Champions-League-Qualifikation Uefa programmiert das Favoritensterben

In der Champions League kommt es bereits in der Qualifikation zu packenden Duellen: spanische Teams gegen britische, portugisische gegen italienische - das Losverfahren der Uefa macht es möglich. Bleibt die Frage, ob diese Top-Duelle zu einem so frühen Zeitpunkt sinnvoll sind.

Von Pavo Prskalo


Leere Ränge: Fehlende Einnahmen schmerzlich vermisst
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Leere Ränge: Fehlende Einnahmen schmerzlich vermisst

Der Goodison Park im Liverpooler Stadtteil Everton wird ausverkauft sein. 40.170 Plätze fasst das Stadion und die Fans der "Toffees" werden ihr Team gegen den spanischen Vertreter aus Villarreal nach vorne schreien. Der Liga-Vierte der vergangenen Saison spielt gegen den Dritten der abgelaufenen Primera Division - also England, Platz zwei der Uefa-Fünfjahreswertung, gegen Spanien (Platz eins). Beide haben nur ein Ziel: den Einzug in die Gruppenphase der Champions League.

Auch morgen haben zwei Vereine dieses Ziel. In Bratislava treffen der heimische Club FC Artmedia und der Vertreter aus Serbien-Montenegro, Partizan Belgrad, aufeinander. Beide sind Landesmeister. Schaut man sich aber die Platzierung der Verbände im offiziellen Uefa-Ranking an, entpuppt sich die Uefa-Auslosung als schlechter Witz. Serbien-Montenegro belegt Platz 17, die Slowakei nur Rang 27. Dennoch haben beide Vereine die gleiche Chance wie Everton oder Villarreal, in die Hauptrunde der Königsklasse einzuziehen.

Die Uefa nimmt den slowakischen Meister in die Setzliste auf, Everton bleibt außen vor, ja hätte sogar möglicher Gegner von Werder Bremen sein können. Ein Verein, der mehr als 15 Millionen Euro in die neue Mannschaft investiert hat - so viel wie kein Bundesligist - trifft auf Villarreal, das ebenso mehr als 15 Millionen für prominente Neuverpflichtungen wie Kromkamp, Valencia und Juan Roman Riquelme (war zunächt nur ausgeliehen vom FC Barcelona) ausgegeben hat. Das ausscheidende Team wird die fehlenden Einnahmen schmerzlich vermissen - das Losverfahren der Uefa trägt seinen Teil dazu bei. Ein so teurer Kader muss schließlich erst mal finanziert werden.

So muss der Fußballanhänger womöglich auf die Künste eines Riquelme, bestens bekannt vom Konföderationen-Cup und Spielmacher beim FC Villarreal, verzichten, um stattdessen die Akteure aus Bratislava oder Belgrad zu sehen.

Mittelfeld-Star Riquelme: Schweres Duell gegen Everton
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Mittelfeld-Star Riquelme: Schweres Duell gegen Everton

Aber diese beiden Duelle sind nicht das einzige Beispiel für die kuriose Auslosungsstrategie der Uefa. So spielen heute Abend die Teams von Betis Sevilla und AS Monaco gegeneinander. Der Champions-League-Finalist von 2004 gegen den Vierten aus Spanien, der zugleich Pokalsieger ist. Mit von der Partie sind Stars wie Sevillas Joaquin, an dem Chelsea seit zwei Jahren interessiert ist, und Uruguays Nationalspieler Ernesto Javier Chevanton, der vergangene Saison für zehn Millionen Euro von Lecce nach Monaco ging. Einer der beiden erlebt die Gruppenphase - wie der Zuschauer - vor dem Fernseher.

Die deutschen Vertreter dürfen sich stattdessen auf den Sieger der Partie Malmö FF gegen den FC Thun aus der Schweiz freuen, immerhin Platz 26 (Schweden) gegen Rang 19 in der Fünfjahreswertung. Der Zuschauerandrang dürfte sich in Grenzen halten. Auch das Qualifikationsspiel Steaua Bukarest (Rang 25.) gegen Rosenborg Trondheim (20.) steht in keinem Vergleich zur Partie Sporting Lissabon gegen Udinese Calcio.

Natürlich könnte man argumentieren, dass es fair sei, wenn auch mal die Außenseiter eine Chance bekommen. Aber wie groß wäre die Chance, dass ein Team wie Thun oder Bratislava - beide immerhin in der Auslosung gesetzt - sich gegen Betis Sevilla (ungesetzt) durchsetzen würde? Sehr hoch jedenfalls nicht.

Die Uefa nimmt dem Fan spannende Duelle in der Gruppenphase, weil ein Teil der Spitzenteams nicht gesetzt wird und schon in der Qualifikation gegen einen starken Gegner antreten muss. Dabei wären den Anhängern Mannschaften wie Everton und Villarreal in der Gruppenphase lieber als Steaua Bukarest, FC Thun oder der FC Artmedia Bratislava.



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