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11. April 2013, 14:03 Uhr

Bayern-Trainer Heynckes

"Auslosung ist kein Wunschkonzert"

Bayern-Trainer Jupp Heynckes hat im Gegensatz zu seinem Präsidenten keinen Wunschgegner fürs Habfinale der Champions League. Er hält Borussia Dortmund als Gegner für genauso schwer wie Madrid oder Barcelona. Den Favoriten Barça hat er schon genauestens studiert.

SPIEGEL ONLINE: Ist der Präsidentenwunsch, Borussia Dortmund als nächsten Halbfinalgegner in der Champions League zu bekommen, jetzt Befehl?

Heynckes: Die Auslosung ist kein Wunschkonzert, weil die vier Mannschaften im Halbfinale absolute Top-Mannschaften sind. Jeder von den vier Teams kann die Champions League gewinnen. Deswegen habe ich keine Präferenz. Ich denke auch nicht, dass man das haben sollte.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben gar keinen Wunschgegner? Nicht einmal ihren ehemaligen Club Real Madrid?

Heynckes: Nein. Sie wissen immer erst nach den Halbfinalspielen, ob das ein gutes Los gewesen ist oder nicht. Es hängt im Halbfinale von vielen Faktoren und Kleinigkeiten ab, ob man alle Spieler fit hat, dass keiner verletzt ist, dass alle wichtigen Spieler dabei sind und wie das beim Gegner ist. Meine Erfahrung sagt mir, es ist am besten, wenn man da ganz locker und gelöst drangeht.

SPIEGEL ONLINE: Gegen Turin haben die Kleinigkeiten ja gestimmt, wenn man von der Anfangsphase absieht.

Heynckes: Keine Mannschaft der Welt kann nach Turin fahren und sagen, wir beherrschen den Gegner 90 Minuten. Das ist Juventus Turin. Nach 25, 30 Minuten haben wir die Kontrolle über das Spiel übernommen. Und in der zweiten Halbzeit haben wir dann unsere ganze Klasse, unsere ganze Stärke demonstriert und haben dann sicher letztendlich auch verdient gewonnen.

SPIEGEL ONLINE: Ist die Situation mit zwei spanischen und zwei deutschen Top-Clubs im Halbfinale etwas Besonderes?

Heynckes: Immer wieder gibt es Spekulationen und Wünsche über zwei deutsche Teams im Endspiel. Man sollte dabei nicht vergessen, dass im vergangenen Jahr das Endspiel vorher schon vergeben war mit Real Madrid und Barcelona - und dann kam es anders (Anm. der Red.: FC Bayern - FC Chelsea). Ich finde, wir sollten jetzt auch in das Halbfinale reingehen, wie wir das auch in den vergangenen Wochen und Monaten gemacht haben. Ganz souverän und ohne große Aufregung.

SPIEGEL ONLINE: Hat sich der Stellenwert des deutschen Fußballs mit diesen zwei guten deutschen Mannschaften verändert?

Heynckes: Ich denke, dass in den vergangenen Jahren schon der Respekt vor dem deutschen Fußball im Ausland größer geworden ist. Als ich in Spanien Trainer war, hat die Bundesliga dort überhaupt nicht stattgefunden. Nun sind im deutschen Fußball sehr viele junge hochtalentierte Spieler rausgekommen, sehr gute Mannschaften, der Respekt ist groß geworden in Spanien. Wenn man von der Auslosung spricht, denke ich, dass sich nicht jeder gerade Bayern München wünscht.

SPIEGEL ONLINE: Muss sich der FC Bayern in seiner derzeitigen Verfassung immer noch klein machen und sagen, Barcelona lieber erst im Finale? Oder ist man auf Augenhöhe?

Heynckes: Ich nehme jeden Gegner so wie er kommt. Ich kenne den FC Barcelona wie aus dem Effeff, besser als meine Mannschaft vielleicht. Weil ich über viele Jahre immer Real Madrid gegen Barcelona angeschaut habe, kenne ich die Spielphilosophie, die Taktik, die ganzen Spieler. Und wenn Barcelona kommt, dann nehmen wir Barcelona an. Aber Barcelona hat in den vergangenen Jahren den internationalen Fußball beherrscht und bestimmt, war sehr erfolgreich. Ich denke aber, Real Madrid oder Borussia Dortmund sind genauso schwer.

Aufgezeichnet von Christian Kunz, dpa

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