Madrider Champions-League-Triumph Reals historische Auferstehung

Endlich "La Décima", der zehnte Titel in der Königsklasse! Real Madrid sah im Champions-League-Finale gegen Atlético schon wie der Verlierer aus. Doch dann kam Sergio Ramos: Erst rettete er sein Team in die Verlängerung, dann trieb er es zum Sieg.

Aus Lissabon berichtet


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Die Spieler von Real Madrid stürmten auf ihre Fankurve zu, rissen die Arme hoch und ließen sich feiern. Nur einer fehlte: Sergio Ramos. Der Innenverteidiger stand noch auf der anderen Seite des Feldes und klatschte mit jedem Profi von Atlético Madrid ab. Dabei hätte vor allem Ramos jeden Grund für überschwänglichen Jubel gehabt. Ihm hatten es die "Königlichen" zu verdanken, dass sie das Champions-League-Endspiel in Lissabon noch 4:1 gewannen - nach Rückstand und drei Toren in der Verlängerung.

"Wir waren schon tot, Sergio Ramos hat uns wieder einmal gerettet", sagte der deutsche Nationalspieler Sami Khedira. Bereits im Halbfinal-Rückspiel beim FC Bayern hatte Ramos mit zwei Kopfballtoren die Vorentscheidung herbeigeführt. In Lissabon köpfte er in der dritten Minute der Nachspielzeit das 1:1 und brachte Real damit in die Verlängerung. Torwart Iker Casillas, der eine erhebliche Schuld am Gegentor durch Diego Godín hatte (36. Minute), dankte Ramos mit einer festen Umarmung und einem Kuss auf die Wange. "Es ist das wichtigste Tor meine Karriere", sagte Ramos: "Wir haben Geschichte geschrieben."

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff war der spanische Nationalspieler auf die Knie gesunken und hatte einige Zeit mit dem Kopf nach unten gekauert. Nach der Pokalübergabe ging Ramos mit dem silbernen Henkelpott ein paar Schritte zur Seite und hielt die Trophäe einfach nur fest. Die Erleichterung darüber war allgegenwärtig, endlich "La Décima", den ersehnten zehnten Titel in der Königklasse, für die Madrilenen geholt zu haben.

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Real in der Einzelkritik: Antreiber Di María, Retter Ramos
Ramos hatte seine Mannschaft dabei unermüdlich angetrieben. Seit 2005 spielt er für Real - nur Casillas ist länger im Verein -, und in seinem ersten Europapokal-Endspiel mit den "Königlichen" schien er besessen, der Jagd nach "La Décima" ein Ende zu bereiten: Ramos hatte laut Datenanbieter Opta 136 Ballkontakte und damit die meisten von allen Spielern; er gab seinen Teamkollegen den Glauben an den Sieg zurück, als seine Flanke in der 62. Minute in den Strafraum segelte und Cristiano Ronaldo vergab. Und er besorgte den Ausgleich, nachdem seine Mitspieler reihenweise Möglichkeiten ausgelassen hatten und alles nach einem Sieg des Stadtrivalen aussah.

Dessen Trainer Diego Simeone sprach später davon, dass er wegen der Niederlage nicht traurig sei, wohl aber verbittert. Womöglich über sich selbst, denn der Argentinier war das Risiko eingegangen, den an einem Muskelfaserriss laborierenden Torjäger Diego Costa von Anfang an zu bringen. Schon nach wenigen Minuten war klar, dass nichts - auch die Behandlung mit Pferde-Plazenta durch eine angebliche Wunderheilerin - geholfen hatte.

"Unsere Blicke haben sich gekreuzt, und wir wussten es beide", sagte Simeone, der Costa in der neunten Minute vom Platz genommen hatte. Es sei ein Fehler gewesen, gab der Coach zu und räumte ein, dass er in der Nachspielzeit mit einem Wechsel gerne noch Zeit gewonnen hätte. Vielleicht wäre es so gar nicht erst zu Ramos' Tor gekommen, vermutete Simeone.

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Atlético Madrid in der Einzelkritik: Teufel Godin, Auslaufmodell Villa
Einen weiteren Wechsel hätte der Trainer nicht nur zum Zeitschinden gebrauchen können. Spätestens ab der 70. Minute verließen seine Spieler die Kräfte. In der Verlängerung war Atlético stehend K.o., Real hingegen konnte noch zulegen: Ángel Di María, der in der regulären Spielzeit etliche Male hängengeblieben war, setzte sich schließlich durch. Der Schuss des Argentiniers wurde noch abgefälscht, aber Gareth Bale antizipierte richtig und köpfte zum 2:1 in den Winkel (110.). Wie Di María hatte auch Bale zuvor eine unglückliche Figur gemacht und drei gute Chancen vergeben. "Ich habe gelernt, nie aufzuhören", sagte der Waliser, "man muss die Fehlschüsse vergessen und beharrlich bleiben. Der Jubel der Fans bedeutet mir alles."

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Real Madrid schafft "La "Décima": Triumph in der Verlängerung
Der eingewechselte Marcelo (118.) und Superstar Ronaldo (120./Foulelfmeter) sorgten noch für einen zu hohen Real-Sieg. Kaum hatte Ronaldo seinen Torjubel beendet, der wie bei einem Siegtreffer ausfiel, stürmte Simeone auf das Feld und auf Reals Verteidiger Raphaël Varane zu. Atléticos Coach konnte nur mit Mühe von seinen Spielern und seinem Betreuerstab zurückgehalten werden. Varane habe den Ball in seine Richtung geschossen, verteidigte Simeone seinen Ausraster später, für den er auf die Tribüne verwiesen wurde.

"Hoffentlich lernt er daraus", sagte der Atlético-Trainer und sprach erstaunlicherweise nicht in der dritten Person von sich selbst. Bereits in der Halbzeit der Verlängerung war er quer über das Feld gelaufen, um Schiedsrichter Björn Kuipers nachdrücklich mitzuteilen, dass es drei statt fünf Minuten Nachspielzeit am Ende der regulären Spielzeit auch getan hätten.

Simeones Kapitän Gabi zeigte hingegen Größe: "Sie haben noch das 1:1 geschossen, dann haben sie dominiert und verdient gewonnen. Wir haben alles gegeben, alles versucht. Irgendwann ist die Kraft zu Ende."

Real Madrid - Atlético Madrid 4:1 (0:1, 1:1) nach Verlängerung
0:1 Godín (36.)
1:1 Ramos (90.+3)
2:1 Bale (110.)
3:1 Marcelo (118.)
4:1 Ronaldo (120., Foulelfmeter)
Real: Casillas - Carvajal, Ramos, Varane, Coentrao (59. Marcelo) - Khedira (59. Isco) - Modric, Di Maria - Bale, Benzema (79. Morata), Ronaldo
Atletico: Courtois - Juanfran, Miranda, Godin, Filipe Luis (83. Alderweireld) - Tiago, Gabi - Garcia (66. Sosa), Koke - Costa (9. Adrian), Villa
Zuschauer: 60.976 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Ramos (3), Khedira, Marcelo (2), Ronaldo, Varane (2) - Garcia (4), Miranda (2), Villa, Juanfran (5), Koke (3), Gabi (4), Godin (2) Ballbesitz in Prozent: 63 / 37
Schüsse: 20 / 11
Torschüsse: 9 / 4
Gewonnene Zweikämpfe in Prozent: 51 / 49

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insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
fixxxx 25.05.2014
1. Deine
Entscheidung.
megamekerer 25.05.2014
2. Es war ein abgekartetes Spiel
Wenn man dieses Spiel genau ansieht, erkennt man diese Schauspiel, es war ein abgekartetes Spiel. Atletico hätte bis zum 70 Minute die Chancen gehabt zweite Tor zu schießen und plötzlich hat auf Defensive umgeschaltet, einige Atletico Spieler haben so gespielt dass der Ball nicht über den Mittellinie ging. Anscheinend wurde in Spanien so vereinbart dass Real letztendlich gewinnt, das ist kein Sport, das ist Geschäft. Und was diese Spanier angeht sehen wir an die Fehler die Bayern Trainer gemacht hat, es ist so traurig zu akzeptieren dass Bayern gegen diese Real verloren hat, Bayern Spieler sind wesentlich besser als diese Real Spieler. Ich kann mein Hand ins Feuer legen dass Bayern Trainer absichtlich falsche Technik für Spiel gegen Real angeordnet hat, damit Bayern verliert. Diese Bayerntrainer ist ein Spanier und gehört zu diese Leute. In Fußball herrscht jetzt ein spanische Mafia. Schiedsrichter war gekauft der die offensichtliche Schwalbe der Rolando nicht geahndet hat, einige Atletico Spieler waren gekauft die absichtlich schlecht spielten und 5 Minuten Nachspiel Zeit ist doch nicht glaubwürdig. Und dann der Godin ermöglicht durch eine geplantes Faul sogar den Rolando einen Tor, das ist kein Sport mehr. Aber freue mich auf 'WM, dort wird wohl kein Spieler, kein Schiedrichter, keine Nation käuflich sein!
noelkenproettel 25.05.2014
3. 5 min. Verlängerung....
Wofür weiss auch nur der Schiedsrichter, erinnert mich irgendwie an diverse Bayern Spiele , da wird dan solang gespielt bis sie ihr Tor haben.....
Jagman 25.05.2014
4. Nur drei Mal verloren
Real hat in den letzten zwei Jahren nur vier Champions-League-Spiele verloren. Und davon drei gegen den BVB. Das gibt den inoffiziellen Titel "Champions League Sieger Besieger"!
Jagman 25.05.2014
5. Nur vier Mal verloren
Real Madrid hat in den letzten zwei Jahren nur vier Mal in der Champions League verloren. Davon drei Mal gegen Borussia Dortmund. Dafür müsste es eine neue Auszeichnung geben: Champions League Sieger Besieger!
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