Schalkes Draxler vor Real-Spiel Rendezvous mit der Jugendliebe

Rechtzeitig zum Champions-League-Achtelfinale gegen Real Madrid ist Julian Draxler wieder fit. Der Jungstar fehlte dem Schalker Team schmerzlich, Trainer Jens Keller hofft auf einen Leistungsschub. Doch je besser Draxler spielt, desto interessanter wird er für die Konkurrenz.

DPA

Von , Gelsenkirchen


SPIEGEL ONLINE Fußball
Die Vorfreude ist förmlich greifbar, wenn Julian Draxler in diesen Tagen über das große Champions-League-Spiel zwischen dem FC Schalke 04 und Real Madrid (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ZDF) fabuliert. Neun Wochen lang war der Schalker Star verletzt, nun kehrt er in eine gut funktionierende Mannschaft zurück, und der spanische Gigant ist so etwas wie sein Jugendschwarm. "Es ist ein Traum, jetzt gegen diesen Verein zu spielen, genauso wie es ein Traum wäre, irgendwann für Real zu spielen", sagt er. "Genau solche Abende wollten wir haben, dafür haben wir das ganze letzte Jahr gekämpft. Jetzt ist es so weit."

Der hochbegabte 20-Jährige ist nach der ersten schweren Verletzung seiner Karriere (Sehnenanriss im Oberschenkel) gerade rechtzeitig wieder einsatzfähig und hofft, mit seiner Rückkehr auf den Rasen auch eine ziemlich zermürbende Episode zu beenden. Die vergangenen Wochen waren durchsetzt von wilden Spekulationen über Draxlers Zukunft, die von der Ausstiegsklausel in seinem Vertrag angeheizt wurden.

Schalkes Manager Horst Heldt war einst mächtig stolz auf den Kontrakt, den er vor knapp einem Jahr ausgehandelt hatte. Bis 2018 läuft der Vertrag Draxlers, diese frohe Botschaft ließen die Schalker sogar auf Lastwagen tapezieren, die durchs ganze Ruhrgebiet fuhren. Auch durch die Straßen rund um das Dortmunder Westfalenstadion, was als königsblauer Triumph empfunden wurde, kurz nachdem der Rivale Mario Götze - per Ausstiegsklausel - an den FC Bayern verloren hatte.

Reichlich Raum für Interpretationen und Schlagzeilen

Selbst der Paragraf, demzufolge Draxler die Schalker für eine Ablöse von 45,5 Millionen Euro verlassen darf, wurde gefeiert. Doch so langsam entpuppt sich diese Vereinbarung als chronischer Unruhefaktor in der Schalker Fußballwelt, die eigentlich so idyllisch ist wie lange nicht. Die Störungen kommen ja "weder von meiner Seite noch von Schalker Seite, deswegen bin ich da relativ machtlos", sagt Draxler. Aber gerade das macht die Sache so unangenehm.

Das Vertragswerk bietet jedem Konkurrenten, sofern er einigermaßen solvent ist, die Möglichkeit, ein entsprechendes Interesse zu lancieren. Es bietet gleichzeitig Raum für Interpretationen und dicke Schlagzeilen, die den Spieler selbst und die Verantwortlichen zu Stellungnahmen zwingen. Inzwischen gerät die Branche schon in Aufruhr, wenn der Münchner Sportdirektor Matthias Sammer einen Wechsel Draxlers nicht ausschließt - eine Aussage, die bei genauer Betrachtung frei von jeder Schlagkraft ist.

"Das sind Gerüchte, die ich nicht kommentieren möchte"

Allerdings gibt es andere Indizien, die durchaus auf eine Zukunft Draxlers beim FC Bayern hinweisen. Nachdem Arsène Wenger vom FC Arsenal in der Winterpause Neugier bekundet hatte, berichtete eine englische Zeitung, der Umworbene habe die Avancen mit einer vielsagenden Begründung abgelehnt: Der FC Bayern sei ebenfalls interessiert, und diese Perspektive habe sich Draxler nicht durch einen vorzeitigen Wechsel nach London verbauen wollen.

Wäre das erfunden, könnte Draxler nun einfach dementieren. Stattdessen sagt er: "Das sind Gerüchte, die ich nicht weiter kommentieren möchte, weil sowieso jede Woche was Neues kommt." In einem Interview mit der "WAZ" erwiderte er dann diese Woche auf die Frage, was er tun würde, wenn die Bayern ihm ein konkretes Angebot unterbreiten: "Manuel Neuer war früher einmal mit Sicherheit 100-prozentig davon überzeugt, dass er niemals zu Bayern gehen wird. Doch dann hat er fünf Jahre als Profi gespielt und ist im Laufe der Zeit zu einer anderen Überzeugung gekommen."

Je besser Draxler spielt, desto wilder werden diese Spekulationen - was die Schalker natürlich nicht davon abhält zu hoffen, dass er in den kommenden Wochen wieder richtig in Form kommt. Die linke Außenbahn wurde zuletzt eher aushilfsweise mal von Linksverteidiger Christian Fuchs, mal vom labilen Chinedu Obasi und zuletzt von Leon Goretzka bearbeitet, der sich eigentlich im defensiven Mittelfeldzentrum wohler fühlt. Nun soll die ohnehin schon von einem Aufschwung beflügelte Mannschaft mit Draxler noch ein Stück stärker werden.

Gegen Real dürfe man aber noch kein Wunderwerk von dem Rückkehrer erwarten, sagt Manager Horst Heldt: "Wenn man so lange verletzt war, braucht es seine Zeit, bis die Selbstsicherheit zurück ist." Andererseits trifft Draxler auf seine Jugendliebe aus der spanischen Hauptstadt, und jeder weiß, dass ein Rendezvous zusätzliche Kräfte freisetzen kann.

insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
matthias__g 26.02.2014
1. Frechheit
Also es gibt ja wenige Fußballer die derart oft davon sprechen früher oder später den Verein wechseln zu wollen.
Munster 26.02.2014
2.
Zitat von matthias__gAlso es gibt ja wenige Fußballer die derart oft davon sprechen früher oder später den Verein wechseln zu wollen.
Ist doch gut, das ist nur ehrlich! Draxler ist 20, hat riesiges Potential und ihm steht die Fussballwelt offen. Warum sollte er nicht sagen, dass er früher oder später gerne woanders spielen würde? Ich finde das - wie gesagt - erfrischen ehrlich bei den ganzen auf Linie gebrachten Fussballern, mit ihren von der Vereinsführung und PR-Beratern vorgegebenen Antworten.
rocky balboa 26.02.2014
3. Was spricht dagegen?
Kaum ein Spieler bleibt ein Leben lang bei einem Club, da ist es sympathischer wenn der Junge offen spricht, im Gegensatz zu manch anderem der einen Tag nach einer öffentlichen Liebesbekundung einen Vertrag bei der Konkurrenz unterschreibt.
spon-facebook-1314890360 26.02.2014
4. Geh zu Real Junge...
aber bleib bloß weg vom FCB!
Andr.e 26.02.2014
5.
Zitat von matthias__gAlso es gibt ja wenige Fußballer die derart oft davon sprechen früher oder später den Verein wechseln zu wollen.
Sie können das nicht wissen - aber er spielt "Auf Schalke". Da sollte sich eine Diskussion darüber, OB man den Verein wechseln möchte gar nicht ergeben. Viel mehr sollte die Frage lauten: Herr Draxler, wissen Sie schon, WANN Sie wechseln wollen? ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.