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Champions-League-Finale gegen Dortmund Jetzt wollen die Bayern das Ding

Der historische Erfolg in Barcelona ist schnell abgehakt, die Bayern gieren nach dem Champions-League-Endspiel gegen Dortmund. Die Spieler sprechen nur von "dem Ding", das sie nach 2001 endlich wieder nach München holen wollen. Der Titel ist ein Muss angesichts ihrer Dominanz in Europa.

7:0 gegen denFC Barcelona. Zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren im Endspiel der Champions League. Deutscher Meister in Rekordzeit. Teilnehmer des DFB-Pokalfinales. Klingt wie ein Wunder? Ist aber Fakt. Und mit Wundern muss man demFC Bayern ohnehin nicht kommen, die passen derzeit nicht ins Konzept. Das hat an diesem Halbfinalabend auch der FC Barcelona verstanden, der vor dem demütigenden 0:3 (0:0) im eigenen Stadion noch auf das "Wunder vom Camp Nou" gehofft hatte.

Doch dass die Bayern diesen Katalanen, denen bis vor wenigen Wochen noch das Attribut "beste Mannschaft der Welt" anhaftete, in zwei Spielen derart überlegen sein würden, hatte auch in München niemand geglaubt. "Ich muss mich fast zwicken", sagte Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge nach dem Spiel. "Wir haben gegen Barcelona zwei wunderbare Tage erwischt. Jetzt fahren wir mit breiter Brust nach London und haben eine gute Chance, es dort zu packen."

Präsentiert sich das Team von Trainer Jupp Heynckes im Wembley-Stadion ähnlich stark wie in den vergangenen beiden Partien, wird Finalgegner Borussia Dortmund am 25. Mai wenig zu lachen haben. Denn selten hat eine Mannschaft den FC Barcelona so dominiert wie Bayern München, Zweifel an dessen Weiterkommen gab es während der 180 Minuten eigentlich zu keinem Zeitpunkt. Zwar musste Barça im Rückspiel auf seinen vermeintlichen Heilsbringer Lionel Messi verzichten - aber auch mit dem Argentinier, so der Eindruck nach diesen beiden Duellen, hätte der Club nur wenig ausrichten können.

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Champions League: Barça erhält Lehrstunde im Camp Nou

Foto: LLUIS GENE/ AFP

Barcelona hatte sich zwar vorgenommen, von Beginn an Druck und so die fast unmögliche "Remontada", die Aufholjagd, möglich zu machen. Doch nach gut 20 Minuten war ein Großteil der Energie in der allgegenwärtigen Bayern-Abwehr verpufft, bereits der erste Gegentreffer durch Arjen Robben in der 48. Minute löste resigniert hängende Köpfe aus.

"Die jetzige Situation tut weh", sagte Barcelonas Piqué, der in der 72. Minute ein Eigentor verursacht hatte. "In der ersten Hälfte haben wir es wirklich versucht, doch nachdem der Gegner den ersten Treffer gemacht hatte, waren wir nur noch deprimiert. Wir müssen den Bayern gratulieren, sie waren außergewöhnlich."

Heynckes gab sich allerdings auch im Angesicht solchen Lobes gewohnt bescheiden: "Meine Mannschaft war ungemein konzentriert. Wir haben überragenden Fußball gespielt, aber Barcelona mit oder ohne Messi ist natürlich auch ein Unterschied." Dass eben jener Messi beim Hinspiel in München dabei gewesen war und nichts gegen die 4:0-Niederlage seines Teams hatte tun können, ließ der Bayern-Trainer dabei lieber unerwähnt. Als habe er sich vorgenommen: Bloß keine Hybris jetzt!

Die Mannschaft folgte Heynckes Beispiel, ausgelassene Freude wollte nach Abpfiff nicht wirklich aufkommen. Ein paar Umarmungen und Handschläge, ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift "Final" und ein Dankeschön an die Fans - das musste reichen. "In der Kabine war es relativ ruhig, aber ich denke, im Laufe des Abends werden wir euphorischer ", sagte der ernst dreinblickende Philipp Lahm. Viel wichtiger als den Einzug ins Endspiel zu feiern sei es, in London "den Pott" zu gewinnen. Das Halbfinale sei nur ein Etappenziel auf dem Weg dorthin.

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Die Bayern in der Einzelkritik: Flankengott Ribéry, Schlitzohr Robben

Foto: Lars Baron/ Bongarts/Getty Images

Müller will Teamkollegen zum Feiern animieren

Die Worte des Kapitäns sind bezeichnend: Trotz des sensationellen Sieges gegen Barcelona kann sich der Rekordmeister noch immer nicht mit aller Leidenschaft freuen. Denn nie, das wird immer deutlicher, war die Fokussierung auf ein Champions-League-Finale so groß wie in dieser Saison. Das Trauma aus dem verlorenen Endspiel gegen Chelsea im vergangenen Jahr ist noch immer nicht ganz überwunden. Zur vollständigen seelischen Genesung bedarf es des Titels. Endlich. Nach zwölf Jahren, nach dem Endspiel gegen den FC Valencia, das die Bayern im Elfmeterschießen gewannen.

"Der Wille ist extrem groß. Wir müssen jetzt auf das Spiel in London hinarbeiten. Und dann dieses Scheißding holen!", sagte Thomas Müller. Deutlicher geht es kaum. "Wenn man in vier Jahren dreimal im Finale steht und das Ding nicht gewinnt, musste man sich Gedanken machen." Der Torschütze gab zu, dass es ihm nach dem Spiel gar nicht gut gegangen sei; der 23-Jährige war, einmal mehr, einer der überragenden Spieler auf dem Platz gewesen: 90 Minuten lang ein nimmermüder Unruhestifter, immer voll da, immer voll auf Angriff.

Jetzt sei er aber wieder fit, sagte er, deshalb wolle er seine Mannschaft animieren, noch ein bisschen Party zu machen - "die Feierlichkeiten waren bis jetzt ein bisschen enttäuschend". Etwa eine Stunde später wurden die ersten Bayern-Spieler mit einem Weißbierglas in der Hand gesichtet.

FC Barcelona - FC Bayern München 0:3 (0:0)
0:1 Robben (48.)
0:2 Piqué (72., Eigentor)
0:3 Müller (76.)
Barcelona: Valdés - Alves, Piqué, Bartra (87. Montoya), Adriano - Song - Xavi (55. Sánchez), Iniesta (64. Thiago) - Villa, Fàbregas, Pedro
München: Neuer - Lahm (77. Rafinha), Boateng, van Buyten, Alaba - Martínez (74. Timoschtschuk), Schweinsteiger (66. Luiz Gustavo) - Robben, Müller, Ribéry - Mandzukic
Schiedsrichter: Skomina (Slowenien)
Zuschauer: 96.636 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Alves (2), Piqué (3) - Robben

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