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Manuel Neuers Gala in Madrid Der Held von Bernabéu

Zwei Elfmeter entschärft: Torhüter Manuel Neuer war der Matchwinner beim Sieg des FC Bayern im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid. "Ich liebe ihn", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Mit solchen Leistungen bringt der Bayern-Keeper auch die Skeptiker unter den Fans zum Schweigen.

Wer an diesem Abend der Boss im Bernabéu-Stadion war, machte Manuel Neuer zum ersten Mal nach einer Stunde klar. Da zögerte ein Balljunge, dem 26 Jahre alten Torhüter vor einem Abstoß den Ball zuzuwerfen. Neuer schubste den bösen Buben leicht, als das Spiel wieder lief, warf er ihm böse Blicke zu. Die Madrider Fanmeute hinter seinem Kasten echauffierte sich heftig.

Nach dem letzten Akt des Halbfinal-Rückspiels in der Champions League zwischen Real Madrid und dem FC Bayern werden sie ihn in Bernabéu noch weniger mögen. Nachdem Neuer schon im Hinspiel mehrere Großchancen der "Königlichen" vereitelt hatte, schlug seine große Stunde im Elfmeterschießen.

Blitzschnell hechtete er bei den Schüssen von Cristiano Ronaldo, der im Spiel noch einen Strafstoß verwandelt hatte, und Kaká in die rechte untere Ecke, beide Male konnte er das Tor verhindern. Es war die Grundlage für den Sieg der Bayern, nachdem es nach 120 Minuten noch 2:1 für Madrid gestanden hatte. Die Real-Fans unter den 80.000 Zuschauern verstummten, sie waren fassungslos.

Hoeneß hofft bei den Ultras auf Abbitte

Im Bayern-Fanblock hingegen brannten bengalische Feuer, die Anhänger brüllten: "Manu, Manu, Manu." Es waren immer noch nicht alle, es gibt immer noch Ultras, die ihre Vorbehalte gegen den bekennenden Schalker Neuer haben. Aber diese Gruppe war eindeutig in der Unterzahl. Es gehörte als Bayern-Fan auch viel Selbstdisziplin dazu, nach dieser magischen Nacht den großen Helden nicht angemessen zu feiern.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß konnte sich denn auch einen Seitenhieb auf die Anti-Neuer-Fraktion unter den Fans nicht verkneifen: "Ich hoffe, dass jetzt der Letzte in München begriffen hat, warum wir Manuel Neuer verpflichtet haben. Ich hoffe, dass da ein paar Abbitte tun."

DFB-Pokal und Champions League: Die Bayern stehen in zwei Finals - und in beide sind sie per Elfmeterschießen gekommen. Wie schon beim Pokal-Halbfinale in Mönchengladbach war Neuer erneut der Matchwinner. Damals hatte er den entscheidenden Schuss von Havard Nordtveit abgewehrt und war von einem Großteil des mitgereisten Bayern-Anhangs zum ersten Mal frenetisch gefeiert worden.

Kein Typ für große Sprüche

Karl-Heinz Rummenigge gehört zu jenen Bayern, denen Neuer ohnehin nichts mehr beweisen musste. "Darum lieben wir ihn. Ich liebe ihn nicht nur wegen dieser zwei Elfmeter, sondern auch, weil er so überragend ist", sagte der Vorstandschef und fügte hinzu: "Der Präsident von Real hat mir gerade gesagt: 'Das ist der beste Torhüter der Welt.'" Wer die beiden Halbfinalspiele gesehen hat, mochte ihm ungern widersprechen.

Neuer selbst würde sich niemals als Weltbesten bezeichnen. Er trumpft auf dem Rasen groß auf, außerhalb gibt er sich stets zurückhaltend. Große Sprüche sind nicht sein Ding, er lobt stets das Kollektiv, das große Ganze.

Er scheint fast dankbar zu sein, gleich in seinem ersten Jahr in München solche außergewöhnlichen Spiele mitgestalten zu können. "Ich wollte unbedingt diese Elfmeter halten", sagte er, "ich hatte im Spiel ja leider die falsche Ecke. Ich hatte etwas gut zu machen."

Für den Bundestrainer war Neuers starker Auftritt ohnehin keine Überraschung. "Dass er so nervenstark ist, das wussten wir schon vor zwei, drei Jahren. Ich hatte nie das Gefühl, dass er flattern könnte. Auch bei der WM hat Manu schon mit damals wenig Erfahrung total überzeugt", sagte der Bundestrainer vor dem Bayern-Bankett zu SPIEGEL ONLINE.

"Das war Weltklasse, was er gezeigt hat. Diese Präsenz, wie er da beim Elfmeterschießen stand - ich dachte, das Tor sei verriegelt", so Löw, der auch von Neuers Weiterentwicklung angetan war. "Er feilt an verschiedenen Dingen. Da geht es unter anderem um seine Technik. Aber auch Mitspielen ist ja heute ein großes Thema. Das macht er sehr gut."

"Glücklich und zufrieden" - diese drei Worte schrieb Neuer eine halbe Stunde nach Mitternacht auf seine Facebook-Seite und löste damit einen Sturm der Begeisterung aus. Zehntausende drückten auf den "Gefällt mir"-Button. Da konnten sich vermutlich auch ein paar ehemalige Neuer-Gegner nicht mehr zurückhalten.

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