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Chelsea gegen Barcelona Heiß auf Revanche

Wenn der FC Chelsea Titelverteidiger Barcelona zum Champions-League-Halbfinale empfängt, sinnen die Engländer auf Rache: Das letzte Duell entschieden die Spanier für sich - unter anderem wegen eines verweigerten Strafstoßes.

Hamburg - Es war eine der Szenen, mit denen sich Michael Ballack im kollektiven Fußball-Gedächtnis verewigte: Champions-League-Halbfinale 2009, FC Chelsea gegen FC Barcelona. Nach einem torlosen Hinspiel in Spanien steht es in der Nachspielzeit des Rückspiels in London 1:1. In der 96. Minute drischt Ballack den Ball auf das Tor der Katalanen - doch Samuel Eto'o wehrt den Schuss mit dem Oberarm ab. Trotz lautstarker Proteste verweigerte der norwegische Schiedsrichter Henning Övrebrö den Engländern den Elfmeter, Barcelona zog nach dem Remis ins Endspiel ein. Im Finale gewann das Team 2:0 gegen Manchester United.

Rund drei Jahre später ist sie zum Greifen nahe: Chelseas Möglichkeit zur Rache. Zum ersten Mal seit 2009 stehen sich die beiden Mannschaften am Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker auf SPIEGEL ONLINE) wieder in der Königsklasse gegenüber, noch immer sitzt der Frust tief bei den Engländern. "Dieses Spiel ist in unseren Köpfen", sagt Chelseas Frank Lampard. "Barça ist Favorit, sie haben die beste Mannschaft der Welt. Aber wir haben den Glauben." Seit elf Jahren spielt er bei dem Verein, seitdem wurde Chelsea dreimal Englischer Meister, gewann zweimal den englischen Liga-Pokal - doch der Gewinn der Champions League blieb Lampard und seinem Club verwehrt.

Dabei hat Chelsea in den vergangenen neun Spielzeiten sechsmal das Halbfinale des wichtigsten europäischen Vereinswettbewerbs erreicht. Der Blick auf die Statistik des spanischen Gegners zeigt aber schnell: Die nackten Zahlen sprechen für Barcelona.

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Zum fünften Mal in Folge steht der FC Barcelona unter den besten vier Teams in Europa. Rekord. Achtmal haben die Spanier ein Champions-League-Halbfinale gespielt, laut Sportdatenanbieter Opta zog der Verein in vier Fällen ins Finale ein. Es wird dem FC Chelsea nur wenig helfen, dass der Titelverteidiger bislang noch nie zweimal hintereinander im Endspiel stand.

Barcelona in der Königsklasse seit 16 Spielen ungeschlagen

Auch in dieser Champions-League-Saison hat Barcelona bislang wenig Schwächen gezeigt. Seit 16 Spielen sind die Katalanen ungeschlagen, 13-mal haben sie gewonnen, dreimal unentschieden gespielt. Das ist zwar Vereinsbestleistung, an die Rekordserie von Manchester United - 25 Spiele ohne Niederlage in Folge im Jahr 1999 - kommen sie aber noch nicht heran.

Garant für die Torgefährlichkeit der Spanier ist Weltfußballer Lionel Messi, mit 14 Treffern in der laufenden Saison der Königsklasse ist er das Maß aller Dinge. "Es ist eine Ehre für diesen Sport, von jemandem wie ihm ausgeübt zu werden", sagt Chelseas Kapitän John Terry über den Argentinier. "Wenn ich eines Tages aufhöre, werde ich auf meine Titel blicken und auf die Nächte, als ich gegen den Besten der Geschichte gespielt habe."

Der FC Chelsea ist sich seiner Außenseiterrolle bewusst, vertraut im Hinspiel in London aber auf seine Heimstärke. Nach einer schwierigen Phase zu Beginn des Jahres, die Trainer André Villa-Boas den Job kostete, scheinen sich die Blues wieder etwas in die Spur gefunden zu haben. Im Stadion an der Stamford Bridge ließen sie in der jüngsten Vergangenheit keine Punkte liegen, zuletzt bezwangen sie den Tabellenvierten Tottenham mit 5:1.

Moral haben sie auf eigenem Rasen vor allem auch im Champions-League-Achtelfinale gegen Neapel gezeigt: Nach der 1:3-Pleite in Italien kämpfte sich Chelsea mit einem 4:1-Sieg ins Viertelfinale gegen Benfica Lissabon.

Ein Sieg gegen die vermeintliche Übermacht aus Katalonien könnte den FC Chelsea über eine ansonsten miserable Saison hinwegtrösten. Doch dafür brauche man "zwei perfekte Spiele gegen Barça", prophezeit Trainer Roberto Di Matteo. "In den letzten sechs Wochen haben wir bewiesen, dass wir Fußball spielen können. Der Erfolg hat uns psychisch auf die Partie vorbereitet", sagte der 41-Jährige.

Er hat angekündigt, den bislang unter allen Erwartungen gebliebenen Spanier Fernando Torres in die Startelf stellen zu wollen. Er hofft, damit ein geeignetes Mittel gegen Tormaschine Messi gefunden zu haben. Frühzeitig geschlagen geben will sich der FC Chelsea aber auf keinen Fall. Di Matteo: "Viele der Spieler haben mit Barcelona noch eine Rechnung offen."