Leipzigs Sieg gegen City nach Trainerwechsel Marschbefreit

Wie geht es mit RB Leipzig nach der Trennung von Jesse Marsch weiter? Interimstrainer Achim Beierlorzer empfahl sich gegen Manchester City, wird aber wohl keine Dauerlösung.
Achim Beierlorzer (rechts) feiert seine Spieler für den Sieg gegen Manchester City: Im kommenden Jahr geht es in der Europa League weiter

Achim Beierlorzer (rechts) feiert seine Spieler für den Sieg gegen Manchester City: Im kommenden Jahr geht es in der Europa League weiter

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Jan Woitas / dpa

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Szene des Spiels: In den vergangenen Monaten spielte Konrad Laimer kaum eine Rolle bei RB Leipzig, nach einer schwerwiegenden Verletzung in der vergangenen Saison kam der 24-Jährige unter Trainer Jesse Marsch kaum zum Zug. In der Champions League gegen Manchester City spielte Laimer nun gegen Kevin De Bruyne, einen der besten Mittelfeldspieler der Welt. Die Traumpässe spielte aber Laimer: Nach einem gewonnenen zweiten Ball glänzte er mit einem wunderbaren Außenristpass in den Lauf von Dominik Szoboszlai, der City-Keeper Zach Steffen umkurvte und zum 1:0 einschob (24. Minute).

Das Ergebnis: Leipzig gewann 2:1 (1:0) gegen Pep Guardiolas Manchester. Die Engländer standen bereits vor der Partie als Gruppensieger fest, Leipzig hätte bei einer Niederlage die Europa League nur verpasst, wenn Brügge im Parallelspiel gegen Paris Saint-Germain gepunktet hätte. Spoiler: Haben sie nicht. Lesen Sie hier die Spielberichte.

Zurück zu den Wurzeln: Kein Fußballklub in Deutschland definiert sich derart als Marke wie Leipzig – vom Offensichtlichen mal abgesehen. Beim Fußballzweig des Getränkekonzerns gehört Literatur zu Pressingmustern und vertikalem Umschaltverhalten in den Nachwuchsleistungszentren auf jedes Nachtschränkchen. Deswegen wollte man in Leipzig nach einem Abstecher ins Ballbesitzwunderland von Julian Nagelsmann zurück zu den Wurzeln. Das ging gründlich schief: Der erst im Sommer engagierte Marsch, der bereits seit 2015 im Konzern arbeitete, wurde Sonntag freigestellt. Kurioserweise übernahm Co-Trainer Achim Beierlorzer, der zuletzt schon die Trainingsverantwortung hatte, als Marsch aufgrund einer Coronainfektion ins Homeoffice musste.

Erste Hälfte: Vor der Partie sagte Beierlorzer, dass die Marsch-Freistellung keine Gewinner hervorgebracht habe. Nach der Partie wird man das anders sehen. Denn unter Beierlorzer, der nach Stationen in Köln und Mainz als Bundesligatrainer bereits einigen als gescheitert galt, spielte Leipzig richtig gut. Teils präsentierte RB wunderbare Kombinationen; vor allem aber gewannen die Leipziger die zweiten Bälle – und kamen dadurch zu Chancen und zur Führung. Auf der anderen Seite verhinderte der nach seiner Coronainfektion zurückgekehrte Torwart Péter Gulácsi wiederholt den Ausgleich, wie bei einem Schuss von Phil Foden, den er stark an den Pfosten lenkte (41.).

Vorbeigeplant: So gut strukturiert wie gegen City erlebte man Leipzig zuletzt selten. Immer wieder hatte Marsch die Formation gewechselt, er versuchte offenbar, seinen hoch veranlagten Spielern gerecht zu werden. Marschs Problem war aber nicht die Formation, sondern seine Spielidee. »Jesse kam schon nach dem siebten und dem zehnten Spiel auf uns zu und sagte: ›Ich weiß nicht, ob ich der richtige Trainer für die Mannschaft bin. Ich weiß nicht, ob meine Philosophie zur Mannschaft passt‹«, sagte Geschäftsführer Oliver Mintzlaff kürzlich. Das hätten Marsch und vor allem Mintzlaff durchaus schon im Sommer erkennen können.

Zweite Hälfte: Dass es mit Beierlorzer nun passte, dürfte auch am Gegner gelegen haben. City ging hohes Risiko, scheiterte dann vorne an Torwart Gulácsi und ließ sich hinten auskontern. Verlorene zweite Bälle oder Fehler wie in der 71. Minute offenbarten immer wieder Räume für Leipzig: John Stones spielte einen Ball in die Füße von Emil Forsberg, der im Strafraum André Silva bediente, der wiederum trocken ins rechte untere Eck traf. City schien – trotz des Anschlusstreffers durch Riyad Mahrez (76.) nach einer tollen Flanke von Oleksandr Zinchenko – entnervt: Kyle Walker trat Silva an der Außenlinie offenbar gefrustet von hinten in die Beine (82.), sah Rot und wird zumindest das erste Achtelfinalspiel fehlen.

Kyle Walker (rechts) ließ sich zu diesem Frustfoul hinreißen, obwohl es für City um nichts mehr ging

Kyle Walker (rechts) ließ sich zu diesem Frustfoul hinreißen, obwohl es für City um nichts mehr ging

Foto: RONNY HARTMANN / AFP

Und nun? Leipzigs Qualifikation für die Europa League dürfte nur ein Trostpreis sein, am 17. Februar startet die Zwischenrunde. Der Fokus wird aber derzeit ohnehin auf der Bundesliga liegen, dort sind die Leipziger nur Elfter. Am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL.de; TV: Sky) trifft RB auf Borussia Mönchengladbach. Auch dann wird Beierlorzer an der Seitenlinie stehen, darüber hinaus aber wohl nicht, dem Erfolg gegen Manchester City und möglicherweise weiteren Siegen zum Trotz. Ein Nachfolger soll spätestens zur Rückrunde präsentiert werden, sagte Mintzlaff. Beierlorzer ist wie Marsch einer dieser Trainer aus der RB-Schule, einer, der für die Wurzeln steht. Viel deutet darauf hin, dass Mintzlaff eine externe Lösung bevorzugt.

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