Champions League Lange Unterhosen und Nierenschützer im Bayern-Gepäck

Der FC Bayern München muss sich im vorentscheidenden Champions-League-Spiel in Moskau warm anziehen. Minustemperaturen gefährden die Gesundheit der Spieler.


Wie schützt man sich vor der Moskauer Kälte? Giovane Elber probt eine Variante
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Wie schützt man sich vor der Moskauer Kälte? Giovane Elber probt eine Variante

Moskau - In Anbetracht der Gefrierschrank-Temperaturen, die den deutschen Fußball-Meister am Mittwoch (18 Uhr, Liveticker bei SPIEGEL ONLINE) im vierten Zwischenrundenspiel der Champions League bei Spartak Moskau erwarten, empfiehlt FCB-Präsident Franz Beckenbauer den Spielern "viel Bewegung, sonst kriegt man eine Lungenentzündung".


Kurzfristige Absage möglich


In Moskau sind für Mittwoch Temperaturen bis zu minus 19 Grad und leichter Schneefall angesagt - gesundheitliche Probleme erwartet Bayern-Mannschaftsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt dennoch nicht: "Wir haben lauter harte Burschen, für die gibt es keine Kälte. Was sollen denn beispielsweise die Ski-Langläufer sagen, die auch bei solchen Temperaturen starten?" Vorgesorgt hat der FC Bayern trotz allem: Zum Gepäck in Moskau gehören lange Unterwäsche und Nierenschützer ebenso wie Vaseline zum Schutz des Gesichts.

Olympia-Arzt Wilfried Kindermann hingegen warnt vor den Kälte-Gefahren für die Gesundheit der Fußball- Profis: "Bei Minusgraden ist das Verletzungsrisiko besonders hoch. Ich würde ein Fußballspiel bei mehr als zehn Grad Minus nicht anpfeifen." Tatsächlich ist eine kurzfristige Absage der Partie durch die Uefa-Beobachter und Schiedsrichter Antonio Jesus Lopez Nieto (Spanien) nicht ausgeschlossen. Die Statuten der Uefa sehen vor, dass bei Temperaturen unter minus 15 Grad nicht gespielt werden darf. "Dann könnte der Schiedsrichter noch eine Stunde vor Spielbeginn absagen", erklärte Bayern-Pressechef Markus Hörwick. In diesem Fall könnte die Partie um 24 Stunden verschoben werden.


Spartaks Heimstärke


Doch daran denkt beim FC Bayern niemand. Der Tabellenführer der Zwischenrunden-Gruppe C will einen weiteren Schritt in Richtung Viertelfinale machen. "Wir sind heiß auf das Spiel. Wir spielen auf Sieg und werden hohes Risiko gehen. Da zählen keine Ausreden", kündigt Kapitän Stefan Effenberg an. Zumal dem deutschen Meister (sieben Punkte) mit einem Sieg der Einzug in die Runde der letzten Acht fast nicht mehr zu nehmen wäre.

Die Bayern sind gewarnt: Im Dezember besiegte Spartak den FC Arsenal London bei Temperaturen von minus acht Grad mit 4:1 im mit Rasenheizung ausgestatteten Luschniki-Park, der wohl mit 80.000 Zuschauern ausverkauft sein wird. Auch Bayer Leverkusen (0:2) bekam in der Vorrunde der Champions League die Heimstärke der Russen zu spüren, die auch Real Madrid (1:0) und Sporting Lissabon (3:1) bezwangen. Nach dem 0:1 vor einer Woche in München hilft Spartak, Tabellenletzter der Gruppe C, zudem nur ein Sieg, um die Chance auf das Viertelfinale zu wahren.


Zicklers Fuß in Gips


Während Spartak nur auf den gesperrten Juri Kowtun verzichten muss, sind die Personalsorgen bei den Bayern groß. Am Dienstag fehlten beim Abflug Richtung Russland die verletzten Ciriaco Sforza (Knie) und Alexander Zickler (Sprunggelenk, zehn Tage Gips) sowie Jens Jeremies (Gelb-Sperre).

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:
Moskau: Filimonow - Tchusje, Ananko, Mitrewski, Kalinitschenko - Baranow, Bulatow, Titow, Besrodny - Irismetow, Marcao
München: Kahn - Kuffour, Andersson, Linke - Sagnol, Fink, Effenberg, Lizarazu - Salihamidzic, Elber, Scholl
Schiedsrichter: Lopez Nieto (Spanien)



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