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Champions-League-Finale der Frauen: Es hätte bessere Stadien gegeben

Foto: Ole Spata/ dpa

Champions-League-Finale der Frauen Endspiel in Prenzlauer Berg

Die Fußballerinnen von Paris St. Germain und des 1. FFC Frankfurt kämpfen am Donnerstag im Champions-League-Finale um den Titel - im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Der Austragungsort ist umstritten.
Von Maria Kurth

Eigentlich dürfte sich niemand beschweren: Prenzlauer Berg, das ist nicht mehr das arme, ranzige Berliner Arbeiterviertel vor der Wende. Im Gegenteil: Schicke Altbauwohnungen, teure Lofts, wer hier wohnt, zählt mittlerweile zur Spießer-Gemeinde. Ein dekadenter und damit richtiger Ort für Events der Königsklasse. So wie das Champions-League-Finale der Frauen am Donnerstag (Anstoß um 18 Uhr) zwischen dem 1. FFC Frankfurt und Paris Saint-Germain.

Doch der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark hat nur wenig Dekadentes, geschweige denn Königliches. Es ist die uncharmante, raue Spielstätte des BFC Dynamo. Regionalliga-Ambiente wird zur Königsklassen-Bühne. Begeisterung? Fehlanzeige! "Das Stadion ist fürchterlich, das ist respektlos gegenüber dem Frauenfußball", sagte St. Germains Mittelfeldspielerin Kosovare Assllani der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Es hätte in der Tat bessere Spielstätten für das Champions-League-Finale gegeben.

Das Olympiastadion wäre eine Alternative, für viele Spielerinnen sogar Wunsch-Spielstätte gewesen. Und die Rahmenbedingungen hätten es zugelassen: Da die WM der Frauen bereits am 6. Juni beginnt, liegen die Finale der Frauen und der Männer nicht mehr innerhalb von drei aufeinanderfolgenden Tagen. Die Begründung der Uefa, zwei Endspiele in der gleichen Spielstätte organisatorisch nicht bewältigen zu können, ist hinfällig. Die Bedenken, die Stimmung würde aufgrund leerer Zuschauerränge leiden, sind hingegen gerechtfertigt.

Vor zwei Jahren fand das Finale an der Stamford Bridge, Spielstätte des FC Chelsea, statt. Rund 20.000 Zuschauer sahen den ersten Champions-League-Sieg des VfL Wolfsburg. Die TV-Übertragung offenbarte knapp 20.000 freie Sitzplätze. Noch deutlicher wurden das mangelnde Interesse oder der ausbleibende Marketingerfolg im vergangenen Jahr. Das Estádio do Restelo in Lissabon bietet Platz für rund 32.000 Zuschauer, doch gerade einmal 8000 Karten wurden verkauft.

Und so wäre nicht das Olympiastadion, sondern das Stadion an der Alten Försterei die vielleicht beste Lösung gewesen. Das Wohnzimmer des 1. FC Union Berlin strotzt vor Tradition, und der Name hat Kult-Status. Dort, wo Union-Fans fünf Jahre lang eigenhändig Stein auf Stein gesetzt, Tribünen überdacht und ausgebaut haben, wäre der passende Ort gewesen, um einem oft blutleeren Event Charisma zu verschaffen. Das Stadion im Ortsteil Köpenick ist das größte reine Fußballstadion in der Hauptstadt.

Im Jahn-Sportpark gibt es Stimmungskiller wie die Tartanbahn, Weitsprunggruben und Hochsprunganlagen. Auch die Uefa fand zu Beginn wenig liebevolle Worte für die potenzielle Finalstätte. Erst unter der Auflage, das Stadion sanieren zu müssen, stimmte der europäische Fußballverband der Spielstätte zu. Für knapp 2,6 Millionen Euro wurden Toiletten erneuert, Tribünen verschönert, etwas für den Brandschutz und bessere Fluchtwege getan.

Die Summe wäre sicher ausreichend gewesen, um sich in Prenzlauer Berg eine dieser schicken Altbauwohnungen oder ein edles Loft zu kaufen. Um dem Jahn-Sportpark etwas Königliches zu verleihen, hätte es ein wenig mehr gebraucht.

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