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Leverkusens Pleite in Monaco Zu nervös für große Klasse

Mindestens drei Tore hätte Bayer Leverkusen in Monaco schießen müssen. Doch die Nachlässigkeit wurde bestraft. Der Champions-League-Auftakt zeigte: So mitreißend das Team von Roger Schmidt auch spielt - zum Top-Niveau fehlt noch einiges.

Am liebsten hätte sich Hakan Calhanoglu wohl zum Mannschaftsbus davongestohlen, vorbei an den wartenden Journalisten, weg von den Fragen nach dem Warum. Warum hatten Calhanoglus Leverkusener zum Auftakt der Champions-League-Saison den AS Monaco 45 Minuten nach Belieben beherrscht und das Spiel doch verloren?

Doch Weglaufen wollte er nicht, Calhanoglu gab sich einen Ruck, kam herüber und antwortete leise: "Wir waren in der ersten Halbzeit klar die bessere Mannschaft. Aber nach dem Gegentor war alles anders." Und weiter: "Champions League ist ein anderes Niveau, da wird jeder Fehler bestraft."

Es war die Deutung, die auch seine Teamkollegen wählten. "Das ist die Champions League. Wenn du deine Chancen nicht nutzt, wirst du bestraft", sagte Stefan Kießling. "Wir müssen zur Halbzeit 3:0, eigentlich 4:0 führen." Tatsächlich hatten Karim Bellarabi, Heung Min-Son und Calhanoglu jeweils freie Schussbahn auf das Tor von Monacos Torwart Subasic. Doch alle drei verzogen und verfehlten das Ziel. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit verpasste Gonzalo Castro aus zehn Metern die Führung.

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Fotostrecke: Spiel dominiert, trotzdem verloren

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Doch klare Chancen hat Leverkusen auch in den vergangenen Spielen vergeben. Was Trainer Roger Schmidt mehr Sorgen machen dürfte, ist, wie das Team in Monaco auf den Rückschlag reagierte. Statt wütend zurückzuschlagen und das Pressing noch zu verstärken, wie das Bayer-Team es gegen Bremen (3:3) und Hertha BSC (4:2) noch beeindruckend gemacht hatte, sackten die Spieler in sich zusammen.

Zwar hatten die Franzosen nach dem glücklichen Führungstreffer mehr Selbstbewusstsein, aber spielerisch war die Truppe ohne ihre Stars der Vorsaison Radamel Falcao (an Manchester United ausgeliehen) und James Rodríguez (an Real Madrid verkauft) Leverkusen klar unterlegen.

Doch Bayer wirkte perplex, ja paralysiert. Obwohl noch 30 Minuten Zeit waren, um den Ausgleich zu erzielen, gelang nichts mehr. Die Kraft habe nicht gefehlt, beteuerten die Spieler nach Abpfiff. "Man verzweifelt irgendwann", sagte Castro. Torhüter Bernd Leno gab zu, dass er "sauer" sei. Bis zum Gegentor hatte er einen ruhigen Abend verbracht, dann musste er aber beobachten, wie seine Mannschaftskollegen sich in der Schlussphase verzweifelt festrannten.

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Leverkusen in der Einzelkritik: Kollektive Schockstarre

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Der Realitätscheck und -schock Champions League hat eines gezeigt: Bei aller spielerischen Klasse ist Leverkusen noch keine Mannschaft, die konstant auf Top-Niveau spielt. Es fehlt an Erfahrung. Bei Calhanoglu zum Beispiel: Der 20-Jährige wirkte erkennbar beeindruckt in seiner ersten Partie in der "Königsklasse". Oder Son - beim 22-jährigen Südkoreaner war in der zweiten Halbzeit nichts mehr von dem Selbstvertrauen zu sehen, dass er im ersten Spielabschnitt noch ausgestrahlt hatte.

Auf dem Platz habe "Nervosität" geherrscht, gab Castro zu. "Für einige Spieler war es die erste Partie auf diesem Niveau." Der 27-Jährige machte es sich aber ein wenig leicht, nur die jungen Spieler anzusprechen. Denn auch die Älteren wie er, Kießling, 30, und Emir Spahic, 34, stemmten sich der Niederlage nicht entgegen, sie boten keine Leistung, an der sich die Mannschaft hätte aufrichten können.

Kießling wollte davon nach dem Spiel aber nichts wissen: "Wenn wir unsere Chancen nutzen, gehen wir hier als Sieger vom Platz. Natürlich sind wir enttäuscht." Aber - und das schien der Stürmer unbedingt loswerden zu wollen: "Dieses ganze Gerede über unsere Spielweise, dass wir zu offensiv sind und Hurra-Fußball spielen, das ist doch Schwachsinn. Ich kann das nicht mehr hören."

Dabei spielte Leverkusen in den letzten 30 Minuten keineswegs Hurra-Fußball. Die Spielweise veranlasste vielmehr Monacos Jerémy Toulalan zu der Ansicht, die Franzosen hätten "dank der zweiten Halbzeit verdient gewonnen". Eine Sichtweise, die aufgrund des Leverkusener Leistungseinbruchs durchaus legitim ist.

AS Monaco - Bayer Leverkusen 1:0 (0:0)
1:0 Moutinho (61.)
AS Monaco: Subasic - Fabinho, Carvalho, Raggi, Kurzawa - Kondogbia, Toulalan, Moutinho - Ferreira (86. Dirar), Berbatov, Ocampos (57. Bernardo)
Leverkusen: Leno - Jedvaj (65. Donati), Spahic, Toprak (71. Reinartz), Boenisch - Lars Bender (76. Drmic), Castro - Bellarabi, Calhanoglu, Son - Kießling
Schiedsrichter: Pavel Kralovec (Tschechien)
Zuschauer: 8130
Gelbe Karten: Ferreira, Kurzawa - Boenisch, Spahic