Schalker Pleite gegen Chelsea Die Mutlosen

Der Gegner war einfach zu stark - so erklärt Schalke die klare Niederlage gegen Chelsea. Doch das taugt nicht als Ausrede. Die Gelsenkirchener wirkten ideen- und mutlos. Keine gute Ausgangslage, denn am Samstag wartet der Erzfeind.
Schalke-Profi Draxler: Harmlos geblieben

Schalke-Profi Draxler: Harmlos geblieben

Foto: Lars Baron/ Bongarts/Getty Images

Horst Heldt schickte den jungen Max Meyer mit einem Befehl in die milde Herbstnacht. 0:3 (0:1) hatte Schalke 04 in der Champions League gegen den FC Chelsea verloren, und der Manager sagte, Meyer habe "jetzt ein Verbot zu denken". Er mache sich Sorgen, so Heldt, dass sein 18 Jahre altes Talent allzu intensiv über seinen Fehlpass nachdenkt, der den Treffer zum 0:2 einleitete.

Dieses Spiel muss schnell aus den Köpfen der Schalker, schließlich steht schon am Samstag das Derby gegen Borussia Dortmund an (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Da wird Meyers Unbekümmertheit dringend gebraucht. Der Offensivspieler entwickelt sich nämlich mehr und mehr zur festen Größe bei den Gelsenkirchenern. Diese Erkenntnis war - trotz des Fehlpasses - einer der erfreulichen Aspekte dieses aus Schalker Sicht ernüchternden Abends. Allerdings impliziert diese Tatsache einen ziemlich bedenklichen Befund.

In einer zwar ganz gut sortierten, aber sehr uninspirierten Schalker Mannschaft ist Meyer der Lichtblick gewesen, "bei ihm hat man das Gefühl, dass es ihm ganz egal ist, gegen wen er spielt", sagte Heldt. Das heißt aber auch: Die anderen hatten sich vom großen Namen des Londoner Clubs einschüchtern lassen und sich in der Rolle des krassen Außenseiters verkrochen. Ehrfürchtig hatte der FC Schalke in vielen Phasen der Partie gewirkt.

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Schalke vs. Chelsea: Vier Chancen, drei Treffer

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Entsprechend klangen die Analysen nach dieser höchsten Heimniederlage in der Schalker Champions-League-Historie. "Sehr lehrreich" sei dieses Spiel gewesen, sagte Torhüter Timo Hildebrand. Und Heldt erkannte: "Verglichen mit Chelsea hat uns die Erfahrung gefehlt, die Cleverness. Jetzt hat jeder Spieler mal erlebt, wie die agieren." Nämlich sehr passiv, auf Fehler lauernd, fürchterlich effizient. Dass Fernando Torres schon nach fünf Minuten das 0:1 geköpft hatte, kam dem Spiel der Londoner natürlich sehr entgegen.

Die Schalker Offensive war - bis auf fünf Minuten gegen Ende der ersten Hälfte, als es drei, vier gefährliche Szenen im Strafraum der Engländer gab - harmlos geblieben. Und diese Chancenlosigkeit lässt sich bei genauerer Betrachtung gewiss nicht allein durch den Mangel an Erfahrung erklären. In Hildebrand, Kevin-Prince Boateng, Jermaine Jones, Benedikt Höwedes, Joel Matip und Atsuto Uchida standen viele Spieler mit großer internationaler Reputation auf dem Platz. Sie alle haben schon an großen Turnieren teilgenommen und diverse Spiele in der Champions League absolviert.

Immerhin war Boateng nach seiner zweiwöchigen Verletzungspause eine Bereicherung. Allerdings agierte er als Sturmspitze, überließ Meyer die Position im Mittelfeldzentrum, um nach seiner Verletzungspause nicht so viel laufen zu müssen. Tatsächlich waren die beiden die auffälligsten Schalker, aber Trainer Jens Keller opferte diesem Plan eine echte Sturmspitze. Und in seiner Gesamtheit wirkte dieser Abend wie ein weiteres Kapitel des Dauerumbruchs, in dem die Schalker seit vielen Monaten feststecken.

Dass Meyer in diesem Kollektiv der agilste Akteur war, der Mann, der sich am meisten zutraute, wirft schon die Frage auf, warum die anderen so zaghaft und mutlos zu Werke gingen. Antworten gab es dazu nicht. Die Kommunikationsstrategie sah vor, die eigene Unterlegenheit mit der Stärke des Gegners zu erklären. Die Mannschaft habe "sich aufgebäumt und alles probiert - ihr kann ich keinen Vorwurf machen", sagte Keller.

Andere Teams versuchen, so ein Europapokal-Heimspiel zum Spektakel zu machen, statt sich in Demut zu verlieren, wollen das Publikum mitreißen und die eigene fußballerische Unterlegenheit mit Leidenschaft kompensieren. Dieser Zauber war noch nicht einmal in einer Mini-Dosis vorhanden.

Vielleicht war Chelsea wirklich zu stark. Doch wenn der FC Schalke sich am Samstag im Derby gegen den hochkarätig besetzten Rivalen aus Dortmund so präsentiert, wird das Publikum nicht mehr so wohlwollend reagieren. Ein Derby sei ja auch ein anderes Spiel, erwiderte Dennis Aogo solchen Bedenken, "da spielt es keine Rolle, was vorher los gewesen ist". Abwarten, ob auch Meyer das begreift.