CL-Aus für Manchester United Tor, rot, tot

Manchester United hatte das Viertelfinale der Champions League schon vor Augen - dann drehte eine einzige Szene die Partie gegen Real Madrid. Am Ende sind die Engländer ausgeschieden und schieben dies auf den Schiedsrichter. Dabei haben sie sich die Pleite selbst zuzuschreiben.

REUTERS

Von


Die 56. Minute hat alles verändert. Es gehört zu den Phänomenen des Fußballs, dass eine einzige Szene den Charakter und den Ausgang eines Spiels komplett drehen kann. Manchester United hatte am Dienstag im Achtelfinal-Rückspiel-Hit gegen Real Madrid alles im Griff und führte hochverdient 1:0. Dann kam die 56. Minute, der bis dahin überragende United-Stürmer Nani sah die Rote Karte, und alles wurde anders.

Am Ende hatte United das Spiel verloren. Und Trainer Sir Alex Ferguson seine Sprache.

"Er ist so fassungslos, dass er nicht zu Ihnen sprechen kann", musste Fergusons Assistent Mike Phelan erklären, warum sein Chef die obligatorische Pressekonferenz nach der 1:2-Niederlage geschwänzt hatte. Ferguson sei "derzeit nicht in der Lage, über den Schiedsrichter zu reden". So musste der bedauernswerte Phelan vor der versammelten Weltpresse auf Erklärungssuche gehen, warum den Engländern ein sicher geglaubtes Spiel noch so entgleiten konnte.

Tatsächlich ist es immer wieder faszinierend zu beobachten, wie sich erfahrenste Fußballstars mit zig Länderspielen auf dem Konto durch eine einzige Aktion gänzlich aus dem Konzept bringen lassen. Nach dem der türkische Referee Cüneyt Çakir Uniteds Nani wegen groben Foulspiels des Feldes verwiesen hatte - eine zwar harte, aber letztlich vertretbare Entscheidung, weil der Portugiese in Kung-Fu-Manier seinen Gegenspieler Alvaro Arbeloa umtrat - gab Manchester ohne Not vollkommen die Spielkontrolle ab.

Ein Angebot, das Real nicht ablehnen konnte

Als hätte irgendwer den Schalter umgelegt, zogen sich die Red Devils vom nächsten Moment an in den eigenen Strafraum zurück und ließen Cristiano Ronaldo, Mesut Özil und Gonzalo Higuaín wirbeln, wie sie wollten.

Fotostrecke

5  Bilder
Fotostrecke: Erst Triumphator, dann Unglücksrabe
Es war ein Angebot, das die Profis von Real Madrid nicht ablehnen konnten.

Luka Modric (66.) und Cristiano Ronaldo (69.) drehten die Partie innerhalb kürzester Zeit und ebneten den Spaniern damit den Weg ins Viertelfinale.

Zum zweiten Mal hat Real damit ein Match in Old Trafford gewonnen, das hat außer den Madrilenen in der Champions League bisher noch niemand geschafft. Den Siegern war dies angesichts der klaren Unterlegenheit in den ersten 55 Minuten anschließend selbst ein bisschen peinlich. Dass Real-Coach José Mourinho sogar sagte, "wir hatten es nicht verdient zu gewinnen", war allerdings wohl auch eher eine indirekte Bewerbung des Portugiesen für den künftigen Trainerposten in Manchester als eine kühl vorgenommene Spielanalyse.

Erst nach dem Rückstand fand United in die Spur zurück

Letztlich hatte sich Manchester die Niederlage selbst zuzuschreiben. Erst als das Team zurücklag und die Partie damit quasi verloren war, fanden die Red Devils in ihr Offensivspiel zurück. Die Großchancen, die sich das Team in der Schlussphase auch in Unterzahl erarbeitete, bewiesen zu Genüge, dass Manchester auch mit zehn Mann alle Möglichkeiten gehabt hätte, das Spiel weiter zu dominieren. United hat sich selbst gelähmt.

United raus im Achtelfinale, Stadtrivale City schon in der Gruppenphase, ebenso wie Titelverteidiger FC Chelsea, dazu kommt das hoch wahrscheinliche Ausscheiden des FC Arsenal in der kommenden Woche gegen den FC Bayern - der Premier League droht eine der schwächsten Champions-League-Bilanzen der vergangenen 20 Jahre.

Ein Viertelfinale ohne einen englischen Verein - das erscheint angesichts der wirtschaftlichen Potenz der Großclubs von der Insel kaum vorstellbar. Als Hinweis auf eine nachhaltige Schwächung des englischen Fußballs ist das wohl noch nicht hinreichend. Aber die Dominanz der Premier League in Europa ist nicht erst seit der Saison 2012/2013 gebrochen.

Der Japaner Shinji Kagawa hat seinen Wechsel von Borussia Dortmund zu Manchester United auch explizit damit begründet, dass er auf der Insel große internationale Titel gewinnen will. Am Dienstag musste er das Ausscheiden seines Vereins 90 Minuten lang von der Ersatzbank beobachten. Gleichzeitig ist der BVB glanzvoll ins Viertelfinale gestürmt. So kann man sich vertun.



insgesamt 49 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
andymoreno 06.03.2013
1. Der Schiedsrichter als Spielentscheider
Real Madrid ist die vermutlich beste Kontermannschaft der Welt. Dass Manchester mit elf Mann erst ab der Mittellinie angefangen hat, Pressing zu spielen, ergibt also absolut Sinn. Die Räume, die man dann, wenn man weiter vorne angreift und auch noch in Unterzahl gegen Real spielt, zwangsläufig ermöglicht, nutzt Mourinho fast immer für Kontertore. Dass gestern nach dem 1:2 kein Tor für Real gefallen ist, obwohl Manchester aufmachen musste, ist also das verwunderliche. Die überharte Entscheidung in der 56. Minute hat das Spiel geprägt. Vorher war es ein Fußballspiel, in dem alles möglich war, dann spielten zehn gegen zwölf.
Wunderfalke 06.03.2013
2. Kein Rot!
Nani versucht lediglich den über ihm wegfliegenden ball mit dem fuss runterzuholen. es ist ja nicht so, dass er mit dem hohen bein in den gegner rauscht. arbeloa kommt genauso von der seite und möchte an den ball kommt. nani sieht ihn ja nicht mal. da sollte der schiedsrichter wirklich überlegen ob er mit solch einer entscheidung einfluss auf das spiel nehmen möchre!
dr.joe.66 06.03.2013
3. England und Fußball
Was haben uns die Engländer denn im Fußball gebracht, außer ein paar Ausreißer wie Chelsea im letzten Jahr, Hooligans, und peinliche Torhüter ? Mein Vorschlag: Die FA stellt offiziell klar, dass der Ball am 30. Juli in der 101. Minute nicht drin war. Vielleicht hört das Problem des englischen Fußballs dann auf wundersame Weise auf...
cirus27 06.03.2013
4. dafür ist kagawa aber mit geld so zugekackt,
daß er eine brücks aus 5-pfund-noten von der themsemündung bis nach osaka bauen kann. ist das etwa nichts???
Pedro_Leon 06.03.2013
5. Nicht dein Ernst
Selten habe ich im Spiegel einen solch unqualifizierten Beitrag im Spiegel gelesen wie diesen. Zu behaupten die Entscheidung sei richtig, während Profis aus allen Ländern sagen, dass es eine Fehlentscheidung sei erscheint mir äußerst fragwürdig. Bei Sky waren sowohl Ruud Gullit wie auch Erik Meijer außer sich über diese Entscheidung. Schaut man sich die Tweets der Spieler an findet man ebenfalls nur Unverständnis. Weiterhin zu behaupten, dass die Red Devils selbst Schuld seien, dass sie nicht zu 10 gewonnen haben, zeigt wie wenig Sachverstand Sie im Bereich Fussball haben Herr Ahrens. Fakt ist das es nach der roten Karte immer noch 1:0 für Manchester stand. Daher ist es natürlich logisch, dass versucht wird diesen Spielstand über die Zeit zu retten und daher defensiv zu stehen und zu verteidigen und die Offensive zu vernachlässigen. Das Manchester nach dem 1:2 dann Chancen hatte ist ebenfalls nur logisch. Sie hatten ja nichts mehr zu verlieren und haben dann auf volles Risiko gespielt. Teilweise standen sie dann hinten im 1 gegen 1. Zu behaupten man hat auch zu 10 alle Möglichkeiten ein das Spiel zu dominieren gegen eine Mannschaft wie Real Madrid zeugt meiner Meinung nach davon, das Ihnen Herr Ahrens jeglicher Fussballsachverstand abgeht. Es scheint vielmehr so, dass Sie der englischen Premier League die Vormachtstellung neiden und um jeden Preis den deutschen Fussball schön schreiben wollen. Ich freue mich auch riesig, dass die deutschen Teams aufgeholt haben, aber nach einer Saison zu behaupten, die Dominanz sei gebrochen? Im letzten Jahr hat eine englische Mannschaft die Champions League gewonnen. Mein Tipp für Sie in der Zukunft Herr Ahrens, schreiben Sie nicht mehr über Fussball, sondern widmen Sie sich anderen Themen, in denen Sie hoffentlich über mehr Kompetenz verfügen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.