Champions League Glückliches 1:1 in Porto

Durch ein Unentschieden beim portugiesischen Meister hat sich der FC Bayern München eine gute Ausgangposition für ein Weiterkommen in der Champions League geschaffen. Der Auftritt der Hitzfeld-Truppe war allerdings alles andere als glanzvoll.


Seltenes Bild: Stefan Effenberg gewinnt ein Kopfballduell gegen Portos Capucho
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Seltenes Bild: Stefan Effenberg gewinnt ein Kopfballduell gegen Portos Capucho

Porto - Ein enttäuschender FC Bayern München darf weiter vom Champions-League-Sieg träumen. Dank eines Treffers von Paulo Sergio (80.) kam der deutsche Rekordmeister am Dienstagabend im Viertelfinal-Hinspiel beim vermeintlichen "Wunschgegner" FC Porto zu einem äußerst glücklichen 1:1 (0:0) und verschaffte sich damit eine sehr gute Ausgangsposition für das Rückspiel am 19. April im Olympiastadion. Vor 20.125 Zuschauern im Estadio das Antas hatte zuvor Mario Jardel (47.) das hoch verdiente und von den begeisterten Fans noch stürmisch gefeierte 1:0 für die Portugiesen erzielt.

Gegen den 18-maligen portugiesischen Landesmeister konnten die Münchner trotz des Mitwirkens der von ihren Verletzungen genesenen Leistungsträger Stefan Effenberg und Mehmet Scholl dennoch bei weitem nicht an die Gala-Auftritte in der Zwischenrunde gegen Real Madrid anknüpfen. Trainer Ottmar Hitzfeld versprach sich von der Rückkehr des Ideengeber-Duos größere Durchschlagskraft im Offensiv-Spiel als zuletzt beim mageren 1:1 in Wolfsburg. Doch das Gegenteil war der Fall: Es waren die Gastgeber, die sich bei Temperaturen von nur zehn Grad im Laufe der Begegnung eine Überlegenheit erspielten. Die von Hitzfeld überraschend aufgebotene Vierer-Abwehrkette erwies sich dabei als nicht immer sattelfest.

Dennoch war der Kapitän der Bayern zufrieden: "Porto war vor allem bei Standardsituationen sehr gefährlich. Nach diesem Spielverlauf ist das Ergebnis optimal für uns. Es gab einige Fehler, über die wir reden müssen, aber wir haben trotzdem Grund zur Freude. Wenn wir uns im Rückspiel steigern, denke ich, dass wir das Halbfinale erreichen", bilanzierte Effenberg. Auch für Trainer Ottmar Hitzfeld zählte in erster Linie das Ergebnis: "Wir haben unser Ziel, ein Auswärtstor zu schießen erreicht. Porto gehört zur internationalen Spitze, spielt kontrolliert und ist gut organisiert. Im Großen und Ganzen haben wir hinten gut gestanden, auch wenn wir bei Standardsituationen nicht immer voll konzentriert waren."

Besonders im Vorwärtsgang lief bei den Bayern nicht viel zusammen. Das lag auch daran, dass der Tabellenzweite aus Portugal den Gegner früh attackierte und alle Angriffsbemühungen oft schon im Ansatz erstickte. So resultierten die wenigen Einschussmöglichkeiten der Münchner aus Einzelaktionen. Effenberg (19.) zog nach Scholls Flanke einen Direktschuss am langen Eck vorbei, Jens Jeremies (21.) scheiterte mit seinem 20-Meter-Schuss an Portos Keeper Hilario.

Die beste Chance vor der Pause bot sich dann den immer energischer anstürmenden Hausherren. Als Bayern-Schlussmann Oliver Kahn eine Drulovic-Flanke nicht festhalten konnte, rettete Abwehrchef Patrick Andersson vor dem einschussbereiten Torjäger Jardel (43.). Eine Minute später war Kahn bei Esquerdinhos Fernschuss auf dem Posten.

"Man kann jetzt nicht mehr so viel riskieren wie noch in den Gruppenspielen. Hier wird nach zwei Spielen abgerechnet", erklärte Manager Uli Hoeneß in der Halbzeitpause das vorsichtigere Taktieren seiner Mannschaft. Gleich nach dem Wechsel folgte dann aber die kalte Dusche für die Isar-Elf: Nach einer Maßflanke des von Effenberg nur halbherzig angegriffenen Jugoslawen Ljubimko Drulovic war der von Samuel Kuffour sträflich ungedeckte Jardel, der per Kopf sein neuntes Tor in der laufenden Meisterliga-Saison anbringen konnte.

Nun wankten die Münchner bedenklich. Capucho hätte nur eine Minute nach dem Führungstor den Vorsprung sogar noch ausbauen können, doch sein abgefälschter Schuss strich knapp am Kasten vorbei. Nur allmählich erholten sich die Gäste vom Schock des Rückstandes, ohne jedoch für spielerischen Glanz zu sorgen. Hitzfeld brachte in Carsten Jancker für den enttäuschenden Giovane Elber, der in der 67. Minute seine einzige Chance ungenutzt verstreichen ließ, und Roque Santa Cruz zwei weitere Stürmer - und wurde für seinen Mut doch noch belohnt. Nach einem Traumpass des bis dahin blassen Effenberg behielt der glänzend frei gespielte Brasilianer Sergio die Nerven und vollendete eiskalt mit seinem sechsten Tor zum glücklichen Ausgleich.



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