Bayers Sieg gegen San Sebastián Später Jubel, schlechter Kießling

Am Ende zählten nur die drei Punkte: Dank eines Tores kurz vor Schluss hat Bayer Leverkusen gegen San Sebastián gewonnen. Stürmer Stefan Kießling hatte daran wenig Anteil, er zeigte international mal wieder eine schwache Leistung - und das vor den Augen des Bundestrainers.

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Aus Leverkusen berichtet


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Ihr Wort hat Gewicht, und wenn Stefan Kießling und Simon Rolfes etwas sagen, dann wird das auch meistens so gemacht. Diesen Status haben sie sich bei Bayer Leverkusen über Jahre erarbeitet, mit guten Leistungen und Toren. Jens Hegeler war das am Mittwochabend ziemlich egal.

In Bayers Champions-League-Gruppenspiel gegen Real Sociedad San Sebastián lief die 90. Minute, es stand 1:1 und Leverkusen hatte einen Freistoß halbrechts vor dem Tor der Spanier. "Ich hatte da eine kleine Diskussion mit Kieß, der wollte eine Flanke", sagte Hegeler nach dem Spiel. Auch Kapitän Rolfes rief dem eingewechselten Flügelspieler zu, er solle den Ball vors Tor chippen. Doch Hegeler entschied sich für eine kleine Rebellion gegen die beiden Anführer - und schoss den Ball einfach zum 2:1-Siegtreffer in den Winkel.

"Ich glaube, das war mein erstes Freistoßtor in einem Pflichtspiel. Und das in meiner ersten Champions-League-Partie", sagte Hegeler: "Unglaublich." Natürlich sprangen auch Rolfes und Kießling wild jubelnd über den Rasen nach diesem krachenden Akt der Befreiung. "Das sind die Europapokalabende, von denen man als Kind immer träumt", sagte Rolfes am Ende dieser höchst unterhaltsamen Partie, die auch 4:4 hätte ausgehen können.

Nur ein Tor trotz großer Überlegeneheit

Und das lag daran, dass die Leverkusener in der zweiten Hälfte wieder einmal hartnäckig an ihrem Ruf eines zwar hoch veranlagten, aber zu wankelmütigen Teams gearbeitet hatten. In der beeindruckenden ersten Halbzeit, als Bayer klar dominierte, brachten die Gastgeber nur einen Treffer zu Stande (Rolfes, 45. Minute), bevor sie nach der Pause begannen zu wackeln und zu zittern.

"Es war irgendwie komisch, wir standen offen und haben die Ordnung verloren", wunderte sich Torhüter Bernd Leno, bester Leverkusener der zweiten Hälfte. Der Keeper entschärfte nicht nur gute Chancen der Spanier aus dem Spiel heraus, sondern hielt auch noch einen Elfmeter von Carlos Vela. Im Nachschuss traf der Mexikaner dann aber doch zum 1:1 (51.).

Bayer in der Bundesliga nun gegen Bayern

"Wir haben die Balance verloren", beschrieb Trainer Sami Hyypiä diese Phase nach dem Seitenwechsel. Aber Bayer hatte das Glück, gegen einen Gegner zu spielen, dem es ebenso an Effizienz mangelt. "Wir waren gegen Schachtjor Donezk im ersten Spiel die bessere Mannschaft und heute auch wieder", sagte San Sebastiáns Trainer Jagoba Arrasate. Die Punkte erhielt aber jeweils der Gegner. Und so kam es, dass die Leverkusener sich am Ende für ihre "sehr gute Mentalität" (Rolfes) feiern durften.

Denn in der Schlussphase bäumten sie sich tatsächlich noch einmal auf. Der eingewechselte Robbie Kruse belebte das Spiel ebenso wie Freistoßheld Hegeler. Und der spektakuläre Schlusspunkt "kann jetzt nochmal einen Schub fürs Selbstvertrauen geben", sagte Rechtsverteidiger Roberto Hilbert. Am Samstag steht die Partie gegen den in Topform befindlichen FC Bayern (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf dem Programm. "Ein Zusatzspiel", bei dem es nichts zu verlieren gebe, wie Rolfes anmerkte.

Ob auch Kießling beflügelt in diese Partie gehen wird, war nach der Partie noch nicht zu erfahren. Der Stürmer mied den Kontakt zu Journalisten. Er steht ja wieder einmal besonders im Fokus stand, weil Bundestrainer Joachim Löw zugegen war und weil am Freitag ein Nationalmannschaftskader nominiert wird, in dem Miroslav Klose und Mario Gomez verletzungsbedingt fehlen werden. Kießling könnte erstmals seit der WM 2010 wieder eingeladen werden.

Rolfes deutete an, dass das angekündigte Gespräch zwischen dem Bundestrainer und dem besten Mittelstürmer der Liga schon stattgefunden haben könnte und lächelte dabei vielsagend. Allerdings hatte Kießling zuvor wenig dafür getan, den Verdacht zu entkräften, dass die internationale Bühne ihm irgendwie nicht liege. In der Bundesliga ist der 29-Jährige ein Stürmer, der die tollsten Dinge vollbringt, er war Torschützenkönig und der bester Scorer der Vorsaison. Im Europapokal sind ihm in 16 Partien seit dem Sommer 2011 gerade einmal zwei Treffer gelungen, eine Torvorlage hat er überhaupt nicht hinbekommen.

Diese Diskrepanz zwischen dem internationalen Kießling, der zwar rannte und rackerte, vor dem Tor aber glücklos blieb, und dem brillanten Bundesliga-Kießling gehört zu den Ursachen für Löws Skepsis.

insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Andreas58 03.10.2013
1. schon erstaunlich,
dass Bayer national viel besser als international spielt.
PARLIAMENT 03.10.2013
2. National Top, international ein Flop !
Zitat von sysopDPAAm Ende zählten nur die drei Punkte: Dank eines Tores kurz vor Schluss hat Bayer Leverkusen gegen San Sebastián gewonnen. Stürmer Stefan Kießling hatte daran wenig Anteil, er zeigte international mal wieder eine schwache Leistung - und das vor den Augen des Bundestrainers. http://www.spiegel.de/sport/fussball/champions-league-leverkusen-siegt-dank-tor-in-letzter-minute-a-925936.html
Genau so war es und zwar vor aller Augen. Ich weiß nicht was das ganze Gerede derer soll die immer wieder versuchen SK in die Nationalmannschaft zu labern. Da liegt der Bundesjogi mal ausnahmsweise richtig. Er möge ihn uns auch fortan ersparen. SK ist national Top, international ein Flop ! Warum >???
skoodge 03.10.2013
3. Schön, dass
endlich mal ein Beitrag zu lesen ist, der nicht versucht, Kieß in die Nationalelf zu schreiben! Da gehört er auch nicht hin, bei den Alternativen. Zum Totschlagargument von Kieß-Anhängern, bei nem Top Club könnte er auch international mal nicht so schlecht spielen: Überlegt mal, WIESO er nicht bei nem Top Club spielt. Nicht mal Bayern will ihn, um die Konkurrenz schlecht zu kaufen. Das sagt doch alles!! ;-)
ein schelm ... 03.10.2013
4.
Zitat von PARLIAMENTGenau so war es und zwar vor aller Augen. Ich weiß nicht was das ganze Gerede derer soll die immer wieder versuchen SK in die Nationalmannschaft zu labern. Da liegt der Bundesjogi mal ausnahmsweise richtig. Er möge ihn uns auch fortan ersparen. SK ist national Top, international ein Flop ! Warum >???
Ist doch eigentlich ein alter Hut und wahrlich nix neues, für höhere Aufgaben reicht es einfach nicht. Das wird die ewigen Löw-Basher aber nicht davon abhalten nach dem nächsten Kiessling Tor gegen Nürnberg oder Braunschweig wieder seine Berufung zu fordern. Wundert mich nur, dass noch keiner auf die Idee gekommen ist auch den Kuranyi wieder ins Spiel zu bringen...
iradex 03.10.2013
5.
Zitat von ein schelm ...Ist doch eigentlich ein alter Hut und wahrlich nix neues, für höhere Aufgaben reicht es einfach nicht. Das wird die ewigen Löw-Basher aber nicht davon abhalten nach dem nächsten Kiessling Tor gegen Nürnberg oder Braunschweig wieder seine Berufung zu fordern. Wundert mich nur, dass noch keiner auf die Idee gekommen ist auch den Kuranyi wieder ins Spiel zu bringen...
Und die ewigen Löw-geblendeten wird nichts davon abhalten, wenn wir in der Gruppenphase bei der WM2014 mal wieder gegen Australien gewinnen, um im Halbfinale dann ohne jede Chance gegen Spanien oder Italien rauszufliegen.
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