Israelischer Club Ironi Kiryat Schmona Mit Pauken und Raketen

Ironi Kiryat Schmona ist die große Überraschung im israelischen Fußball. Der Club schaffte es vom No-Name-Team zum Meister und könnte nun sogar die Champions League erreichen. Möglich machte dies ein ehrgeiziger Geschäftsmann.

REUTERS

Von Florian Mebes, Tel Aviv


Die Ankündigung war vollmundig: "In zehn Jahren holen wir die Meisterschaft und spielen Champions League." Das versprach 1999 der reiche Geschäftsmann Izzy Sheratzky aus Tel Aviv bezüglich des Fußballs in der israelischen Grenzstadt Kiryat Schmona. Inzwischen muss man sagen: Es war kein Größenwahn, er hat weitgehend recht behalten.

Am Dienstag (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) spielt der Club Ironi Kiryat Schmona gegen MSK Zilina um den Einzug in die dritte Qualifikationsrunde zur Champions League. Das Hinspiel hatte Kiryat Schmona in der Slowakei 0:1 verloren.

Sheratzky hatte 1999 in den Nachrichten gesehen, wie in Kiryat Schmona wieder einmal Raketen einschlugen, abgefeuert von der libanesischen Hisbollah-Miliz. Die Kleinstadt mit etwa 23.000 Einwohnern liegt im äußersten Norden Israels, fast direkt an der Grenze zum Libanon. Der südliche Libanon ist Hisbollah-Gebiet und Kiryat Schmona ein leichtes Ziel.

Sheratzky wollte der Stadt helfen und investierte damals zunächst in soziale Projekte. Dann brachte er mit dem Versprechen auf reichliche finanzielle Unterstützung die beiden örtlichen Fußballteams Hapoel und Maccabi zu einer Fusion. Mit den erfolgreichen Teams Hapoel aus Tel Aviv und Maccabi aus Haifa hatten sie nur den Namen gemein, sie kickten in den Niederungen des israelischen Fußballs.

Der neue Verein machte sich gut. Ironi Kiryat Schmona kämpfte sich nach oben, 2007 gelang der Aufstieg in die Liga ha'Al, der höchsten Spielklasse Israels. Der Neuling schloss die erste Saison als Dritter ab, scheiterte aber in der Qualifikation zur Europe League.

In der folgenden Spielzeit lief es hingegen gar nicht, der Club stieg als Tabellenletzter wieder ab. Doch Ironi kam zurück: Der direkte Wiederaufstieg gelang. Das Konzept, auf junge, zumeist aus dem eigenen Nachwuchs stammende Spieler zu setzen, ging auf. In der vergangenen Saison 2011/2012 dominierte die Mannschaft von Trainer Ran Ben Shimon trotz fehlender Stars die Liga.

"Die Außenseiterrolle haben wir nicht mehr inne"

Dennoch überwarfen sich im Februar Clubeigentümer Sheratzky und Coach Shimon. Die Meisterschaft in greifbarer Nähe drängte Sheratzky auf eine frühzeitige Vertragsverlängerung. Shimon erbat sich Bedenkzeit, wartete wohl auf lukrativere Angebote von finanzkräftigeren israelischen Vereinen oder gar aus Europa.

Von den Querelen ließ sich die Mannschaft jedoch nicht beirren und machte fünf Spieltage vor Saisonende die Prophezeiung Sheratzkys mit ein bisschen Verspätung wahr: Kiryat Schmona holte den Titel. Nach dem letzten Spieltag lag Ironi 14 Punkte vor Verfolger Hapoel Tel Aviv. 30 Jahre lang hatten Vereine aus Tel Aviv, Jerusalem oder Haifa die Meisterschaft unter sich ausgemacht.

Nun hat die Mannschaft um den neuen Trainer Gili Landau die Chance, für eine weitere Sensation zu sorgen: den Einzug in die Gruppenphase der Champions League. "Das Rückspiel wird ein Spiel, in dem Leidenschaft gefragt ist", sagt Landau. Die Partie muss Ironi in Haifa austragen, da das eigene Stadion nicht den offiziellen Bestimmungen der Uefa für internationale Pflichtspiele entspricht.

Sollte Kiryat Schmona Zilina ausschalten, müsste das Team nur noch zwei Runden überstehen. Mit etwas Losglück könnten dann Spiele gegen prominente Gegner wie Bayern München, Manchester United oder FC Barcelona anstehen.

Trainer Landau blickt den Herausforderungen optimistisch entgegen: "Außenseiter sind wir nicht mehr. Wir wissen, wie wir uns auf dem Platz verhalten müssen. Wir haben Selbstvertrauen getankt."



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