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Schalke gegen Maribor: Eine kleine Blamage

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Schalke-Remis gegen Maribor Wehe, wenn sie spielen müssen

Der FC Schalke war gegen Maribor die bessere Mannschaft - und das wurde den Königsblauen erneut zum Verhängnis: Wenn das Team von Jens Keller das Spiel machen muss, tut es sich schwer. Den Trainer nervt das Thema.

Auf Schalke wird seit Monaten ununterbrochen über das Wesen dieser merkwürdigen Fußballmannschaft diskutiert, die dort in Königsblau um Punkte, Siege und Titel spielt. Vor allem dann, wenn der FC Schalke mit dem Rücken zur Wand stehe, würden alle verfügbaren Kräfte frei, glauben viele Experten und Fans. Zudem neige Schalke 04 zu einer gewissen Trägheit, wenn der Gegner keinen solch furchteinflößenden Namen wie Bayern München, Borussia Dortmund oder FC Chelsea trage, heißt es.

Diese Eigentümlichkeiten ließen sich während des enttäuschenden 1:1 (0:1) der Schalker gegen NK Maribor wieder einmal exemplarisch studieren, und es war erstaunlich, wie unverhohlen Klaas-Jan Huntelaar diese Haltungsprobleme anprangerte. "Der Anfang war gut", sagte der Holländer, "aber dann haben wir gemerkt, dass wir ein bisschen besser waren, und dann haben wir etwas weniger gemacht."

Der Reflex im trügerischen Gefühl einer eigenen Überlegenheit, etwas weniger zu machen, ist ein prägendes Schalker Merkmal, seit Trainer Jens Keller vor 22 Monaten das Traineramt beim Traditionsklub aus dem Revier übernommen hat.

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Schalke in der Einzelkritik: Lethargisch und einfallslos

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Natürlich wurde auch der Fußballlehrer zum x-ten Mal auf diese störende Eigenart angesprochen, und in diesen Wochen reagiert er grundsätzlich genervt auf derlei Nachfragen. "Diese Diskussionen langweilen mich", erwiderte er. Die Bremer, die der FC Schalke in der vorigen Woche besiegt hat, seien ja auch nicht gerade ein Gigant des Weltfußballs.

Mit der Einstellung seiner Spieler war Keller in den meisten Phasen zufrieden, "die Mannschaft hat gezeigt, dass sie will", fand er, vor allem nach dem 0:1 (Damjan Bohar, 39. Minute), als eine kleine Katastrophe drohte, war Schalke stark. Und auch nachdem das Team in der zweiten Halbzeit den Ausgleich erzielt hatte (Huntelaar, 56.) waren die Schalker grundsätzlich um ein Siegtor bemüht. Was fehlte, waren aber Inspiration und Durchschlagskraft.

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Wie schon gegen den BVB brauchten die Schalker einen absurden Abwehrfehler, um ein Tor zu erzielen. Das wegen einer Abseitsstellung übrigens wie die Führung der Slowenen eigentlich nicht hätte anerkannt werden dürfen. Und die "Konzentrationsmängel", die in den Augen von Torhüter Ralf Fährmann zum Gegentor geführt hatten, waren bei aller Einsatzbereitschaft eben auch ein Aspekt dieser Leistung.

In dieser dritten englischen Woche am Stück habe einfach die Kraft gefehlt, lautete am Ende die Hauptthese, mit der die Schalker den unbefriedigenden Verlauf des Abends erklären wollten. "Die Mannschaft geht auf dem Zahnfleisch", sagte Keller, und das natürlich ist nachvollziehbar angesichts der vielen verletzten Spieler.

Wunden hinterlässt der Abend zweifellos

Aber dieses Argument ist eben nur ein Teil im Puzzle der Schalker Wankelmütigkeit. Zumal mit Kaan Ayhan, Julian Draxler, Tranquillo Barnetta und Christian Fuchs vier Spieler in der Schalker Startelf standen, die gegen den BVB am Samstag geschont worden waren. Neben der Müdigkeit zeigt sich in dieser Saison nämlich noch ein zweites Phänomen beim FC Schalke. "Es ist unheimlich schwer, wenn man das Spiel machen muss", räumte Keller ein.

Diese Probleme, wenn Eigeninitiative gegen vorwiegend reagierende Teams gefragt ist, gehören sicher auch zu den Ursachen für Schalkes Erfolglosigkeit gegen prinzipiell weniger prominent besetzte Klubs. "Normalerweise muss man so einen Gegner einfach wegspielen, aber es war alles zu langsam", monierte Huntelaar, der Einzige, der den Finger in die Wunde legte.

Und Wunden hinterlässt dieser Abend zweifellos. Zum einem haben die Schalker die Chance verpasst, den Derbysiegerschwung in die kommenden Wochen hinüberzuretten; dieser Abend der Ernüchterung taugt kaum als Energiequelle für den erhofften Herbstaufschwung. Und zum anderen könnten die zwei verlorenen Punkte sich noch einmal schmerzhaft auf den weiteren Verlauf der Europapokalsaison auswirken.

"Wir werden jetzt in den anderen Spielen in der Gruppe die Punkte sammeln", versuchte Julian Draxler Optimismus zu verbreiten, aber emotional sind die Schalker nach dem Höhenflug vom Samstag schon wieder an der Kante zur Krise angelangt.

Eine Niederlage bei der noch ungeschlagenen TSG Hoffenheim am Samstag würde alle Debatten, von denen Keller sagt, dass sie ihn nur noch langweilen, wieder entflammen (Anpfiff 15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).