Bayerns Finalheld Robben Fluch und Siegen

Er tauchte ab, vergab Riesenchancen oder entscheidende Elfmeter: Endspiele waren für Arjen Robben verflucht, denn ob WM-Finale oder Champions League - am Ende gewannen immer die anderen. Ausgerechnet der Holländer schoss die Münchner nun zum ersehnten Triumph gegen Dortmund.
Bayerns Finalheld Robben: Fluch und Siegen

Bayerns Finalheld Robben: Fluch und Siegen

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Es war die pure Ekstase, die Arjen Robben ins Gesicht geschrieben stand, als er wusste, dass die Sache diesmal gut ausgehen würde. Gerade hatte er im Wembley-Stadion gegen Borussia Dortmund das späte 2:1 für den FC Bayern erzielt, er sprintete in die Kurve mit den roten Fans, sein Mund war aufgerissen, wahrscheinlich stieß er den lautesten Schrei seines Lebens aus. Aber das konnte natürlich niemand hören, denn viele tausend andere Münchner in Wembley brüllten ebenfalls so laut sie konnten.

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Arjen Robben: Aus Trauma mach Traum

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So ein Siegtor in der 89. Minute eines Champions-League-Finales ist ja schon für sich genommen ein Augenblick für die Ewigkeit, aber dass ausgerechnet Robben dieses Tor erzielte, verlieh diesem Showdown der beiden besten europäischen Fußballteams eine prächtige Pointe.
Denn es war ein Treffer gegen das Trauma. Gegen das Trauma eines Clubs, das Trauma einer Mannschaft und ihrer wichtigsten Spieler. Aber ganz besonders das Trauma des Arjen Robben. "Ein Spiel, das so ausgeht, mit so einem Tor in letzter Minute, das ist unglaublich", sagte der 29-Jährige, der wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Manuel Neuer, Franck Ribéry und alle anderen Münchner seinen ersten internationalen Titel gewonnen hat. Der Unterschied zu den deutschen Kollegen ist nur, dass Robben bereits für den FC Chelsea und für Real Madrid gespielt hat, dass er 2010 mit der niederländischen Nationalmannschaft im WM-Finale stand, die Trophäen in den großen internationalen Wettbewerben aber immer die anderen gewonnen hatten. Robben hat dieser Makel an der eigenen Karriere sehr belastet.

Denn er war es gewesen, der "in drei großen Finals" mehr oder weniger versagt hatte, wie er im Moment der großen Erleichterung in Erinnerung rief. Im verlorenen Champions-League-Endspiel von 2010 war er zum Abschluss einer brillanten Saison erschreckend blass geblieben, im WM-Finale wenige Wochen danach hatte er eine hundertprozentige Chance kurz vor Schluss vergeben, am Ende gewann Spanien 1:0. Und vor einem Jahr hätte Robben nur einen Elfmeter verwandeln müssen, um die Besteigung des europäischen Gipfels zu vollenden. Er versagte.

In München kursiert seither die Frage, ob Robben noch eine große Zukunft in dieser Mannschaft hat - bevor Toni Kroos sich verletzte, saß der Holländer viel auf der Bank. Aber er hat das mit wenigen Ausnahmen hingenommen. Und sich, wenn er spielen durfte, auch noch mächtig beim Verteidigen angestrengt. Es ist ein neuer Arjen Robben, der zuletzt zu sehen war, einer, der sich bei der Abwehrarbeit engagiert, mitläuft und vorangeht.

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Und dennoch schien sich auch dieses Endspiel in Wembley wieder zu einem kleinen persönlichen Drama zuzuspitzen (). Zweimal war der Hochgeschwindigkeitsstürmer aus wunderbarer Position an Roman Weidenfeller gescheitert, ein weiteres Mal hatte er den bestens postierten Thomas Müller übersehen. Der Druck muss enorm gewesen sein. Hätten die Bayern erneut verloren, wäre Robben für die wohlgesonnenen Betrachter zum unglücklichsten Finalspieler der Fußballgegenwart geworden. Und die weniger Nachsichtigen hätten gute Gründe gehabt, ihm die Hauptrolle in einer ewigen Verlierermannschaft zuzuweisen, die allenfalls bedeutungslose Trophäen gewinnt. "Du willst nicht dieses Loser-Image", sagte Robben in London, wo er auch noch das erste Tor von Mario Mandzukic vorbereitet hatte. Robben ist dieses Image nun losgeworden.

Also durfte der Holländer die Nacht mit dem schönsten Pokal, den man als Vereinsspieler gewinnen kann, verbringen. Und als wäre all das noch nicht genug der Ehre, wurde er auch noch von der großen Trainerlegende Alex Ferguson mit dem Titel "Spieler des Spiels" ausgezeichnet. Eigentlich ist dieser Titel an so einem Abend eine Lappalie, aber weil es Robben war, der den Ehrenpreis gewann und Ferguson, der ihn überreichte, war die kleine Zeremonie plötzlich irgendwie bedeutsam.

"Jetzt kann man das andere vergessen", sagte er in Anspielung auf seine großen Niederlagen, die nun aber sehr viel leichter zu ertragen sind. Wenn nicht alles täuscht, wird hat dieser Abend das Leben des Arjen Robben nachhaltig verändert. Er weiß jetzt, dass er Titel gewinnen kann.

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