CL-Auftakt für Schalke Überflieger gegen Pechvögel

Viel schwerer geht's nicht: Schalke trifft zum Auftakt in der Champions League auf den FC Chelsea - ein Team in Top-Form. Die Königsblauen müssen mit dem letzten Aufgebot ran.

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Hamburg - Einmal José Mourinho sein. Der Trainer des FC Chelsea hat all seine besten Spieler zur Verfügung. Das Team hat einen optimalen Start in der Premier League erwischt. Der neue Stürmerstar Diego Costa trifft, wie er will. Und Geld spielt ohnehin keine Rolle.

Der Chefcoach auf Schalke heißt aber nicht José Mourinho, sondern Jens Keller und trainiert eine Mannschaft, die aus drei Ligaspielen nur einen Punkt geholt hat, die aus dem DFB-Pokal geflogen ist und deren Verletztenliste täglich wächst.

Unterschiedlicher könnten die Voraussetzungen vor dem Duell der beiden Teams zum Auftakt der diesjährigen Champions League (Mittwoch 20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) nicht sein. Wer am Mittwochabend an der Stamford Bridge der Favorit ist, darüber muss man nicht reden.

Ohnehin galten die Engländer bereits nach der Auslosung als Anwärter auf den Sieg in der Gruppe G. Es gibt gute Gründe dafür. Einer ist, dass Trainer Mourinho, bekannt als notorischer Griesgram, mit seinem Team für diese Saison zufrieden ist: "Wir haben jetzt den Kader, den wir brauchen." Wann hat man das je von ihm gehört?

Mit den Einkäufen von Mittelfeldspieler Cesc Fàbregas vom FC Barcelona und den Stürmern Loic Rémy von Ligakonkurrent Queens Park Rangers und Diego Costa von Atlético Madrid hat sich Chelseas "Stürmerproblem" in Wohlgefallen aufgelöst. Etwa 75 Millionen hat sich Klubbesitzer Roman Abramowitsch die Zugänge kosten lassen.

Vor allem Costa hat in dieser Saison bereits geglänzt und schon sieben Tore erzielt: Gegen Everton machte er ein Doppelpack, gegen Swansea traf er gleich dreimal - so oft wie Schalke insgesamt in seinen drei Spielen.

Die Ausgangslage für Schalke ist vor dem Spiel dagegen schlecht: In der Defensive hat Keller fast keine Alternativen mehr, zuletzt musste sich auch Kapitän Benedikt Höwedes verletzt abmelden.

Felipe Santana, Joel Matip, Sead Kolasinac und Atsuto Ushida fallen ohnehin aus. Die Ersatzabwehr wackelte bei der Generalprobe am Samstag in Mönchengladbach und ermöglichte dem Gegner zahlreiche Chancen. Keller muss vor allem hier auf eine Leistungssteigerung hoffen. Unklar ist zudem, ob sich nun auch Christian Fuchs in die lange Verletztenliste einreiht, er musste in der Partie gegen die Borussia angeschlagen ausgewechselt werden.

Da zudem mit Leon Goretzka und Jefferson Farfán auch zwei Leistungsträger im Offensivspiel fehlen, kann Schalke gerade nicht viel mehr, als Mängelverwaltung zu betreiben. Keller hat bereits eingeräumt, man befinde sich "derzeit sicher nicht auf Augenhöhe mit dem FC Chelsea". Bitter ist das für den Klub auch deshalb, weil er sich nach der besten Bundesligarückrunde der Vereinsgeschichte, auf die der Trainer gerne und stolz verweist, direkt für die "Königklasse" qualifiziert hatte. Aber diese Rückrunde scheint unendlich weit entfernt zu sein.

Dinge aus der Vorsaison wiederholen sich

Nach zwei Niederlagen und einem Unentschieden haben die Schalker bereits sieben Gegentore in der laufenden Bundesligasaison kassiert, das ist nach Hertha BSC negativer Spitzenwert der Liga. Zwar hat auch der FC Chelsea schon sechs Gegentore auf dem Konto, allerdings auch 15 Treffer.

So scheinen sich die Dinge aus der Vorsaison zu wiederholen: Auch da konnte Schalke in den ersten drei Ligaspielen nur einen Punkt holen, auch da hieß einer der Gruppengegner in der Champions League FC Chelsea. Und obwohl die Schalker beide Spiele 0:3 verloren, überstand das Team von Jens Keller zumindest die Gruppenphase.

Die Bilanz mag gegen die Königsblauen sprechen und Chelsea klarer Favorit sein, doch zumindest warten danach mit Sporting Lissabon und NK Maribor zwei Gegner, die für Schalke machbar sein sollten - und damit auch das Erreichen des Achtelfinales. Manager Horst Heldt sagt: "Es hilft kein Jammern und Klagen. Augen zu und durch!"

Für den Trainer würde bei einem erneuten Misserfolg der Druck noch weiter steigen. Thomas Tuchel wird auf Schalke bereits als möglicher Nachfolger bei einer Entlassung Kellers gehandelt, auch wenn Clemens Tönnies die Gerüchte zu entkräften versucht: "Tuchel steht nicht auf unserem Zettel", verkündete der Aufsichtsratsboss: "Wir haben Keller."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Chelsea:
Courtois - Ivanovic, Cahill, Terry, Azpilicueta - Fabregas, Matic - Schürrle, Oscar, Hazard - Diego Costa.
Schalke: Fährmann - Höger, Ayhan, Kirchhoff, Aogo - Neustädter, Boateng - Sam, Meyer, Draxler - Huntelaar.



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
suhlerin 17.09.2014
1. Und ich dachte
das wird mal ein Bericht ohne Jens Keller in Frage zu stellen. Aber nein,das geht hier nicht.Wenn die Parallelen zur Vorsaison bleiben-na und. Dann ist es doch super.Lasst Jens Keller in Ruhe.Sucht euch ein anderes Mobbing Opfer.
petersolis 17.09.2014
2.
guter Trainer der eine tolle Arbeit macht und für die vielen verletzten Spieler ja nichts kann. ich denke er ist der richtige Mann für diesen Job. Da ja noch genug Spiele kommen, wird Schalke sich schon fangen
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