Champions-League-Sieg über Bukarest Bayern is back

Brillant gespielt, hoch gewonnen - die Bayern haben nach der Siegesgala gegen Bukarest allen Grund zur Freude. Ihre Leistungssteigerung kommt gerade noch rechtzeitig: In den kommenden Wochen sind die Münchner gefordert wie seit langem nicht.


Was für eine launenhafte Mannschaft.

Launenhaftigkeit - das ist es, was den FC Bayern in dieser Saison so interessant macht. (Neben dem langsam ergrauenden Trainer natürlich und der Debatte um den rheinischen Prinzen Podolski.) Wer nachzählen will, wie viele Gesichter die Münchner ihren Anhängern schon gezeigt haben, der muss beide Hände zum Zählen nehmen.

Da ist die vollends desorientierte Truppe vom 2:5 gegen Werder Bremen.

Da sind die leidenschaftlichen Kämpfer vom 4:2 gegen Wolfsburg.

Es gibt die planlosen Gewinner gegen Frankfurt (2:1).

Die nüchtern-effizienten Sieger aus dem Match bei Schalke (2:1).

Die überheblichen Schnösel vom 2:2 in Mönchengladbach.

Und natürlich sind da die stürmenden Bayern, die gegen Cottbus am liebsten "8:1 oder 9:1" gespielt hätten, wie Coach Jürgen Klinsmann es ausdrückte.

Das beste Spiel der Bayern in dieser Saison

Allmählich zeigt sich, dass zwei Spielarten besonders häufig vorkommen: der coole Ratio-Fußball alter Prägung - und der Offensiv-Fußball Klinsmannscher Idealvorstellung. Er war beim 3:0 (0:0) gegen Steaua Bukarest in der Münchner Allianz-Arena zu bewundern, das den Bayern den Einzug ins Achtelfinale der Champions League sicherte. Es war der beste Auftritt des Teams in dieser Saison. Miroslav Klose (57./71. Minute) und Luca Toni (61.) trafen, der italienische Weltmeister zum ersten Mal in der Champions League.

Erstmals konnte man gegen einen Gegner, dessen Qualität besser ist als die eines Bundesliga-Abstiegskandidaten, die groben Umrisse eines Konzepts erahnen. Klinsmann freute sich: "Wir sind natürlich hochzufrieden und glücklich, dass wir im Achtelfinale stehen. Das schaut schon toll aus."

Die Bayern machten ein fabelhaftes Spiel. Sie kontrollierten den Gegner fast 90 Minuten lang und besaßen die Geduld, nach ein paar vergebenen Möglichkeiten auf Chancen in der zweiten Halbzeit zu warten.

Als hinterher als einziger Makel bemängelt wurde, dass die Bayern in der ersten Hälfte nicht kaltschnäuzig genug waren, dann war dies allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn ein paar kleine Schwächen leisteten sie sich. Da gab es Flügel-Probleme: Zwar bemühten sich sowohl Franck Ribéry als auch Bastian Schweinsteiger, gelegentlich bis zur Grundlinie zu marschieren. Doch wenn von dort aus eine Flanke kam, fand sie so gut wie nie einen Abnehmer. Meist auf einer Linie postiert, verteidigte Bukarest in solchen Situationen ziemlich solide - weil der Münchner Zug sich schon im Ansatz verriet.

Der Angriff hat mittlerweile ein bestimmtes Muster - er orientiert sich an Ribérys Irrationalität. "Franck, Miroslav und ich, wir sind ein Traumtrio", sagte Toni, "es läuft gut, und in der Gruppe passt alles. Das macht richtig Spaß momentan." Prescht Ribéry wie ein trunkener Kavallerist auf die gegnerische Abwehrreihe zu, dann löst der Anblick des kleinen Mannes mit den pinkfarbenen Schuhen Panik auf der Gegenseite aus. Nahezu jede Bundesliga-Defensive und auch die einer durchaus brauchbaren Truppe wie Bukarest zeigt Auflösungserscheinungen, wenn der 25-jährige Franzose aus dem Halbfeld auftaucht.

"Mit breiter Brust und viel Selbstvertrauen"

Gefährlich wurde es meistens, wenn das Spiel schnell wurde. Besonders flink auf den Beinen und in der Spielauffassung ist Zé Roberto, der in dieser Saison noch einmal beweist, warum er Trainers Liebling in so ziemlich jeder Mannschaft war. Der 34-jährige Brasilianer hat nicht nur ein fabelhaftes Ballgefühl und eine enorme Zweikampfhärte, die angesichts seiner Eleganz immer wieder verblüfft. Zé Robertos Blick für Verteidigungslücken ist im Team der Bayern unerreicht. Wenn Ribéry den glänzenden Solisten gibt, dann ist Zé Roberto der Stratege, der die Glanzstücke des Franzosen in Szene zu setzen versteht.

Das 3:0 war ein Musterbeispiel hoher Spielkultur. Zé Roberto hatte sich den Ball mit gutem Einsatz erobert, sein blitzschneller Pass auf den durchgestarteten Ribéry war ein Geniestreich, der Abschluss durch Klose ("Die Frische kommt zurück") nicht minder schön anzusehen.

Die Bayern sind also mehr denn je daran interessiert, Zé Roberto zu halten. Dessen Vertrag läuft im Sommer aus; zuletzt sah es so aus, als ob er noch eine Saison in München dranhängen würde.

"Wir spüren seit sechs, acht Wochen, dass wir immer besser in Schwung kommen. Die Automatismen greifen immer mehr", sagte Klinsmann. Selbst der zuweilen sehr grimmige Manager Uli Hoeneß wollte da nicht widersprechen: "Die Mannschaft wächst immer mehr zusammen, der Rhythmus ist da. Die Tore waren schön herausgespielt."

Dass die seit zwölf Pflichtspielen ungeschlagenen Bayern ihre Leistungen weiter halten können, werden sie schon bald zeigen müssen. Am Samstag spielen sie beim Bundesliga-Zweiten Leverkusen, die Woche drauf schaut der momentane Tabellenführer Hoffenheim vorbei.

Und dann ist da auch noch die Champions League. Am 10. Dezember geht es im letzten Spiel der Vorrundengruppe F beim punktgleichen Rivalen Olympique Lyon um Platz eins.

Klinsmann warnt die Kontrahenten schon einmal: "Jetzt können wir uns mit breiter Brust und viel Selbstvertrauen den kommenden Aufgaben widmen."

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