Champions League Nervenflattern an der Säbener Straße

Nach einer abenteuerlichen Achterbahnfahrt zwischen ernüchterndem Bundesliga-Alltag und internationalen Höhenflügen ist der FC Bayern München gegen Manchester United zum Erfolg verdammt.


Stefan Effenberg: "Wichtig ist, dass der Boss wieder dabei ist"
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Stefan Effenberg: "Wichtig ist, dass der Boss wieder dabei ist"

München - Ausgerechnet vor dem Spiel der Spiele im Viertelfinale der Champions League am Mittwoch (20.45 Uhr im Liveticker bei SPIEGEL ONLINE) gegen Manchester United geht beim FC Bayern München die Angst um: Die Panik vor einer Katastrophen-Saison mit einem Schreckensende ohne einen einzigen Titel, die Furcht vor einem zweiten Alptraum namens ManU.

"Die sagen: Hier gewinnen wir"


693 Tage nach der "Mutter aller Niederlagen" am 26. Mai 1999 im denkwürdigen Champions-League-Finale von Barcelona spielt der deutsche Rekordmeister (16 Titel) vor 63.000 Zuschauern im längst ausverkauften Olympiastadion gegen den am Wochenende frisch gekürten englischen Meister - es war ManUs 14. Titel - schon wieder um Alles oder Nichts. Und trotz des tollen 1:0-Sieges im Hinspiel vor 15 Tagen zeigen die Bayern Nerven.

"Wer glaubt, dieses 1:0 sei ein gutes Ergebnis, macht einen fatalen Fehler", warnt allen voran Torhüter Oliver Kahn: "Wir müssen gegen Manchester so spielen, als hätten wir 0:2 verloren. Wenn wir uns hinten reinstellen und die kommen lassen, wäre das tödlich für uns." Der Respekt vor dem Gegner ist dementsprechend groß. "Für die ist es überhaupt kein Problem, in München aufzulaufen und zu sagen: Hier gewinnen wir", sagt Kahn. Auf keinen Fall dürfe Real Madrid das Vorbild sein, das vor einem Jahr die Champions League gewann, in Spanien aber nur Vierter wurde: "Das ist der absolute Tanz auf der Rasierklinge."

"Radikaler Schnitt"


Auch der ewig optimistische "Kaiser" zeigte sich nach der missratenen Generalprobe in der Bundesliga gegen Schalke 04 (1:3) und dem Verlust der Bundesliga-Tabellenführung eher skeptisch. "Im Fußball gibt es keine Garantien, die Situation ist gefährlich", orakelte Franz Beckenbauer in der Fernsehsendung "Blickpunkt Sport". "Es kann durchaus sein, dass wir gegen Manchester ausscheiden, in der Bundesliga auf Platz sechs durchgereicht werden und am Ende gar nichts gewinnen. Das wäre unangenehm und ärgerlich." Für den Fall der Fälle kündigte der Präsident schon mal einen "radikalen Schnitt in unserem Kader" für 2002 an.

Keine Frage: Der bescheidene Alltag in der Bundesliga (nur zwei Siege in den letzten sieben Spielen) hat Spuren hinterlassen. Einzig Manager Uli Honeeß tat so, als sei er sich des Sieges über den Angstgegner von der Insel immer noch sicher: "Wir haben eine optimale Ausgangsposition, wir kommen weiter. In der Champions League hat sich die Mannschaft immer gesteigert."

Der Boss ist wieder da


Ottmar Hitzfeld hält indes die Ausgangslage für ebenso "sehr gefährlich". Immerhin kann der Trainer fast aus dem Vollen schöpfen. Nur Bixente Lizarazu und Hasan Salihamidzic fallen wegen Gelbsperren aus, dafür kommen Michael Tarnat und Willy Sagnol in die Mannschaft. Vor allem aber kehren die gegen Schalke gesperrten Stefan Effenberg, Giovane Elber und Thomas Linke zurück. "Es ist wichtig, dass der Boss wieder dabei ist", sagt Hitzfeld über seinen Kapitän, der im Hinspiel eine überragende Partie abgeliefert hatte.

Manchester muss auf Superstar David Beckham (Gelbsperre) verzichten, was von Ferguson allerdings nicht so dramatisch gesehen wird: "Er wird uns nicht sehr fehlen, weil seine Form in den vergangenen Wochen sowieso nicht so gut war." Für den genialen Flankengeber wird wie schon am Wochenende gegen Coventry City (4:2) der englische Nationalspieler Nicky Butt auflaufen.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:
München: Kahn - Kuffour, Andersson, Linke - Sagnol, Jeremies, Effenberg, Tarnat - Zickler (Jancker), Elber, Scholl
Manchester: Barthez - G. Neville, Brown, Stam, Silvestre - Scholes, Butt, Keane, Giggs - Yorke, Cole
Schiedsrichter: Vitor Manuel Melo Pereira (Portugal)



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