum Argentinier, der Butt im Bayern-Tor aus rund zwölf Metern keine Abwehrchance ließ. Für den 30-Jährigen war es der fünfte Treffer in der Champions-League-Saison.

Mailand schien nun bereit, den Bayern das Spiel zu überlassen und sich auf Konter zu beschränken. Doch der Schock über den Rückstand war dem deutschen Finalisten in den zehn Minuten bis zur Halbzeit anzumerken, es gelangen kaum noch strukturierte Angriffe. Die Vorentscheidung vergab stattdessen Sneijder in der 43. Minute, als er freistehend aus etwa 14 Metern an Butt scheiterte. "Jetzt wird es für uns natürlich ganz schwer, sie stehen hinten sehr kompakt", sagte Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger in der Halbzeitpause.

Louis van Gaal

Trainer schien in der Kabine deutliche Worte gefunden zu haben, denn der Deutsche Meister startete offensiv in den zweiten Durchgang. Thomas Müller hatte kurz nach Wiederanpfiff den Ausgleich auf dem Fuß, scheitere jedoch mit seinem unpräzisen Schuss an Julio Cesar im Inter-Kasten. Auf der Gegenseite vergab erneut Milito praktisch im Gegenzug das 2:0.

Bayern drängte - Inter dirigierte

München dominierte nun die Partie, auch weil sich der Gegner auf das Nötigste beschränkte. Kompakt standen die Inter-Profis am eigenen Strafraum, ließen den FCB kommen und setzten nur mit sporadischen Gegenstößen offensive Akzente. Die Bayern drängten, die Abwesenheit des gesperrten Franck Ribéry wurde jedoch immer schmerzlicher deutlich. Kaum ein überraschendes Anspiel gelang, kaum ein Pass in die Spitze fand den Adressaten. Fast schon logisch, dass die nächste Möglichkeit einer Standardsituation entsprang. Nach Freistoß von der rechten Seite brachte Müller den Ball mit zu wenig Druck auf das Tor (63.).

Der zweite Treffer des Abends folgte dann erneut einem souverän ausgespielten Konter der Italiener. Wieder war es Milito, der sich auf halblinks durchsetzte, Gegenspieler Daniel van Buyten mit einer schnellen Körpertäuschung aussteigen ließ - und den Ball in der rechten unteren Torecke unterbrachte.

Die letzten 20 Minuten spielte Inter dann souverän herunter, ließ die Münchner kaum noch in den eigenen Strafraum eindringen und brachte den Zwei-Tore-Vorsprung ungefährdet über die Zeit.

"Inter hat verdient gewonnen. Milito hat heute den Unterschied gemacht. Wir waren nicht gut genug, um ein attraktives Spiel zu spielen. Wenn wir in besserer Verfassung gewesen wären, hätten wir gewinnen können", sagte Bayer-Trainer van Gaal nach der Partie.

Bayern München - Inter Mailand 0:2 (0:1)
0:1 Milito (35.)
0:2 Milito (70.)
München: Butt - Lahm, van Buyten, Demichelis, Badstuber - van Bommel, Schweinsteiger - Robben, Müller, Altintop (63. Klose) - Olic (74. Gomez)
Mailand: Julio Cesar - Maicon, Lucio, Samuel, Chivu (68. Stankovic) - Zanetti, Cambiasso - Sneijder - Eto'o, Milito (90.+2 Materazzi), Pandev (79. Muntari)
Schiedsrichter: Webb (England)
Zuschauer: 74.954 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Demichelis, van Bommel - Chivu