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Champions League Inter zittert sich ins Finale gegen Bayern

Das Champions-League-Endspiel ist komplett: Inter Mailand hat sich gegen den FC Barcelona durchgesetzt und trifft nun auf Bayern München. Barça war zwar drückend überlegen, konnte aber den Zwei-Tore-Rückstand aus dem Hinspiel nicht wettmachen - trotz knapp einstündiger Überzahl.
Von Jan Reschke

Hamburg - Inter Mailands Trainer José Mourinho stürmte nach dem Abpfiff auf den Platz, den Finger gen Himmel gereckt und schrie seine Freude hinaus in den spanischen Nachthimmel. Trotzig, mit Wut im Bauch. Seine Spieler feierten derweil den Einzug ins Finale der Champions League und ließen sich auch nicht durch die Wassersprenkler vertreiben, die ein tief enttäuschter Platzwart offenbar angestellt hatte.

Titelverteidiger FC Barcelona war ausgeschieden - trotz eines 1:0 (0:0)-Erfolges. Trotz zahlenmäßiger Überlegenheit. Trotz Superstar Lionel Messi.

Dabei hatte Barcelona vor 98.000 Zuschauern im Stadion Camp Nou von Beginn an sehr offensiv agiert und Mailand unter Druck gesetzt. Das Hinspiel hatten die Spanier 1:3 verloren, zwei Tore mussten her, um den Finaleinzug gegen den FC Bayern noch zu ermöglichen. Die Münchner hatten am Dienstag in der zweiten Halbfinal-Partie Olympique Lyon geschlagen.

Nur wenig Raum zum Kombinieren

In der dritten Minute setzte sich Pedro auf der rechten Seite durch und zog nach innen, sein Schuss landete aber knapp neben dem Tor von Julio Cesar. Außenstürmer Pedro hatte auch die nächste große Chance für Barcelona, verpasste die Führung aber erneut (23.). Die Gastgeber kontrollierten die Partie, Inter stand sehr tief in der eigenen Hälfte und ließ den gegnerischen Angreifern nur wenig Raum zum Kombinieren. Wenn es mal gefährlich wurde, dann meist durch Standardsituationen. Mailand brachte in der Offensive nur sehr wenig zustande, bemühte sich aber auch nicht sonderlich. "Wir haben einen tollen Job hier gemacht und zweimal die richtige Taktik gewählt", sagte Mittelfeldspieler Wesley Sneijder.

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Foto: JOSEP LAGO/ AFP

Dann die entscheidende Szene des ersten Durchgangs: In einem Zweikampf streckte Inters Thiago Motta seinen Arm nach hinten aus und erwischte Sergi Busquets dabei im Gesicht (28.). Der Schiedsrichter Frank de Bleeckere wertete dies als Tätlichkeit und zückte die Rote Karte - eine zu harte Entscheidung. Allerdings hätte der bereits vorbelastete Motta auch bei einer zweiten Gelben Karte den Platz verlassen müssen. Es folgten hitzige Diskussionen im Zuge deren der sichtlich aufgebrachte Motta Busquets am Hals packte und Mourinho den Schiedsrichtern höhnisch applaudierte. Es dauerte einige Minuten, bis sich alle Beteiligten wieder auf das Spiel konzentrierten.

Uninspiriert schoben sich die Spieler den Ball um den Strafraum zu

Fortan zogen sich die Gäste noch weiter um den eigenen Strafraum zurück, nur darauf bedacht, den Vorsprung über die Zeit zu bringen. Barças Messi hätte Nutzen aus der Überzahl ziehen können, doch er scheiterte an Torwart Cesar (32.). Bis zur Pause wurden die Gastgeber nur noch einmal gefährlich: Der von Stürmer Zlatan Ibrahimovic getretene Freistoß verfehlte das Inter-Tor aber um rund einen Meter (45.).

So blieb es bis zur Pause beim torlosen Remis, es blieben Barça nur noch 45 Minuten, um die zwei benötigten Treffer zu erzielen. Trainer Josep Goardiola richtete sein Elf dennoch nicht viel offensiver aus, er wechselte lediglich Abwehrspieler Maxwell für Gabriel Milito ein.

Das anschließende Anrennen blieb wirkungslos

Auf die Angriffsbemühungen von Barcelona wirkte sich das zunächst aber nicht nachhaltig aus, relativ uninspiriert schoben sich die Spieler des Titelverteidigers den Ball um den gegnerischen Strafraum zu, ohne Ideen zu entwickeln, wie die Inter-Abwehr überwunden werden konnte. Die Zeit wurde immer knapper - Guardiola reagierte und brachte Bojan Krkic für Ibrahimovic und Jeffren für Busquets.

Dennoch schaffte es Barcelona nur selten, gefährlich vor das Mailänder Tor zu gelangen. Das sonst so beeindruckende Kombinationsspiel wurde von den effektiven Italienern wirkungsvoll unterbunden. Distanzschüsse blieben so meist die einzigen Gelegenheiten. Es war zu wenig Bewegung im Barça-Spiel, es wurden keine Lücken geschaffen, durch die ein Ball doch noch den Weg Richtung Tor gefunden hätte.

82 Minuten waren bis dahin verstrichen - und es war nur schwer vorstellbar, dass es Barcelona noch gelingen sollte, zwei Treffer zu erzielen. Dann begann die turbulente Schlussphase: Zunächst verfehlte Bojan mit einem Kopball nur knapp das Tor. In der 85. Minute machte es dann Gerard Piqué noch einmal spannend, er traf aus der Drehung zum 1:0.

Es blieben nur wenige Minuten, Inters Ordnung ging zunehmend verloren. In der zweiten Minute der Nachspielzeit traf zwar Bojan noch einmal ins Mailänder Tor, allerdings hatte de Bleeckere die Szene bereits zuvor wegen eines Handspiels abgepfiffen. Das anschließende Anrennen blieb wirkungslos.

Der Abpfiff war der Startschuss für Mourinho.

FC Barcelona - Inter Mailand 1:0 (0:0)
1:0 Pique (84.)
Barcelona: Victor Valdes - Dani Alves, Pique, Gabriel Milito (46. Maxwell), Keita - Xavi, Toure, Busquets (63. Jeffren) - Pedro, Ibrahimovic (63. Krkic), Messi. - Trainer: Guardiola
Inter: Julio Cesar - Maicon, Lucio, Samuel, Zanetti - Cambiasso, Thiago Motta - Eto'o (86. Mariga), Sneijder (67. Muntari), Chivu - Diego Milito (81. Cordoba). - Trainer: Mourinho
Schiedsrichter: de Bleeckere (Belgien)
Zuschauer: 96.214 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Pedro (2) - Julio Cesar, Chivu (3/1)
Rote Karte: Thiago Motta (Inter, 28.) wegen einer Tätlichkeit

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