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28. November 2013, 14:37 Uhr

CL-Duelle mit England

Die andere stärkste Liga der Welt

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Die Premier League schlägt zurück. Im Frühjahr war die Vorherrschaft der englischen Liga in der Champions League schon für beendet erklärt worden. Das war wohl etwas verfrüht: Die Bilanz gegen die Bundesliga-Clubs in dieser Saison ist eindeutig.

Die Vorherrschaft der Premier League ist gebrochen. Die Ära, in der die englische Liga Europa dominierte, ist endgültig vorbei. Jetzt ist die Bundesliga da, die Wachablösung ist vollzogen. So klangen einige Schlagzeilen aus dem Jahr 2013. Genauer: aus dem Frühjahr 2013.

Der FC Arsenal war gerade als letzter englischer Verein im Achtelfinale der Champions League ausgeschieden. Erstmals seit 1996 fand ein Viertelfinale der Königsklasse ohne britische Beteiligung, dafür aber mit zwei deutschen Vereinen statt - die dann auch noch im Mai ausgerechnet in London den Finalsieger untereinander ausspielten. Zeit für die Abgesänge. Zeit, die Bundesliga als die neue stärkste Liga der Welt auszurufen.

Drei der vier englischen Clubs schon qualifiziert

Ein halbes Jahr später lautet die Zwischenbilanz der aktuellen Champions-League-Saison wie folgt: Siebenmal haben deutsche und englische Teams bisher in der Gruppenphase gegeneinander gespielt, fünfmal siegten die Briten.

Drei der vier im Wettbewerb vertretenen Premier-League-Clubs, Manchester United, Manchester City und der FC Chelsea, haben sich die vorzeitige Qualifikation fürs Achtelfinale bereits gesichert, bei den Bundesligavereinen hat das bislang nur der FC Bayern geschafft.

Ob sich damit eine Renaissance der Premier League andeutet? Um einen solchen Trend auszurufen, sind die Anzeichen noch zu vage. Aber die Frage, ob die Bundesliga sich im internationalen Maßstab zuweilen für stärker hält, als sie tatsächlich ist, darf man zumindest mal stellen. Ganz leise natürlich nur.

Die Dinge relativieren sich. Möglicherweise normalisieren sie sich auch nur.

Neun Tore gegen Bayer, sechs gegen Schalke

Manchester United liegt in der Liga bislang nur auf einem für den Verein geradezu beschämenden sechsten Rang, inklusive einer Heimniederlage gegen West Bromwich Albion und einem Remis bei Aufsteiger Cardiff City. Gegen Leverkusen erzielten Wayne Rooney und die anderen in zwei Spielen ungeachtet dessen neun Tore - allein fünf in Leverkusen, obwohl Top-Torjäger Robin van Persie noch nicht einmal mitspielte.

Der FC Chelsea hat beide Champions-League-Partien gegen den FC Basel verloren. Gegen den deutschen Gruppengegner FC Schalke stand am Ende eine Gesamtbilanz von zwei Siegen und 6:0 Toren. Chelsea liegt in der Auswärtstabelle der Premier League lediglich auf Platz neun, das Team von José Mourinho hat in sechs Auswärtspartien gerade sieben Treffer zustande gebracht. In Gelsenkirchen schossen sie drei Tore.

Borussia Dortmund hatte die Ehre der Liga mit einem durchaus gerechten 2:1 beim FC Arsenal vorläufig wiederhergestellt - um anschließend jedoch das Heimspiel gegen die Londoner 0:1 abzugeben. Wobei weniger das Ergebnis als die Art und Weise, wie es entstanden ist, aufmerken ließ. Natürlich vergaben die Dortmunder auch in dieser Partie wieder ihre üblichen Torchancen, dennoch: So souverän wie Arsenal ist bisher kein Team im Westfalenstadion aufgetreten, auch der FC Bayern trotz seines 3:0-Erfolges vom vergangenen Wochenende nicht.

Die Bayern sind es dann auch, die die Bilanz aus deutscher Sicht aufhübschen. Bei Manchester City legte der Meister eine absolut souveräne Vorstellung hin und gewann hochverdient 3:1. Das Rückspiel in München steht noch aus - eine Gelegenheit, das deutsch-englische Resultat weiter aufzubessern.

Aber der momentane FC Bayern ist ja auch nicht die Bundesliga. Er bildet eine Liga für sich. Vielleicht ist er ja die aktuell stärkste Liga der Welt.

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