Schalke-Sieg gegen Arsenal "Absolut schön, absolut traumhaft"

Lange sagte man dem FC Schalke nach, die Mannschaft könne nicht gegen große Teams gewinnen. Mit den Erfolgen gegen den BVB und nun in der Champions League gegen Arsenal hat der Club das Gegenteil bewiesen. Das Erfolgsrezept ist simpel: Demut und ein funktionierendes Kollektiv.

Von Jan Reschke


Ausnahmen bestätigen die Regel - so die Redensart. Geschehen Ausnahmen aber häufiger, muss die Regel in Frage gestellt werden. So wie nun beim FC Schalke. Galten dort zuletzt Siege gegen starke Mannschaften als Ausnahme, so hat das Team von Trainer Huub Stevens mit dem Erfolg im Derby gegen den BVB und nun in der Champions League gegen den FC Arsenal gezeigt, dass diese Regel ihre Gültigkeit verloren hat.

"Das ist absolut schön, absolut traumhaft", sagte Mittelfeldspieler Lewis Holtby, "Derby gewonnen, in London gewonnen, das war eine gute Woche." Auch Kapitän Benedikt Höwedes freute sich angesichts des 2:0-Sieges: "Wir waren klar die dominierende Mannschaft. Es war ein hervorragender Sieg."

Besonders die starke Leistung gegen die Londoner, noch dazu in deren Stadion, bewies nachhaltig, in welch starker Verfassung sich der Bundesligist derzeit befindet. Dank der Treffer von Klaas-Jan Huntelaar (76. Minute) und Ibrahim Afellay (86.) hat sich die Mannschaft mit sieben Punkten in der Gruppe B zudem eine glänzende Perspektive auf den Einzug ins Achtelfinale erarbeitet. "Das sieht gut aus", sagte Huntelaar.

Fotostrecke

9  Bilder
Champions League: Schalke erobert London
Hatte man gegen Dortmund zuletzt im Februar 2010 gewonnen, gegen Bayern in dieser Saison am vierten Spieltag wieder einmal verloren, so schafften die Schalker nun gleich zwei Siege gegen große Mannschaften binnen einer Woche.

Es ist die letzte Bestätigung dafür, dass der FC Schalke bislang eine großartige Saison spielt und zu den positiven Überraschungen zählt. Nicht etwa, weil ihm nicht viel zugetraut worden war. Sondern weil das Team die zahlreichen Herausforderungen, die es zu meistern galt, bislang so eindrucksvoll bestanden hat.

Stichwort Raúl-Abgang: Zwar ist man hinterher immer schlauer, aber tatsächlich scheint der Abgang des Sympathieträgers Raúl das Schalker Team als Ganzes nach vorne gebracht zu haben. Junge Spieler wie Lewis Holtby, Julian Draxler und Roman Neustädter rückten zwangsläufig mehr in den Blickpunkt - und sie alle wuchsen an ihren Aufgaben.

Stichwort Spielweise: Huub Stevens Mannschaft tritt wesentlich kompakter auf als in vergangenen Spielzeiten, das Umschaltspiel wurde stark verbessert und im Angriff teilen sich immer mehr Profis die Verantwortung, wie 17 Treffer von elf verschiedenen Spielern zeigen.

Stichwort Erwartungshaltung: Egal, ob nach dem Sieg gegen Dortmund, dem generell geglückten Saisonstart oder den Leistungen in der Champions League - auf Schalke hat sich die Erwartungshaltung auf ein Normalmaß reduziert. War man vor nicht allzu langer Zeit in jeder Saison selbsternannter Titelkandidat, so gehen nun alle Beteiligten inklusive der Fans deutlich zurückhaltender mit der Thematik um - was sich offenbar auszahlt. Lewis Holtby sagte nach dem Erfolg gegen Arsenal lediglich: "Wir bleiben demütig, wir kommen runter und werden nicht überheblich."

Ganz ähnlich klingt das derzeit bei allen Schalker Profis. Auch Trainer Huub Stevens blieb nach der Erfolgswoche betont sachlich. "Insgesamt muss man nach zwei Auswärtssiegen und sieben Punkten in der Champions League zufrieden sein, aber es ist noch ein langer Weg", so Stevens. Unzufrieden sei er gar gewesen mit der Leistung in Halbzeit eins.

Seine zurückhaltende Art mag man als Ansage an die Mannschaft verstehen, nun nicht abzuheben. Vielleicht hat er aber auch an das 0:2 im eigenen Stadion gegen den FC Bayern München gedacht. Dort hatte sich gezeigt, dass Schalke vor allem in puncto Selbstbewusstsein noch etwas zur absoluten Spitze fehlt.

Angesichts der derzeitigen Euphorie tritt das aber vorerst in den Hintergrund - wie auch beispielsweise die Torwart-Diskussion. Timo Hildebrand, zu Saisonbeginn Nummer eins und dann verletzt, muss sich seit seiner Rückkehr mit der Bank begnügen, weil sein Vertreter Lars Unnerstall dem Trainer keinen Anlass zum Wechseln gibt.

Doch darüber wird nun kaum geredet, nur über die gute Entwicklung der Mannschaft. An deren Ende vielleicht die Ausnahme zur Regel wird.

FC Arsenal - FC Schalke 04 0:2 (0:0)
0:1 Huntelaar (76.)
0:2 Afellay (86.)
Arsenal: Mannone - Jenkinson (83. Gnabry), Mertesacker, Vermaelen, André Santos - Arteta, Ramsey, Santi Cazorla - Coquelin, Gervinho (75. Giroud), Podolski (83. Arshavin)
Schalke: Unnerstall - Uchida, Höwedes, Matip, Fuchs - Neustädter, Höger (46. Jones) - Farfan, Holtby (65. Barnetta), Afellay - Huntelaar (88. Marica) Schiedsrichter: Eriksson
Zuschauer: 60.000
Gelbe Karten: Vermaelen, Arteta, Ramsey, Gervinho - Afellay, Höger

insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
disi123 25.10.2012
1. Fussball
Man muss die 'Clubs' in der Bundesliga auch eher so wie Teams in der Formel 1 sehen, ausser das eben ueber das Jahr in jedem Land lokal Spiele ausgetragen werden und die besten Clubs der lokalen Ligen dann auch international spielen. Deswegen verstehe ich auch diesen ganzen Nationalstolz nicht wenn die Spieler im Club Schalke 04 gegen den Arsenal Football Club gewinnen. Wenn Vettel im Mc-Laren Team aus England gewinnt, freuen wir uns ja auch. Trotzdem freut es mich, wenn ein Club in der Bundesliga noch mit den Premier League Clubs mithalten kann :) Bisschen schade fuer Poldi...
unifersahlscheni 25.10.2012
2. Schönes Spiel...
...Respekt an Schalke. Gut auch für Bayern, solange die Blauen und Gelb-Schwarzen ebenso lange in der CL spielen, ist uns der BL-Titel zumindest sicher. :)
scooby11568 25.10.2012
3. Meinen Glückwunsch an Schalke ...
freut mich sehr. Aber bei allem Überschwang. Wieso hält irgend jemand Arsenal für einen großen Gegner? Haben die international auch mal irgend etwas gewonnen in den letzten 10 Jahren? Klar, sie sind immer dabei, aber ein großes Team? Sicher nicht ...
remmbremmerdeng 25.10.2012
4. Man hat auch schon grandios Punkte liegen lassen
gegen Montpellier und Fortuna (!). Welche Regel hat da ihre Gültigkeit verloren - etwa daß Schalke auch gegen gleichwertige oder gar schwächere Teams schon immer auf dem Posten war? Jetzt wegen den 2 Siegen schon eine neue Zeitrechnung zu beschwören, dürfte wohl genau so falsch sein.
Talan068 25.10.2012
5. Hut ab vor Huub
das Huub kein Schlechter ist, war ja klar, aber was er derzeit auf die Beine stellt, übertrifft meine kühnsten Erwartungen. Einige Spiieler, dies schon gut waren blühen nun richtig auf, wenn dann auch der Hunter wieder trifft, ist Schalke auf CL-Niveau. Die Unzufriedenheit, in der zweiten Reihe (Pukki, Obasi, Marica ..) scheint sich in Grenzen zuhalten, zumindest dringt nichts nach Aussen. Weiter so Schalke!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.