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Bayers Sieg gegen St. Petersburg: In fünf Minuten zum Erfolg

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Erfolg gegen Zenit St. Petersburg Leverkusens Therapie-Sieg

Defensiv-Schwächen, Pistolen-Affäre, Millionen-Rückzahlung: Bei Bayer Leverkusen ging es zuletzt drunter und drüber. Umso wichtiger war der Sieg gegen Zenit St. Petersburg, bei dem das Team bislang unbekannte Fähigkeiten zeigte.

Strukturiert? Kämpfend? Nein, das war Bayer Leverkusen in den vergangenen Wochen wahrlich nicht. Wenn die Mannschaft von Trainer Roger Schmidt irgendwo antrat, wurde meist ein wildes Spektakel geboten, vor beiden Toren. Daher gab es längst die Diskussion, ob dem Team die Fähigkeit fehle, wenn nötig auch mal mit schlichteren Mitteln zu agieren und dennoch erfolgreich zu sein. Gegen solche Vorwürfe können die Leverkusener ab jetzt mit dem 2:0-Sieg gegen Zenit St. Petersburg argumentieren.

Das Champions-League-Spiel am Mittwochabend sah ganz anders aus, als die bisherigen Auftritte des Teams in dieser Saison. Disziplinierter, konsequenter, auch geordneter. Und die Spieler sind bis an die Schmerzgrenze gegangen. "Es ist sehr gut, dass wir das heute mal bis zum Ende durchgezogen haben", sagte Lars Bender, der im defensiven Mittelfeld überragend agierte. Geschäftsführer Michael Schade ergänzte: "Wir brauchten die Punkte, aber wir brauchten auch das Selbstvertrauen."

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Das 3:3 gegen Stuttgart am vorigen Samstag, als das Team eine 3:0-Führung verspielte, hat Spuren hinterlassen. All jene Skeptiker, die den ultrakonsequenten Balleroberungsfußball des neuen Trainers zu radikal finden, fühlten sich anschließend bestätigt. Das Team sei nicht in der Lage, auch mal das Tempo zu verschleppen und Spiele zu beruhigen. Gegen Zenit hat die Werkself nun aber viele Fähigkeiten gezeigt, die bisher allenfalls sporadisch zu sehen waren, was auch an der Herangehensweise der Gäste lag.

Leverkusen agierte auch mal taktisch clever

St. Petersburg versuchte, die Leverkusener Balleroberungssituationen zu umgehen, indem immer wieder lange Bälle aus der eigenen Hälfte geschlagen wurden. "Der Schlüssel lag darin, dass wir in diesen Szenen sehr diszipliniert waren", sagte Schmidt. Bayer stand gut, selbst nachdem Wendell mit Gelb-Rot vom Platz geflogen war (80.), blieb die Defensive stabil, hielt die Ordnung und nahm geschickt die Geschwindigkeit aus dem Spiel. Diese Mannschaft kann auch taktisch clever agieren. Und jenseits dieser Aspekte durften sich ein paar Spieler feiern lassen, die zuletzt nur selten im Vordergrund standen.

So überzeugte Giulio Donati nicht nur als Rechtsverteidiger, er schoss auch noch das wichtige 1:0 (58.). Und Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos, der aufgrund verschiedener Verletzungen seit seinem Wechsel vom FC Schalke kaum spielen konnte, köpfte nach seiner Einwechslung nicht nur den zweiten Treffer (63.), er trug in der Schlussphase auch viel zur Stabilität der Leverkusener bei.

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Ebenfalls große Fortschritte macht Linksverteidiger Wendell, der voller Hingabe gegen den Superstar Hulk kämpfte. Die beiden Brasilianer lieferten sich ein sehenswertes Duell an der Außenlinie. "Er hat sich taktisch deutlich verbessert und ist sehr geschickt im Zweikampf", lobte Schmidt seinen Abwehrspieler.

Und nicht zuletzt glänzte Hakan Calhanoglu nach seinem viel diskutierten Auftritt im Aktuellen Sportstudio. Es gab ja Beobachter, die meinten, der Türke würde unter seinem rhetorisch weniger gelungenen und auch argumentativ nicht immer überzeugenden Bericht über die Hintergründe seines Wechsels aus Hamburg an den Rhein und einen Vorfall mit Schusswaffe im Umfeld der türkischen Nationalmannschaft leiden. Auf dem Platz war davon nichts zu sehen. Calhanoglu bereitete beide Treffer vor und arbeitete leidenschaftlich für die Mannschaft. "Ich habe das Gefühl, dass er befreit ist, all diese Dinge erzählt zu haben", sagte Schmidt.

Insofern war diese für Leverkusener Verhältnisse eher unspektakuläre Partie auch so etwas wie eine Therapie für die an ganz unterschiedlichen Stellen angeschlagene Mannschaft. Calhanoglu hatte Staub aufgewirbelt, Mentalität und Spielweise standen im Fokus der Kritik, außerdem verkündete das Kölner Landgericht am Mittwochvormittag ein Urteil, demzufolge der Klub 16 Millionen Euro an die Gläubiger des Ex-Sponsors TelDaFax zurückzahlen muss.

All das hat das Team gut verkraftet. "Jetzt haben wir in der Champions League alles selbst in der Hand und stehen nicht mehr so unter Druck", sagte Schmidt zufrieden. Der kommende Bundesligaspieltag hält dann das Topspiel gegen Schalke 04 bereit. Die Gelsenkirchener hatten am Dienstagabend gegen Sporting Lissabon gespielt, wie man es bislang eigentlich von Leverkusen kannte: vogeldwild.