Juventus und Ronaldo in der Champions League Schon wieder gescheitert

Juventus ist in der Königsklasse erneut früh ausgeschieden. Gegen Porto war nicht auf den sonst so zuverlässigen Cristiano Ronaldo Verlass. Immerhin ein Nachfolger des alternden Superstars konnte sich in Position bringen.
Cristiano Ronaldo blieb gegen Porto weitgehend blass

Cristiano Ronaldo blieb gegen Porto weitgehend blass

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MASSIMO PINCA / REUTERS

Eine Verlängerung zum Genießen: Die letzten zehn Minuten dieser Partie hatten alles, was K.-o.-Spiele spannend macht. Die vermeintliche Entscheidung und Überraschung, als Sérgio Oliveira in der 115. Minute einen direkten Freistoß aus knapp 28 Metern flach und durch die Mauer hindurch zum 2:2 verwandelte. Dann doch noch einmal Spannung, weil Adrien Rabiot zwei Minuten später das 3:2 für Juve erzielte. Und als Matthijs de Ligt in der Nachspielzeit der Nachspielzeit im gegnerischen Strafraum fiel, schien der späte Erfolg des Favoriten ebenso wie bei Juan Cuadrados Großchance in der 94. Minute plötzlich wieder nahe. Nur gab es berechtigterweise keinen Strafstoß, Cuadrado scheiterte an Torwart Agustín Marchesín.

Das Ergebnis: Juventus gewinnt 3:2 (0:1, 2:1) nach Verlängerung, scheidet aber dennoch aus. Hier geht es zum Spielbericht.

Mister Champions League trifft nicht: Seit der Saison 2018/2019 spielt Cristiano Ronaldo für Juve. Bis zum Hinspiel in Porto (1:2) schoss er in dieser Zeit alle sieben Tore für sein Team in K.-o.-Spielen der Königsklasse. Gegen Porto blieb Ronaldo in beiden Partien blass. Negativer Höhepunkt: Beim 2:2 durch Oliveira waren es in der Freistoßmauer ausgerechnet die Beine des Portugiesen, durch die der Ball seinen Weg ins Tor fand. 2018 war Ronaldo nach Turin gekommen, um die Champions League in das Piemont zu bringen. Nun scheiterte Juve das zweite Mal in Folge im Achtelfinale.

Die erste Hälfte: Porto agierte offensiver als erwartet, schaltete vor allem nach Ballgewinnen immer wieder schnell und gut um. Vor und nach dem Elfmetertor von Oliveira (19. Spielminute) hatten die Gäste die besseren Chancen, Juve fehlten offensiv die Ideen.

FC22 statt CR7? Wenn es doch einmal gefährlich wurde, war es Chiesa, der sich spätestens gegen Porto als legitimer Nachfolger des alternden und gegen Porto erschreckend ungefährlichen Ronaldo ins Spiel brachte. Der Mann mit der Rückennummer 22 erzielte drei der vier Tore gegen Porto. Im Hinspiel erst das wichtige 1:2, in Turin gelang ihm dann als erstem Italiener seit Filippo Inzaghi vor 22 Jahren ein Doppelpack für den italienischen Rekordmeister in einem K.-o.-Spiel der Königsklasse.

Federico Chiesa war der herausragende Mann bei Juventus

Federico Chiesa war der herausragende Mann bei Juventus

Foto: Federico Tardito / Insidefoto / imago images/Insidefoto

Die zweite Hälfte, Teil eins: Diesmal hatten die Gastgeber Ideen. Leonardo Bonucci spielte einen schönen Pass auf Ronaldo, dem die Annahme zwar misslang, der aber so für Chiesas Ausgleichstor auflegte (49.). Juventus drückte in der Folge auf den Führungstreffer – und bekam ungeahnte Hilfe.

Die Dummheit des Spiels: beging Portos Mehdi Taremi. Nachdem er nicht einmal 120 Sekunden zuvor Gelb gesehen hatte, schlug er nach einem Abseitspfiff den Ball weg und flog mit Gelb-Rot vom Platz. Eine korrekte, wenn auch sehr harte Entscheidung von Schiedsrichter Björn Kuipers. Taremi selbst wollte es nicht wahrhaben. Auf dem Weg vom Platz fragte er den vierten Offiziellen. »Das ist doch Champions League, oder?« Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl von Kuipers in dieser Situation hätte sich wohl nicht nur Taremi gewünscht.

Die zweite Hälfte, Teils zwei: Nach dem Platzverweis wackelte Porto bedenklich, die Führung durch den doppelten Chiesa war folgerichtig (63.). Mit zunehmender Spieldauer war auf dem Platz aber immer weniger deutlich, dass Juve in Überzahl agierte. Cuadrado vergab in der Nachspielzeit die größte Chance zum 3:1, das für das Viertelfinale gereicht hätte.

Mehdi Taremi scheint wenig begeistert über seinen Platzverweis

Mehdi Taremi scheint wenig begeistert über seinen Platzverweis

Foto: MASSIMO PINCA / REUTERS

Alter schützt vor Leistung nicht: Deutlich über 29 Jahre alt war Portos Startelf im Durchschnitt. Nur beim 2:4 gegen Barcelona im März 2000 trat Porto in der Champions League mit einer älteren Mannschaft an. Zwar reichte es auch im 14. Auswärtsspiel in der K.o.-Phase in Folge nicht zu einem Sieg in der Königsklasse, aber das wird den Portugiesen ziemlich egal sein. Mit dem schnellen Umschaltspiel aus einer kompakten Defensive heraus erinnerte der Außenseiter an ein anderes Team, das in der vergangenen Saison für Furore sorgte – und für das Aus von Juventus im Achtelfinale verantwortlich war: Olympique Lyon. Nach der Leistung in Turin gibt es keinen Grund zu glauben, dass Porto nicht ebenso bis ins Halbfinale der Champions League vorstoßen könnte.

Und jetzt, Juve? In der Serie A liegt Juventus zehn Punkte (bei einem Spiel weniger) hinter Inter. Die letzte Chance auf einen Titel ist das Finale im italienischen Pokal gegen Atalanta Bergamo. Sollte Andrea Pirlo in seiner ersten Saison als Cheftrainer keinen Titel holen, wäre das eine herbe Enttäuschung, schließlich wurde der Klub zuletzt neunmal in Serie Meister. Lässigkeit und Genialität zeichneten den Spieler Pirlo aus. Der Trainer Pirlo muss zumindest letzteres noch beweisen. Nach dem frühen Champions-League-Aus ist fraglich, ob er die Zeit bei Juventus bekommen wird.

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