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Halbfinale: Messi ohne Zauber, Milito losgelöst

Foto: ALBERTO PIZZOLI/ AFP

Champions League Inter stoppt Messi und Co.

Große Hypothek im Rückspiel: Titelverteidiger Barcelona kassierte im Halbfinal-Hinspiel der Champions League eine Niederlage in Mailand. Während vom argentinischen Superstar Messi nichts zu sehen war, glänzte bei Inter dessen Landsmann Milito mit einem Treffer und zwei Vorlagen.
Von Frieder Schilling

Hamburg - In der 61. Minute war es um das Publikum in San Siro endgültig geschehen. Fünfmal forderte der Stadionsprecher die begeisterten Massen auf, den Namen des Torschützen hinaus in den Mailänder Nachthimmel zu schreien. Und fünfmal antworteten sie ihm aus voller Kehle: "Milito". Der so gefeierte Angreifer stand unterdessen unten auf dem Rasen, reckte die Arme in die Höhe und konnte ebenso wie die Zuschauer wohl kaum fassen, was geschah. Nicht der FC Barcelona schoss ein Tor nach dem anderen, sondern Inter Mailand. 3:1 (1:1) besiegte der italienische Meister im Halbfinal-Hinspiel der Champions League den Titelverteidiger aus Barcelona.

In der ersten Halbzeit boten beide Teams den 80.018 Zuschauern im Guiseppe-Meazza-Stadion temporeichen Fußball, die Spielanteile waren gleichmäßig verteilt. Die zwei Tore resultierten aus Fehlern der Abwehrreihen. In der 19. Minute war es Barcelonas brasilianischer Defensivmann Maxwell, der überraschend ungestört von links in den Inter-Strafraum eindringen durfte und den Ball an den Elfmeterpunkt zurücklegte. Von dort verwandelte Pedro Rodriguez technisch sicher mit links in die rechte untere Ecke, Mailands Keeper Julio Cesar war chancenlos.

Gleiches galt elf Minuten später für seinen Gegenüber Victor Valdes. Inter-Stürmer Samuel Eto'o spielte den Ball auf der Höhe des Elfmeterpunktes in den gegnerischen Strafraum, wo ihn der Argentinier Diego Milito mit dem Rücken zum Tor stoppte und sofort von drei spanischen Abwehrspielern attackiert wurde. Doch drei waren einer zu viel, denn ein Verteidiger fehlte auf der linken Seite. Dorthin legte Milito den Ball ab und der Niederländer Wesley Sneijder traf problemlos zum Ausgleich für die vom Portugiesen José Mourinho trainierten Gastgeber.

Traumstart in Halbzeit zwei

Vom im Viertelfinale gegen Arsenal noch überragend aufspielenden Superstar Lionel Messi war in den ersten 45 Minuten nicht viel zu sehen. Er bot zwei, drei seiner typischen Dribblings an der Strafraumkante des Gegners entlang, doch zum Abschluss kam der kleine Argentinier nicht. Zur Pause stand es somit Unentschieden.

Der zweite Abschnitt begann, wie er für Inter nicht besser beginnen konnte. In der 48. Minute war es erneut der über die rechte Seite kommende Milito, der auch den zweiten Treffer der Italiener vorbereitete. Mit dem Ball am Fuß in den Strafraum eingedrungen, legte er auf Maicon ab und der über den Platz geeilte brasilianische Abwehrspieler verwandelte vom rechten Eck des Fünfmeterraumes. Nur drei Minuten später musste der Titelverteidiger den nächste Nackenschlag hinnehmen: Nach einem Foul im Mittelfeld sah Kapitän Puyol die Gelbe Karte und ist für das Rückspiel am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gesperrt.

Treffer aus stark abseitsverdächtiger Position

In der Folgezeit übernahm Barcelona mehr und mehr die Spielkontrolle, Inter-Keeper Cesar musste sowohl einen Schuss von Messi als auch einen Kopfball von Sergi Busquets parieren. Das Tor jedoch gelang erneut Mailand. In der 61. Minute konnte Eto'o eine Flanke von rechts auf die gegenüberliegende Seite des Strafraumes schlagen, wo Sneijder den Ball per Kopf gegen die Laufrichtung von Barça-Torhüter Valdes seinem Teamkollegen Milito auflegte, der den Ball ebenfalls per Kopf nur noch einnicken brauchte. Nach zwei Vorlagen sein erster Treffer des Abends. Dieser fiel allerdings aus stark abseitsverdächtiger Position, der Argentinier schien bei der Vorlage Sneijders leicht vor dem Ball zu stehen.

Auch in der Schlussphase der Partie war das Glück eher Inter als Barça hold. In der 84. Minute foulte Sneijder Dani Alves im Strafraum. Schiedsrichter Olegario Benquerenca aus Portugal gab jedoch keinen Elfmeter, sondern dem Barça-Akteur die Gelbe Karte - eine klare Fehlentscheidung.

Vier Minuten Nachspielzeit konnten letztlich nichts mehr an der überraschend deutlichen Niederlage des Titelverteidigers ändern. Im Rückspiel muss das Team von Coach Josep Guardiola nun mindestens zwei Treffer gegen Inter erzielen, um das Finale noch zu erreichen. Und eine deutlich bessere Defensivleistung bieten.

Inter Mailand - FC Barcelona 3:1 (1:1)
0:1 Pedro (19.)
1:1 Sneijder (30.)
2:1 Maicon (48.)
3:1 Milito (61.)
Mailand: Julio Cesar - Maicon (73. Chivu), Lucio, Samuel, Zanetti - Thiago Motta, Cambiasso, Pandev (56. Stankovic) - Sneijder - Milito (75. Balotelli), Eto'o
Barcelona: Victor Valdes - Dani Alves, Pique, Puyol, Maxwell - Busquets - Xavi, Keita - Messi, Ibrahimovic (62. Abidal), Pedro
Schiedsrichter: Olegario Benquerenca (Portugal)
Zuschauer: 80.018
Gelbe Karten: Eto'o (2), Stankovic (3) - Busquets, Puyol (3), Pique (4), Keita, Dani Alves (2)