Champions League Pannen-Kahn stürzt die Bayern

Kein Sieg für die beiden deutschen Clubs in der Champions League. Bayer Leverkusen kam wenigstens zu einen Remis in Rom. Schlimmer erging es den Bayern. Sie verloren gegen Turin, weil Oliver Kahn kurz vor Schluss einen Aussetzer hatte. SPIEGEL ONLINE dokumentiert den peinlichen Auftritt des Bayern-Keepers.


Frustrierter Kahn: Wieder einmal versagt
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Frustrierter Kahn: Wieder einmal versagt

Hamburg - Vor 59.000 Zuschauern im ausverkauften Münchner Olympiastadion traf Alessandro del Piero in der 90. Minute zum 1:0 (0:0)-Erfolg der Italiener, die damit verlustpunktfrei an der Tabellenspitze bleiben. Schon die ersten drei CL-Partien hatten die Gäste jeweils mit 1:0 gewonnen. Oliver Kahn hatte einen Schuss von Zlatan Ibrahimovic nach vorne abprallen lassen. Die Chancen der Bayern auf das Achtelfinale bleiben jedoch intakt, da Maccabi Tel Aviv überraschend gegen Ajax Amsterdam gewann.

"Das ist für mich eine bittere Niederlage. Wir hätten das Spiel schon in der ersten Halbzeit entscheiden können. Dann war eigentlich alles klar mit dem Unentschieden - und wir kassieren kurz vor Schluss das Gegentor", erklärte Bayern-Coach Felix Magath. "Bei einer Situation 'Zwei gegen Einen', wie vor dem 0:1, darf man einen Gegenspieler nicht in dieser Art und Weise bekämpfen, das ist nicht unser Niveau."

Juve-Trainer Fabio Capello kann nach dem vierten Sieg im vierten Spiel hingegen gelassen in die Zukunft schauen: "Wir sind jetzt vorn und das macht uns glücklich. In den ersten 20 Minuten waren die Bayern sehr gefährlich. In der zweiten Halbzeit haben wir ruhiger gespielt und haben bei der letzten Chance das Glück auf unserer Seite gehabt", sagte Capello nach dem Spiel.

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Champions League: Der Fehlgriff des Oliver Kahn

Zwei Wochen nach der 0:1-Niederlage in Turin und vier Tage nach der 0:2-Pleite in der Bundesliga in Mönchengladbach war die Mannschaft von Magath von Beginn an bemüht, Wiedergutmachung zu betreiben. Allerdings schafften es die Bayern trotz einiger guter Tormöglichkeiten nicht, die derzeit wohl beste Abwehr im europäischen Fußball zu knacken. Juve blieb damit auch im vierten Champions-League-Spiel dieser Saison ohne Gegentor und hat als Tabellenführer der Gruppe C das Achtelfinale schon erreicht.

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Allerdings hatten die in dieser Spielzeit ungeschlagenen Turiner im Duell der Rekordmeister vor allem in der ersten Halbzeit viel Glück, dass ihre Serie nicht riss. Nachdem Torsten Frings in der elften Minute noch knapp das Ziel verfehlt hatte, hatte Bastian Schweinsteiger nur eine Minute später viel Pech, als sein Schuss von der Strafraumgrenze an die Unterkante der Latte, von dort auf die Torlinie und zurück ins Feld prallte. Zudem parierte Juventus-Keeper Gianluigi Buffon sowohl gegen Claudio Pizarro (15.) als auch gegen Roy Makaay (30.). Der Niederländer wartet nunmehr seit sieben Pflichtspielen auf einen Torerfolg.

Auch nach dem Seitenwechsel waren die Münchner bemüht, Druck aufzubauen. Allerdings fehlte dem Spiel der Gastgeber bei allem Bemühen die Effektivität, um die Juve-Defensive um Lilian Thuram und Fabio Cannavaro ernsthaft zu gefährden. Turin versteckte sich jedoch keineswegs und hätte bei einem Kopfball von Cannavaro (62.) durchaus auch zur Führung kommen können. Bayern-Kapitän Oliver Kahn musste bei einem Schuss von Pavel Nedved (80.) eingreifen.

Spätes Gegentor raubt Bayer den Sieg

Beim AS Rom wurde Bayer Leverkusen für eine couragierte Leistung nicht belohnt. Dimitar Berbatov hatte Bayer zwar in der 82. Minute in Führung geschossen, doch Vincenzo Montella traf in der vierten Minute der Nachspielzeit zum glücklichen 1:1 (0:0).

Römer Torschütze Montella (r., gegen Bayers Juan): Ausgleich in der Nachspielzeit
AP

Römer Torschütze Montella (r., gegen Bayers Juan): Ausgleich in der Nachspielzeit

"Es ärgert mich das Tor in der Nachspielzeit, aber ich will das Positive mitnehmen: Wir haben wenige Chancen zugelassen. Nach dem 1:0 mussten wir das 2:0 machen und die Partie entscheiden", sagte Trainer Klaus Augenthaler. "Insgesamt hat sich die Mannschaft reingekniet, ich bin mit dem Punkt zufrieden."

Im 105. Europacupspiel der Leverkusener Vereinsgeschichte begannen die Gäste sehr verhalten. Die einzige nennenswerte Aktion im ersten Durchgang war ein Fernschuss aus 22 Metern von Dimitar Berbatov (6.). Aber auch im Spiel der Römer war viel Leerlauf. Der ehemalige Verein von Rudi Völler, der beim Rennommierklub vom Tiber nach nur 26 Tagen seinen Rücktritt vom Posten des Teamchefs erklärt hatte, bekam durch einen 25-m-Schuss von Superstar Francesco Totti (18.) die erste gute Gelegenheit. Der Ball strich aber knapp am Tor vorbei. Die größte Chance hatte Montella (45.) mit einem Schuss an den Außenpfosten.

Die meisten Leverkusener Offensivaktionen gingen vom Polen Jacek Krzynowek aus. Der Ex-Nürnberger baute allerdings in der zweiten Halbzeit ab. Über die rechte Seite sollte Robson Ponte die Abwehr der Römer aus den Angeln heben. Allerdings blieb bei Bayer vieles Stückwerk - bis zum Führungstreffer durch Berbatov in der 82. Minute. Die Freude währte allerdings nur bis zur Nachspielzeit, in der Montella noch für den Ausgleich sorgte.

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