Arsenal vs. Bayern Duell der Deutschen

Ein Sieg gegen die Bayern - damit käme Arsenal dem lang ersehnten Champions-League-Titel näher. Zwei deutsche Spieler knüpfen daran besondere Hoffnungen: Lukas Podolski und Serge Gnabry. Die Offensiven ringen um die Gunst von Coach Wenger.

AFP

Die Worte Arsène Wengers in Anbetracht der derzeitigen Aufgaben seiner Mannschaft lassen sich auf unterschiedliche Weise deuten. Es seien "Olympische Spiele", die es zu bewältigen gelte, sagte der Trainer des FC Arsenal vor der FA-Cup-Partie gegen den FC Liverpool am Sonntag, und man kann diese für Wenger ungewöhnliche Aussage als freundlich gemeinte Anspielung auf das aktuelle Großereignis im russischen Sotschi verstehen. Aber eben auch so: Für Arsenal geht es in diesen Tagen um die Ernte vieler Jahre Arbeit.

Es geht um das Weiterkommen im englischen Pokal und im Champions-League-Achtelfinale gegen Bayern München (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), um Trophäen, auf die der Club seit so vielen Jahren sehnlich wartet, und um wichtige Punkte in der Meisterschaft. Das erste Mal seit geraumer Zeit kann sich der FC Arsenal, Tabellenzweiter der Premier League, tatsächlich wieder berechtigte Hoffnungen auf einen Titel machen.

Und kaum einer verknüpft diese Hoffnungen so sehr mit seinen eigenen wie Lukas Podolski.

Podolski ist jetzt 28 Jahre alt, im "besten Fußballeralter", wie er selbst sagt. Mit der Weltmeisterschaft in Brasilien wird er sehr wahrscheinlich sein sechstes großes Turnier als Nationalspieler erleben. Doch wie er es erleben wird, hängt maßgeblich auch mit dem Erfolg des FC Arsenal in dieser Saison zusammen.

Podolski kämpft um Form und Stammplatz

Vier lange Monate sah es für Podolski dort nicht gut aus; der Angreifer plagte sich mit einer hartnäckigen Oberschenkelverletzung herum und musste mit ansehen, wie er für seinen Coach immer entbehrlicher wurde. Zuletzt schien sogar der deutsche U19-Nationalspieler Serge Gnabry zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten um einen Stammplatz geworden zu sein. Zwar hatte sich Podolski kurz nach Weihnachten mit seinem Tor zum 3:1 gegen West Ham United zurückgemeldet, saß aber im darauffolgenden Spiel gegen Newcastle wieder auf der Bank.

"Er ist bei 80, 90 Prozent", sagt Wenger, "aber man will von ihm die 100 Prozent." Podolski kämpft nach seiner Verletzung noch immer, er kämpft um den Anschluss im eigenen Team und um die Wahrnehmung jenseits der britischen Insel. So zumindest lässt sich das Interview verstehen, das er der "Sport Bild" in der vergangenen Woche gab: "Ich habe 111 Länderspiele absolviert. Das kann mir keiner nehmen", sagte er und verwies auf seine Qualitäten: "Ich bin nicht nur als Spaßvogel im Kader. Sondern weil ich viel erlebt habe, der Mannschaft schon oft geholfen habe", auch der Bundestrainer wisse um diese Vorzüge.

Löw weiß mittlerweile allerdings auch um die Vorzüge des zehn Jahre jüngeren Serge Gnabry, einem offensiven Spieler für die Außenpositionen, der im Moment auch vom verletzungsbedingten Ausfall Theo Walcotts profitiert. "Seine Entwicklung ist beeindruckend. Gegen Aston Villa hat er von Beginn an gespielt und war sehr gut", sagte Löws Assistent Hansi Flick vor wenigen Wochen über den früheren Stuttgarter Jugendspieler. Er sagte auch: "Wenn ein Spieler sich jetzt in der zweiten Saisonhälfte noch einmal besonders stark zeigt, gibt es noch eine Möglichkeit, dass wir ihn mit nach Brasilien nehmen."

Özil bereitet rund ein Fünftel aller Arsenal-Tore vor

Es sind verlockende Worte in den Ohren eines jungen Sportlers wie Gnabry. Der Sohn des ehemaligen ivorischen Nationalspielers Jean-Hermann Gnabry kündigte umgehend an, seine Chance nicht ungenutzt lassen zu wollen: "Ich habe den großen Traum, mit Deutschland zur WM zu fahren", sagte er dem WDR und entschied sich damit endgültig gegen das frühere Nationalteam seines Vaters.

Wenngleich er und Podolski sehr unterschiedliche Offensivtypen sind - Gnabry ist dribbelstark und wendig, mittelfristig wird er vermutlich sogar ins Zentrum rücken - und sich auf dem Platz mitunter ergänzen könnten, sind sie so unfreiwillig zu Rivalen geworden: um die Aufmerksamkeit und die Gunst ihres Vereinstrainers Arsène Wenger. Der Franzose allein hat es in der Hand, ihnen in den kommenden Wochen die so dringend benötigte Bühne zu verschaffen.

Die gute Nachricht für beide: Kommen sie zum Einsatz, können sie von der Zusammenarbeit mit einem Kollegen aus der Nationalmannschaft profitieren. Mesut Özil findet allmählich wieder zu seiner alten Form, vier Tore hat er in dieser Saison bereits gemacht, acht vorbereitet; auch an Podolskis Treffer gegen FC Liverpool (2:1) war Özil beteiligt. Auf ihm ruhen deshalb für das Spiel gegen Bayern München, die Wiederauflage des Achtelfinales der vergangenen Saison, die größten Erwartungen.

Ihm macht das nichts aus. "Ich bin ein Typ, der solche Spiele liebt", sagt Özil. Er habe vor den Münchnern zwar "Riesen-Respekt. Sie sind im Vergleich zum Vorjahr noch einmal besser geworden. Aber in zwei Partien ist alles möglich". Auch Wenger ist vor den selbsternannten "Olympischen Spielen" zuversichtlich, vor allem der jüngste Sieg gegen Liverpool - die Revanche für das desaströse 1:5 in der Liga kurz zuvor - habe seinem Team geholfen. "Wir sind mental besser vorbereitet, um in eine Partie von diesem Format zu gehen", sagte er.

Den Willen haben sie zumindest im Londoner Norden und dank Arsène Wenger auch die Gewissheit: Es geht jetzt um alles.

insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
Stabhalter 19.02.2014
1. ich hoffe
Zitat von sysopAFPEin Sieg gegen die Bayern - damit käme Arsenal dem lang ersehnten Champions-League-Titel näher. Zwei deutsche Spieler knüpfen daran besondere Hoffnungen: Lukas Podolski und Serge Gnabry. Die Offensiven ringen um die Gunst von Coach Wenger. http://www.spiegel.de/sport/fussball/champions-league-lukas-podolski-bei-bayern-gegner-fc-arsenal-a-953942.html
dass Arsenal den überheblichen Bayern-Kickern eine Niederlage beschert,das wäre mein Wunsch.
hajahajo! 19.02.2014
2. Bayernneid nervt
Was soll der Unsinn mit den überheblichen Bayern? Wer das behauptet, ist einfach nur neidisch und suhlt sich in stammtisch-dumpfem Anti-Bayernsumpf.
SN 1987A 19.02.2014
3. Heiligs Blechle
Die 2 Vorredner hier: Kappes Kinder. Das wird wieder eine FCB Gala heute abend. Da kann Biene Maja von träumen
simplythebeast 19.02.2014
4. Patrona Bavariae!
Na dann hoffe ich mal, dass die Bayern diesem schnöseligen Scheichclub nicht nur zeigen, wo der Barthel den Most holt, sondern ihnen auch noch ordentlich einschenkt!
to5824bo 19.02.2014
5. Scheichclub?
Zitat von simplythebeastNa dann hoffe ich mal, dass die Bayern diesem schnöseligen Scheichclub nicht nur zeigen, wo der Barthel den Most holt, sondern ihnen auch noch ordentlich einschenkt!
Nichts gegen einen Bayern-Sieg. Aber welcher Scheich (oder Oligarch) hat denn etwas mit Arsenal zu tun?
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