Arsenal-Niederlage gegen Bayern Özil im Zentrum der Kritik

An guten Tagen ist Mesut Özil einer der aufregendsten Fußballspieler der Welt. An schlechten Tagen spielt er so wie gegen Bayern München im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League. Nach Arsenals Pleite hagelt es Kritik und Spott für den Deutschen.

Londoner Özil: "Das nagt an ihm"
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Londoner Özil: "Das nagt an ihm"

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Hamburg - Er sei im Team nicht akzeptiert, glaubt Michael Ballack; er solle auf dem Platz mehr arbeiten, forderte ihn Mathieu Flamini auf; er habe gegen Bayern München mentale Probleme gehabt, stellte sein Trainer Arsène Wenger fest. Der Abend von Mesut Özil im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League (0:2) war ein schwarzer. Dabei hatte für den Nationalspieler in London alles so gut angefangen.

Für rund 50 Millionen Euro war Özil im Sommer von Real zum FC Arsenal gewechselt, gleich beim Debüt glänzte der Mittelfeldspieler, kaum eine Partie verging ohne erfolgreichen Assist. Doch die Höhepunkte wurden weniger, die Kritik nahm zu. Nun hat sie ihren vorläufigen Gipfel erreicht.

"Sein Elfmeter war träge, genau wie seine Abwehrarbeit. Auch im Spiel nach vorne war er größtenteils enttäuschend", schreibt der "Guardian". Noch halbwegs lustig gemeint war die Schlagzeile der "Daily Mail", die in Anspielung auf englische Geschichte im Elfmeterschießen gegen deutsche Teams titelte: "Özil ist nun einer von uns." Man habe das Gefühl gehabt, so die Zeitung, als sei Özil, als er sich den Ball schnappte, "mit seinen Gedanken ganz woanders" gewesen.

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Champions League: Erst mau, dann meisterlich
Was aber schwerer wog, war, dass Özil vor allem nach dem Schuss mit seinen Gedanken bei dem Fehlschuss hängen blieb. Darunter habe seine Leistung extrem gelitten, so Wenger. "Das hat ihn sehr beschäftigt. Selbst fünf oder zehn Minuten danach hat er noch immer seinen Kopf geschüttelt."

Özils Art auf dem Spielfeld - sein etwas schleppender Gang, die hängenden Schultern - wirkt lässig. Wenn es gut läuft. Wenn nicht, dann schreit das alles: Phlegma! Die gern bemühte Empfehlung "über den Kampf ins Spiel finden" funktioniert für Özil nicht. Weil er nicht kämpfen muss, wenn er in Normalform ist. Er ist auch ohne Kampf besser als die anderen. Nur zuletzt nicht mehr. Der Fehlschuss beim Elfmeter sei "ein Spiegelbild seiner Form" gewesen, schrieb "The Sun".

Joachim Löw sieht das anders. Der Bundestrainer war am Mittwoch in London im Stadion und habe bereits vor der Parade von Münchens Torhüter Manuel Neuer geahnt, dass Özil scheitern würde. "Ich persönlich hatte für Mesut kein so gutes Gefühl, weil Manuel die Art und Weise kennt, wie Mesut spielt." Beide spielten gemeinsam bei Schalke 04 und seit Jahren zusammen in der Nationalmannschaft.

Für Arsenal-Kapitän Per Mertesacker war Özils Fehlschuss neben der Roten Karte für Keeper Wojciech Szczesny (41. Minute) die Schlüsselszene. "Wir hatten eine richtig großartige Möglichkeit, in Führung zu gehen. Gegen Bayern musst du eiskalt sein, sonst hast du keine Chance", sagte der Nationalspieler. Als Vorwurf wollte er dies aber nicht verstanden wissen, "Mesut wird sich umso mehr ärgern".

"Das nagt schon"

Schon während des Spiels habe die Mannschaft versucht, Özil wieder aufzubauen, aber das sei schwierig gewesen, so Mertesacker: "In so einem großen Spiel so eine Chance zu vergeben, das nagt schon. Das hat man auch gemerkt."

Sonderlich besorgt um das Seelenheil Özils wirkte Flamini allerdings nicht, als er in der zweiten Halbzeit gestikulierend auf seinen Teamkollegen zustürmte. Der Franzose forderte Özil auf, mehr nach hinten zu arbeiten. Aus nächster Nähe schimpfte er auf den Kritisierten ein und schubste ihn. Özil ließ Flamini machen, drehte sich weg und schlurfte davon.

Für den früheren Münchner und Nationalmannschaftskapitän Ballack war die Aktion kein gutes Zeichen, was Özils Ansehen beim FC Arsenal angeht. "Er wirkt in diesem Team ein bisschen verloren", zitiert der "Guardian" Ballack. Dass Flamini ihn so attackiert habe, spreche für fehlende Akzeptanz. "Ein Spieler mit solchen Qualitäten sollte eigentlich unantastbar sein", so Ballack.

Özil selbst äußerte sich zu seinem Auftritt am Mittwoch nicht. Erst einen Tag später schrieb er auf seiner Facebook-Seite: "Sorry, Leute - das war so nicht geplant."

FC Arsenal - FC Bayern München 0:2 (0:0)
0:1 Kroos (54.)
0:2 Müller (88.)
Arsenal: Szczesny - Sagna, Mertesacker, Koscielny, Gibbs (31. Monreal) - Flamini - Oxlade-Chamberlain (74. Rosicky), Özil, Wilshere, Cazorla (39. Fabianski) - Sanogo
München: Neuer - Lahm, Boateng (46. Rafinha), Dante, Alaba - Thiago (79. Pizarro) - Robben, Martínez, Toni Kroos, Götze - Mandzukic (64. Müller)
Schiedsrichter: Rizzoli (Italien)
Zuschauer: 60.000
Gelbe Karten: Sanogo, Rosicky (2) - Boateng, Mandzukic
Rote Karte: Szczesny
Torschüsse: 8:26
Ecken: 2:9
Ballbesitz: 21:79 Prozent

Mit Material vom sid

insgesamt 87 Beiträge
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Seite 1
lemmiecaution 20.02.2014
1. Nichts neues...
Zitat von sysopAFPAn guten Tagen ist Mesut Özil einer der aufregendsten Fußballspieler der Welt. An schlechten Tagen spielt er so wie gegen Bayern München im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League. Nach Arsenals Pleite hagelt es Kritik und Spott für den Deutschen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/champions-league-heftige-kritik-an-mesut-oezil-a-954629.html
Naja. So ist das eben. Sowohl von ihm wie auch von seinem Kumpel Podolski ist gegen gute Gegner nix zu sehen. Total überschätzt, bei Arsenal wie beim DFB.
AhzekAhriman 20.02.2014
2. gut beschrieben
Guter Artikel. Beschreibt Özils Problematik, aus der ferne betrachtet, recht gut. Lässt man Özil spielen ohne groß Druck auf ihn aufzubauen, dann klappt es bei ihm. Wird er zum Spielmacher erkoren (was er meiner Meinung nach nicht ist) verkrampft er schnell und das Resultat hat man gestern gesehen. Er sollte schleunigst aus England verschwinden. Der Fußball dort (Kampf statt Technik) ist nicht sein Ding.
kölschejung72 20.02.2014
3. Sehe ich auch so
Nach dem verschossenen Elfmeter ist Özil nichts mehr geglückt. Der ist mental völlig von der Rolle gewesen. Das ist halt das Problem mit dem Elfmeter. Schießt er den souverain ins Tor, dann gibt es dem Künstler auftrieb. Auch der Rest der Mannschaft war danach schlechter. Aber keiner ist so eingebrochen wie Özil. Und die Bayern hatten danach natürlich Auftrieb. Eigentlich war es seltsam, dass die Bayern gegen 10 Mann in der 2. Halbzeit nur ein Tor geschossen haben. Und das auch nur, als Arsenal drei Minuten vor Ende nochmal die Idee hatte, den Ausgleich zu versuchen und die Leute viel zu behäbig zurück gelaufen sind.
nicosx 20.02.2014
4.
Keine Ahnung was das wieder soll. N Elfer verschießt auch ein C. Ronaldo und ein Messi mal ... und 10 gegen 11 sieht keiner gegen diese Bayern gut aus. Und klar sieht er phlegmatisch aus, na und? Guckt auf die nackten Zahlen des Spiels: von 22 Akteuren ist Mesut an dritter Stelle was die gelaufenen Kilometer betrifft. Der ist einfach ausgepowert. Erstes Jahr in der PL ist für viele kein Zuckerschlecken, keine Weihnachtspause, 2-3 Spiele die Woche .. in den Rhythmus muss man erstmal reinkommen. Nächste Saison siehts sicher besser aus...
hanswurster 20.02.2014
5. Ballack
"Er wirkt in diesem Team ein bisschen verloren", zitiert der "Guardian" Ballack. Dass Flamini ihn so attackiert habe, spreche für fehlende Akzeptanz. Sagt der Spieler, der als Kapitän von Podolski geohrfeigt wurde...
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