Erfolg von Real Madrid in der Champions League Der unbeliebte, verdiente Sieger

Real Madrid siegt. Schon wieder. Atlético verliert. Wie immer. Pepe wurde beschimpft. Klar. Aber die bessere Mannschaft hat in Mailand die Champions League gewonnen.

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Ausgangslage des Abends: Wie vor zwei Jahren gab es ein Stadtderby im Endspiel der Champions League. Zwischen dem königlichen Verein Real Madrid, der erfolgreichsten Mannschaft in der Geschichte des europäischen Fußballs: zehn Titel in der Champions League. Und Atlético, dem Arbeiterklub: null Titel.

Da wo man singt, da lass dich nieder: Man kennt es aus der Super-Bowl-Halbzeit: Weltstars der Musikbranche treten auf, opulente Show, Spiel geht erst nach 45 Minuten weiter. Das kann die Champions League auch, dachten sich die Verantwortlichen, und luden Alicia Keys ein, um vor dem Spiel ein Konzert auf dem (abgedeckten) Rasen zu geben. Mit großer Choreografie. Nicht unbedingt europäisch, aber hey: Justin Timberlake war beim Eurovision Song Contest.

Die Startaufstellungen:
Atlético Madrid: Oblak - Juanfran, Savic, Godín, Filipe Luis - Saúl, Gabi, Augusto Fernández, Koke - Fernando Torres, Griezmann.
Real Madrid: Keylor Navas - Carvajal, Pepe, Sergio Ramos, Marcelo - Modric, Casemiro, Kroos - Bale, Benzema, Cristiano Ronaldo.

Das Ergebnis: 1:1 (1:0, 1:1) nach Verlängerung. Im Elfmeterschießen setzte sich Real Madrid durch. Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Wurde klar von Real dominiert. Atlético konnte nie seine gefährlichen Konter zum Einsatz bringen. Und hinten zeigten die Colchoneros ungewohnte Schwächen beim Verteidigen von Standardsituationen. Schon nach sechs Minuten hatte Casemiro eine Riesenchance, als er nach einem Freistoß von Gareth Bale aus wenigen Metern an Jan Oblak scheiterte. In der 15. Minute ging der Favorit dann in Führung. Ein Freistoß von Toni Kroos wurde von Bale mit dem Kopf verlängert, Sergio Ramos traf aus nur vier Metern.

Die zweite Hälfte: Schon eine Minute nach Wiederanpfiff war zu erkennen, dass das Spiel sich ändern würde: Nach einem Ballverlust von Ronaldo holte Fernando Torres im Strafraum clever einen Foulelfmeter heraus. Antoine Griezmann traf aber nur die Unterkante der Latte. Wie schon im Halbfinale gegen Manchester City zog Real sich nun erstaunlich weit zurück und vertraute darauf, das Ergebnis zu halten. Das war aber diesmal zu wenig: Nach einem schönen Angriff über Gabi und Juanfran traf der zur Pause eingewechselte Yannick Carrasco zum Ausgleich (79. Minute).

Die Verlängerung: Ganz anders als vor zwei Jahren. Damals hatte Real sich in der Nachspielzeit in die Verlängerung gerettet. In der war Atlético dann sichtlich erledigt und verlor noch deutlich. Diesmal schien das Team von Diego Simeone revitalisiert, während Real, das schon dreimal gewechselt hatte, von Krämpfen geplagt war. Dennoch hatte am Ende Real die besseren Chancen. Doch es blieb beim 1:1, das Elfmeterschießen musste entscheiden.

Pepe (r.) mit Schmerzen
REUTERS

Pepe (r.) mit Schmerzen

Beleidigung des Abends: Gary Lineker ist nicht nur einer der besten englischen Stürmer der Geschichte. Er hat auch fast fünf Millionen Twitter-Follower. Sie alle konnten lesen, was Lineker, der für die BBC als Moderator arbeitet, über Real-Verteidiger Pepe twitterte.

Was war geschehen? Pepe war nach einem leichten Schubser von Filipe Luis dramatisch auf den Rasen gesunken. Als der Gegenspieler ihm daraufhin mit der Hand über die Wange strich, wälzte der Portugiese sich, als habe er einen Faustschlag ins Gesicht bekommen. Linekers Bemerkung, mit der er Pepe wörtlich übersetzt mit einem männlichen Geschlechtsteil gleichsetzte, kam in den spanischen Medien nicht gut an. Lineker war es egal. Nachdem Pepe in der Verlängerung in einem Zweikampf von Carrasco im Gesicht getroffen worden war und sich erneut auf dem Rasen wälzte, legte der Engländer nach.

Elfmeterschießen: Das Elfmeterschießen ist ein ungerechtes Verfahren, um Spiele zu entscheiden. Denn die Mentalität spielt eine große Rolle. Und Statistiken zeigen, dass die Mannschaft, die den ersten Strafstoß schießt, eine Chance von 60 Prozent hat, am Ende zu gewinnen. Bei ihr ist der Druck geringer. Diesmal war der Druck für Juanfran zu groß. Als vierter Atlético-Schütze traf er nur den Pfosten. Cristiano Ronaldo verwandelte anschließend. Das war der elfte CL-Titel für Real Madrid.

Tragischer Held des Abends: Rafa Benítez. Die Hälfte der Saison trainierte er Real Madrid. Dann wurde er entlassen. Im März übernahm er den englischen Premier-League-Klub Newcastle United. Mit dem stieg er ab. Nur viereinhalb Monate, nachdem er den späteren Champions-League-Sieger trainiert hatte, coacht Benítez nun in der zweiten Liga.

Unpopuläre Erkenntnis des Abends: "Fußball ist nicht gerecht", resümierte Oliver Kahn nach dem Abpfiff im ZDF. Mit dieser Einschätzung schien er nicht allein zu stehen, wenn man sich die weltweiten Reaktionen in sozialen Netzwerken ansieht. Dass dem Außenseiter und ewigen Verlierer Atlético mehr Sympathien gehören als dem Dauersieger, ist verständlich. Atlético war aber über 120 Minuten nicht die bessere Mannschaft. Real hatte mehr und bessere Chancen. Es war kein großes Fußballspiel. Aber es hatte einen verdienten Sieger.

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lagoya 29.05.2016
1. bessere Mannschaft ?
Nachdem Atletico über 70 % der Spielzeit im Ballbesitz war und auch viel attraktivere Spielzüge hatte , sollte SPON sich mit solchen einseitigen Urteilen zurückhalten. Oder hegt man noch Ressentiments , weil Atletico die Bayern nicht durchgelassen hat ? Ja , die Bayern wären dann natürlich auch die bessere Mannschaft ...
thomasmann 29.05.2016
2. Fürchterlich...
Nchts hat die Wahrheit je besser gezeigt... Um heutzutage international was zu gewinnen muss man einer Treter und Schauspieler Mannschaft sein. Wenigstens hat die eindeutig weniger miserable Mannschaft gewonnen und nicht die mit dem Brutalo-Fussball Trauner der seine SPieler mit Fouls und Schauspielern und wenn es sein muss schon mit dem Reinwerfen eines zweiten Balles ins Endspiels gebracht hat, genauso wie er selber auch mal "Fussball" gespeilt hat. Dasds sowas nicht gewinnt, war der einzige Grund zur Freude Real zeigte wenigistens ab und zu mal was wie Fussball, Gezerre, Geschiebe, Getrete war aber das Normale. Vielleicht sollte man solche Spiele mal nicht von einem englischen Schiri pfeifen lassen, der vom Rugby kommt, und zB einem Ramos wegen eines vorsätzliche Fouls, entgegen den Regeln, NICHT die zweite Gelbe zeigt?
spon_2937981 29.05.2016
3. Sympathie
Warum in 3 Teufels Namen sollte Atletico sympathischer sein als Real? Ok, Real hat Pepe, aber Atletico hat mind. 11 Pepes. Und Pepes großen Bruder als Trainer... Die wohl unsympathischste Truppe des Planeten. Und sooo oft verlieren sie nun auch nicht, sonst wären sie kaum ins Finale gekommen.
thorsten.munder 29.05.2016
4. El Camino Real
Ist auf Deutsch übersetzt der Richtige Weg und genau den ist Real Madrid gegangen ! Mehr ist dazu nicht zu sagen !
caipidoc 29.05.2016
5. Analyse des Beitrages eigentlich gut
Fazit allerdings Quatsch. Atletico hätte den Sieg verdient gehabt. Mir persönlich ist es eigentlich egal, aber das mittelmäßiges Finale hatte einen glücklichen Gewinner.
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