Champions League Nationale Fußball-Ligen und Topklubs zanken um Millionen-Einnahmen

Europas Topvereine wollen die Champions League neu aufstellen: Mehr Spiele, mehr Stammplätze für Etablierte, höhere Einnahmen. Die europäischen Ligen protestieren und stellen ein Gegenmodell vor.

Wie wird man in zehn Jahren in der Champions League jubeln?
Michael Regan Getty Images

Wie wird man in zehn Jahren in der Champions League jubeln?

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Die Vereinigung europäischer Fußballligen, European Leagues, geht auf Konfrontationskurs zu den größten Fußballvereinen des Kontinents. Bei einer Konferenz in Lissabon lehnte der Verbandspräsident Lars-Christer Olsson am Freitag Reformvorschläge der European Club Association (ECA) ab und präsentierte selbst Ideen für den Reformprozess der Uefa.

Die ECA als Interessenvertretung der europäischen Großklubs hatte vor einigen Monaten mehr Europapokalspiele und ein Auf- und Abstiegssystem zwischen den europäischen Wettbewerben vorgeschlagen. Auf breite Kritik aus den Ligen war die Idee gestoßen, 24 von 32 Teams nach einer Champions-League-Saison in der Königsklasse verbleiben zu lassen und ihnen damit einen Startplatz in dem lukrativen Wettbewerb zu sichern.

So lehnen unter anderem die deutsche DFL und die englische Premier League die Pläne bisher ab. Bei deutlich mehr Spielen auf europäischer Ebene fürchten sie einen Bedeutungsverlust sowie niedrigere Erlöse aus Fernsehübertragungen und Vermarktung. Olsson betonte darum am Freitag, dass bei einer Neuausrichtung der europäischen Wettbewerbe die nationalen Ligen geschützt werden sollten. Der Ligaverband sei "offen für neue Innovationen", erklärte Olsson in einem Pressestatement, jedoch unter drei Bedingungen:

  • Vereine sollten sich mit ihrer aktuellen sportlichen Leistung für die europäischen Wettbewerbe qualifizieren,
  • nationaler Fußball solle seine Vormachtstellung behalten
  • und der aktuelle Fußballkalender, "der von den Fans so geliebt wird", solle respektiert werden.

Mit letzterem Punkt wendet sich der Ligenverband gegen die ECA-Idee, die Anzahl der Gruppenspiele in der Champions League drastisch zu erhöhen: Vereine sollten nicht noch mehr Spiele bestreiten müssen als bisher. Besonders empfindlich reagieren die Ligenchefs auf Vorstöße, Europapokalspiele auch am Wochenende auszutragen. Damit ließe sich für die teilnehmenden Klubs noch mehr Geld verdienen, doch die Partien würden unmittelbar mit den nationalen Ligen kollidieren.

Gegner beklagen stärkeres Ungleichgewicht

Gegner der ECA-Vorschläge, die von Juventus-Chef Andrea Agnelli vorangetrieben werden, befürchten ein noch größeres Ungleichgewicht zwischen großen und kleinen europäischen Vereinen. Vor drei Jahren hatten die reichsten Klubs der Welt, darunter Bayern München, eine Reform vorangetrieben, die sie noch reicher machte. So erhalten Vereine, die in den vergangenen Jahren auf europäischer Bühne besonders erfolgreich waren, zu Beginn einer Champions-League-Saison Sonderprämien. Bayern München kassiert zum Beispiel mehr als 30 Millionen Euro - allein für vergangene Erfolge. Auch Klubs wie Real Madrid, der FC Barcelona oder Juventus erhalten dadurch einen weiteren Vorsprung vor Vereinen, die nicht jedes Jahr international spielen können. Überraschungserfolge wie von Eintracht Frankfurt, Leicester City oder Ajax Amsterdam würden dadurch unwahrscheinlicher. Diese Reform will der Ligenverband wieder zurückdrehen, wie Olsson am Freitag erklärte.

Zudem fordern die europäischen Ligen deutlich mehr Gelder zur Unterstützung von Nachwuchs und Infrastruktur sowie an Vereine, die in der Qualifikation gescheitert sind und die nicht am Europapokal teilnehmen. Gemäß der aktuellen Gelderverteilung schüttet die Uefa sieben Prozent des Europokal-Umsatzes plus zehn Millionen Euro als sogenannte Solidaritätszahlungen aus. Das sind in der aktuellen Saison 237 Millionen Euro. Der europäische Ligenverband fordert nun, dass 20 Prozent des Umsatzes für Solidaritätsgelder verwendet werden sollen, das wären aktuell also 650 Millionen Euro.

Dass sich die Ligen mit diesen Vorschlägen gänzlich durchsetzen können, ist unwahrscheinlich. Dazu dürfte der Einfluss der ECA in der Uefa zu groß sein. Doch der ursprüngliche Plan der Klubvereinigung, die Reform innerhalb einiger Monate umzusetzen, ist ins Stocken geraten. Ursprünglich hatte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin Vertreter der verschiedenen Parteien für kommende Woche zu Verhandlungen eingeladen. Doch der Termin ist zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Es gilt als hochkomplexe Aufgabe, einen Kompromiss für die verschiedenen Interessen von Vereinen, Ligen und Uefa zu finden.

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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
zauberer2112 06.09.2019
1. Geniale Idee
Warum schafft man nicht 3 Europapokale. Einen für die jeweiligen Meister, einen für die Pokalsieger und einen für die in den jeweiligen Ligen hochplatzierten Vereine. Auslosung ohne Setzlisten und k.o.-System von Anfang an. Klingt revolutionär, finde ich.
jklaus75 06.09.2019
2. Ja, Bravo!
Macht den Fußball nur weiter kaputt. Ein verbleiben von 24 Teams in der CL würde der Bundesliga und den anderen nationalen Ligen die Bedeutung nehmen. Ich guck dann mal lieber Kreisliga und damit ehrlichen Fußball. Mannomann!
xenta999 06.09.2019
3. bereits kaputt
Die Champignons Liga ist bereits kaputt. Vor Ende der Gruppenphase lohnt es sich kaum, die Spiele anzusehen. Die Auslosung bevorzugt die starken Vereine. Nur mehr Spiele können mehr Spannung kreieren.
widower+2 06.09.2019
4. Gier frisst Hirn
bei der ECA. Die Grundlage des Wohlstands der reichen Clubs sind immer noch die nationalen Ligen. Und diese würden bei einer Umsetzung der Vorschläge der ECA noch weiter kaputt gemacht. Dass die "reichen" Clubs jetzt schon derart üppig für vergangene Erfolge belohnt werden, ist eine Wettbewerbsverzerrung zu deren Gunsten, die sich durch die ähnlich ungerechte Verteilung der Fernsehgelder der Bundesliga weiter verschärft. Wenn die nationalen Ligen für diese Krösus-Clubs nur noch Staffage sind, sollen sie doch ihren eigenen Laden gründen und die nationalen Ligen verlassen. Ich glaube aber, dass die wissen, dass das nach hinten für sie losgehen würde.
widower+2 06.09.2019
5. I see what you did there:-)
Zitat von zauberer2112Warum schafft man nicht 3 Europapokale. Einen für die jeweiligen Meister, einen für die Pokalsieger und einen für die in den jeweiligen Ligen hochplatzierten Vereine. Auslosung ohne Setzlisten und k.o.-System von Anfang an. Klingt revolutionär, finde ich.
Das wäre für die Krösus-Clubs natürlich ein absolutes Horroszenarion, diese Rückkehr zu den Wurzeln. Dagegen werden die sich mit Händen und Füßen wehren. Dann könnte es doch tatsächlich passieren, dass die Bayern oder Real, oder etc. mal in der ersten Runde ausscheiden. Und das wäre schließlich Majestätsbeleidigung.
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