Champions-League-Sieger Bayern Kingsley, der Königsmacher

Der FC Bayern krönt eine phänomenale Saison mit dem Champions-League-Titel und bestätigt sein altes Final-Gesetz. Außer Kingsley Coman und Manuel Neuer verdient noch ein anderer Spieler eine Huldigung.
Kingsley Coman (r.) lässt den FC Bayern jubeln

Kingsley Coman (r.) lässt den FC Bayern jubeln

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MANU FERNANDEZ / AFP

Szene des Spiels: In der 59. Minute segelt eine Flanke von Joshua Kimmich in den Pariser Strafraum, der Ball wird lang und länger, alle Spieler schauen ihm hinterher, hoffend, bangend, der Ball landet am hinteren Fünfmeterraum auf dem Kopf von Kingsley Coman - und der FC Bayern München ist Gewinner der Champions League 2020.

Ergebnis des Spiels: 1:0 (0:0) siegt der FC Bayern gegen Paris Saint-Germain durch den Coman-Treffer. Der elfte Sieg der Bayern im elften Saisonspiel in der Königsklasse. Wer alles gewinnt, hat am Ende eben auch alles gewonnen. Es war allerdings ein enges Spiel für den frisch gebackenen Triple-Gewinner, dessen Verlauf man hier in dem detaillierten Bericht nachlesen kann.

Die erste Halbzeit: Für solche Halbzeiten erfinden Reporter den Begriff "intensiv". Meist wird damit bemäntelt, dass relativ wenig passiert, doch hier ist das Wort wirklich passend. Erst scheitert Neymar an Bayern-Torwart Manuel Neuer (18. Minute), dann Robert Lewandowski am PSG-Pfosten (22.), dann ist Kylian Mbappé so freundlich, den Ball kurz vor dem Bayern-Tor Neuer in die Hände zu chippen (45.), und Coman stolpert im Strafraum, ohne dass es Elfmeter gibt (45.+1). Durchatmen nach 45 Minuten. Da war viel los, und es war auch noch richtig gut anzugucken.

Die zweite Halbzeit: Erheblich weniger dynamisch, dafür mit dem entscheidenden Moment. Und weil Neuer auch im zweiten Durchgang Schlimmes verhindert, retten die Bayern den Vorsprung über die Zeit, mit Einsatz, mit Cleverness, mit großer Disziplin. Selbst die Hereinnahmen von Julian Draxler und Eric-Maxim Choupo-Moting bringen für PSG nicht mehr die Wende. In der zweiten Hälfte unterläuft den Bayern fast kein Fehler mehr. Allein das ist titelwürdig.

Spieler des Spiels: Kingsley Coman macht das Tor, Manuel Neuer verhindert es, und doch soll hier die vielleicht letzte Gelegenheit genutzt werden, Bayerns Mittelfeldspieler Thiago zu huldigen. Seit er in München ist, ist an ihm in der Öffentlichkeit herumgekrittelt worden, gab er den Hau-den-Lukas. Warum? Weil bei ihm alles so leicht aussieht, und Leichtigkeit, so etwas mögen sie hierzulande nicht. Als ob er allen einen Gefallen tun wollte, vereinte er in seinem wohl letzten Spiel für die Bayern Leichtes und Schweres, rackerte und spielte. Wenn er bei seinem wahrscheinlichen neuen Klub FC Liverpool künftig selbiges tun sollte, wird er dort wahrscheinlich in den Himmel gelobt.

Geschichte des Spiels: Coman hat seine allerersten drei Profispiele bei Paris Saint-Germain absolviert, 2013 wurde er dereinst kurz vor Schluss für Marco Verratti eingewechselt. Sieben Jahre später macht er die Bayern gegen PSG zum Sieger, und Verratti wird kurz vor Schluss eingewechselt. Dabei hatten sich eigentlich schon alle auf eine Story über den zweiten Spieler eingerichtet, der beide Vereine kennt: den aus München im Unfrieden geschiedenen Juan Bernat. Aber der Abwehrspieler war an diesem Abend in jeder Hinsicht zu unauffällig für eine Geschichte.

Zahlen des Spiels: Das Tor von Coman war das 500. Champions-League-Tor des FC Bayern. Die Münchner verstehen es eben, Jubiläen zum richtigen Zeitpunkt zu begehen. Wer in seiner Historie schon so viel gefeiert hat, der weiß, wann und wo. PSG kann das offensichtlich noch nicht so gut. Vor genau 50 Jahren war das erste Pflichtspiel der Franzosen, der Verein wurde im August 1970 gegründet. Der dafür kaltgestellte Champagner wird schal werden.

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Erkenntnis des Spiels: Immer wenn die Bayern in ihrer Europapokalgeschichte die Partie eindeutig dominiert haben, haben sie das Endspiel verloren, gegen Porto 1987, gegen Aston Villa 1982, gegen United 1999, gegen Chelsea 2012. Wenn es dagegen eine ganz enge Partie war, dann haben die Bayern am Ende den Pokal in den Himmel gestemmt. Das Gesetz besteht weiter.

Die Bayern sind die Sieger, und sie sind es, weil sie bei diesem Turnier letztlich das beste Team waren. Und nicht nur dort, ihre Rückrunde war phänomenal, mit jedem Sieg unter Trainer Hans-Dieter Flick stieg die Selbstgewissheit, eigentlich gar nicht mehr verlieren zu können. Wenn jetzt noch Leroy Sané hinzukommt, werden sie auf Jahre unschlagbar sein.

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