Champions-League-Kracher Matchwinner Ronaldo schockiert ManUnited

Manchester United ist auf bittere Art und Weise in der Champions League gescheitert: Die "Red Devils" spielten gegen Real Madrid überlegen, führten verdient. Dann flog Nani unberechtigt vom Platz, die "Königlichen" drehten die Partie in nur drei Minuten - auch dank Cristiano Ronaldo.

REUTERS

Von Nils Lehnebach


Hamburg - Als José Mourinho gesprochen hatte, war er auf der Pathosskala beim Maximum angekommen. Die Welt werde stillstehen während des Spiels bei Manchester United, hatte der Trainer von Real Madrid prophezeit. 90 Minuten später herrscht nur bei den Engländern lähmender Stillstand, der Club ist unter unglücklichsten Umständen gescheitert. 1:2 (1:0) verlor United das Achtelfinalrückspiel im heimischen Old Trafford, dem "Theater der Träume".

"Die bessere Mannschaft hat verloren. Wir haben nicht gut gespielt und den Sieg nicht verdient", sagte Mourinho. Bei Madrid standen die deutschen Nationalspieler Sami Khedira und Mesut Özil in der Startelf. United startete überraschend ohne Top-Stürmer Wayne Rooney, dafür dürfte Ryan Giggs sein 1000. Profi-Spiel von Beginn an bestreiten.

Und es war dann auch der 39-jährige Waliser der nach zehn ziemlich verhaltenen Minuten die erste Chance der Partie einleitete. Doch seine Außenristflanke konnte Robin van Persie aus guter Distanz nicht verwandeln. Es folgten: zehn ziemlich verhaltene Minuten, beendet erneut von Giggs. Diesmal sorgte der Jubilar mit einem Eckball für Gefahr, den er genau auf Nemanja Vidic zirkelte. Doch der Innenverteidiger scheiterte mit seinem Kopfball am Pfosten, Danny Welbeck beim abschließenden Abpraller an Real-Torwart Diego López.

Real hingegen, nach dem 1:1 im Hinspiel eigentlich in der Pflicht etwas anbieten zu müssen, war auf Sicherheit bedacht. So war es zunächst allein Ronaldo, der mit wuchtigen Schüssen für Gefahr sorgen wollte, damit aber aus der Ferne erst an Tom Cleverley (27. Minute) und wenig später aus der Nahdistanz an Vidic (28.) abprallte.

Dann aber war wieder United dran: Real-Torwart López (32.) konnte einen Van-Persie-Schuss, den man festhalten kann, nicht festhalten und bediente so unfreiwillig Welbeck, der aus fünf Metern aber scheiterte.

Zwei Tore in nur drei Minuten

Madrid war sich auch zu Beginn der zweiten Hälfte nicht der Notwendigkeit bewusst, ein Tor schießen zu müssen. Stattdessen drängte weiterhin United - und wurde belohnt. Rafael leitete über rechts einen Angriff ein, Welbeck und van Persie vergaben aber im Zentrum, die Situation schien vorbei. Doch Raphaël Varane blieb mit seinem Versuch eines Befreiungsschlags an Nani hängen. Der Portugiese brachte den Ball erneut vors Tor, wo ihn Welbeck minimal berührte - und so Ramos (48.) maximal irritierte. Reals Kapitän beförderte den Ball schließlich ins eigene Tor.

Doch die Gäste kamen unverhofft noch einmal zurück in die Partie. Nani wollte einen hohen Ball kontrollieren und achtete dabei nur auf diesen. So übersah er Gegenspieler Álvaro Arbeloa und traf ihn mit der Sohle voraus. Ein hartes, aber völlig unabsichtliches Foul, die Rote Karte (56.) von Schiedsrichter Cüneyt Çakir war deutlich zu streng.

Madrid aber drehte in Überzahl kräftig auf, Kaká (59.) scheiterte zunächst von der Strafraumgrenze, zwei Minuten später blockte Rafael einen Kopfball von Gonzalo Higuain auf der Linie. United fehlte zu zehnt jegliche Organisation, der Gastgeber hatte keine Antwort auf den Angriffssturm der Gäste.

So war es in der 66. Minute Luka Modric, sieben Minuten zuvor eingewechselt, der mit einem Schuss aus 20 Metern zunächst den Ausgleich erzielte. Doch damit nicht genug: Nur drei Minuten später grätschte Ronaldo den Ball am langen Pfosten nach einer scharfen Hereingabe von Higuain über die Linie. 2:1: die Partie war gedreht - und vorentschieden. Die "Red Devils" benötigten nun zwei Tore zum Weiterkommen.

Trainer Sir Alex Ferguson brachte mit Wayne Rooney und Ashley Young frisches Offensivpotential - und United warf noch einmal alles nach vorne. Doch Carrick per Kopf (82.), van Persie und Rooney (84.) mit einer hochkarätigen Doppelchance und Vidic (90.+2) vergaben beste Möglichkeiten. Am Ende jubelten die "Königlichen" aus Madrid.

Manchester United - Real Madrid 1:2 (0:0)
1:0 Ramos (48., Eigentor)
1:1 Modric (66.)
1:2 Ronaldo (69.)
Manchester: De Gea - Rafael (87. Valencia), Ferdinand, Vidic, Evra - Carrick, Cleverley (73. Rooney) - Nani, Welbeck (81. Young), Giggs - van Persie
Madrid: López - Arbeloa (59. Modric), Ramos, Varane, Coentrao - Khedira, Alonso - Di Maria (45. Kaka), Özil (71. Pepe), Ronaldo - Higuain.
Schiedsrichter: Cakir
Zuschauer: 74.959
Rote Karten: Nani nach groben Foulspiels (56.)
Gelbe Karten: Evra (2), Carrick - Arbeloa, Kaka, Pepe



insgesamt 57 Beiträge
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wimdehnke@aol.com 05.03.2013
1. optional
da hab ich ein ganz anderes spiel gesehen.real hat mehr getan und verdient gewonnen; die rote karte war hart, aber vertretbar.
kraijjj 05.03.2013
2. Unberechtigt?
Schaut der Autor häufiger Fussball? Ein Tritt mit gestreckten Bein, Sohle voraus in die Körpermitte ist vielleicht im Mui Thai erlaubt aber im Fussball wird so etwas mit glatt rot bewertet - unabsichtlich geschehen oder nicht.
jensens123 05.03.2013
3. krasseste fehlentscheidung
eines schiedsrichters seit jahren. ich hätte allenfalls einen freistoß gegeben. später wird auch noch ein recht klarer elfmeter nicht gegeben. schade. 60 minuten lang genossen, 30 geärgert. ich möchte fast wissen, ob der unparteiische nicht doch spanische symphatien hegt. unglaublich.
merkel123 05.03.2013
4. schoenes Spiel,
interessanter als das Hinspiel. Rote Karte kann man durchaus geben, mit gestrecktem Bein Richtung Unterleib des Gegners... Ansonsten:Klarer Sieg der Mourinho-Taktik ueber den tumben und arrogantren Ferguson, der sich schon in der naechsten Runde sah, waehrend Madrid nach dem schwierigen Hinspielergebnis gebnau richtig agierte, Glueckwunsch!
deranalystiker 05.03.2013
5. Nicht zu Streng!
Die Rote war i.O. ! Mit gestrecktem, hohem Bein einfach mal in Richtung Ball springen und anzunehmen, dass in der Nähe des Balls kein anderer steht oder hinläuft ist im heutigen Fussball einfach nicht mehr machbar. Vor der Roten war MANU besser, danach ganz klar REAL. Verdiente Rote für MANU, verdienter Sieg für Real.
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