Champions-League-Finale "Die Bayern sind psychologisch im Vorteil"

Bayern gegen Dortmund, Favorit gegen Außenseiter: Also der ganze Druck auf Seiten der Münchner? Mitnichten, sagt Sportpsychologe Werner Mickler, der beim DFB Trainer ausbildet. Im Interview erklärt er, warum den Bayern die zuletzt verlorenen Endspiele helfen können und was für den BVB spricht.

Bayern-Spieler Schweinsteiger, Ribery, Lahm, Dante: Das Ziel vor Augen
AP/dpa

Bayern-Spieler Schweinsteiger, Ribery, Lahm, Dante: Das Ziel vor Augen


SPIEGEL ONLINE: Herr Mickler, wer hat im Champions-League-Finale den größeren Druck, der FC Bayern München oder Borussia Dortmund?

Mickler: Beide haben sehr großen Druck, weil beide ein großes Ziel vor Augen haben - die Champions League zu gewinnen. So gesehen gibt es keine großen Unterschiede zwischen beiden Teams. Die Bayern sind psychologisch aber ein wenig im Vorteil.

SPIEGEL ONLINE: Wie bitte? Fast alle Fußballexperten sind der Meinung, die Situation für die Bayern ist weitaus schwieriger, weil sie Favorit und nach den beiden verlorenen Champions-League-Endspielen 2010 und 2012 fast schon zum Siegen verdammt sind.

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Das Finale am 25. Mai 2013 um 20:45

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Mickler: Das stimmt schon, aber die Bayern wissen, was auf sie zukommt. Sie kennen die Situation, in einem Champions-League-Finale zu stehen, den Druck, das Drumherum, alles. Für Dortmund ist diese Situation völlig neu, die Spieler des BVB erleben sie zum ersten Mal.

SPIEGEL ONLINE: Aber ist es nicht ein Nachteil für die Münchner, dass sie schon zwei Endspiele verloren und nun die Angst im Hinterkopf haben: "Oh Gott, hoffentlich verlieren wir nicht erneut!"

Mickler: Das ist nur dann ein Nachteil, wenn die alten Geschichten tatsächlich noch im Kopf und nicht richtig aufgearbeitet worden sind. Aber ich gehe davon aus, dass das bei den Bayern gut analysiert und aufgearbeitet wurde, vor allem das verlorene Finale im vergangenen Jahr. All diese Erfahrungen können die Bayern dann ins Positive drehen.

SPIEGEL ONLINE: Wie genau?

Mickler: Indem sie sich sagen: Wir zeigen es allen. Jetzt haben wir die Chance, die verlorenen Endspiele vergessen zu machen und uns endlich diesen Pokal zu holen.

Das Wembley-Stadion
SPIEGEL ONLINE: Nehmen wir trotzdem einmal an, es steht nach einer Stunde noch 0:0, die Bayern haben schon fünf Riesenchancen vergeben und es kommen negative Gedanken an die verlorenen Finals auf. Was kann man in so einer Situation als Spieler machen?

Mickler: Sich auf seine Aufgabe konzentrieren und an den vom Trainer vorgegebenen Matchplan halten. Was habe ich zu tun, um in die Erfolgsspur zu kommen? Zudem hilft es, Situationen durchzugehen, wo es schon mal geklappt hat.

SPIEGEL ONLINE: Vereinfacht gesagt: An Erfolgserlebnisse denken?

Mickler: Ganz genau. Dortmund hat schließlich gegen Málaga bewiesen, dass sie kurz vor Schluss ein Spiel noch drehen können. Den Bayern ist das auch schon öfter gelungen, zum Beispiel vergangenes Jahr im Halbfinale gegen Real Madrid. Da waren sie in der regulären Spielzeit schon ausgeschieden, haben sich später aber im Elfmeterschießen durchgesetzt.

SPIEGEL ONLINE: Dortmunds Trainer Jürgen Klopp betont ständig, dass sein Team nur Außenseiter sei und schlüpft in die Rolle des Underdog. Psychologisch eine clevere Strategie?

Mickler: Durchaus. Es stimmt ja auch, der BVB hat etwas erreicht, womit niemand gerechnet hat. Dann kann man auch nach außen verkaufen: 'Wir können nur gewinnen.' Diese Strategie kann helfen.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn Dortmund verliert, sagt jeder, war ja klar.

Mickler: Zumindest wenn es eine klare Niederlage wäre. Aber bei allen psychologischen Spielchen, die Klopp da treibt: Natürlich will er unbedingt gewinnen, und natürlich wollen auch seine Spieler unbedingt gewinnen. Und auf die kommt es letztlich an, wie sie mit der Situation umgehen. Konkret: Kann jeder Einzelne bei Dortmund unter den Umständen und Einflüssen eines Champions-League-Finales seine Aufgabe lösen, die er von Klopp vor dem Spiel bekommen hat? Können die Spieler das in genau diesem Moment, im Finale, abrufen?

SPIEGEL ONLINE: Womit wir wieder beim Thema Erfahrung wären.

Mickler: Korrekt. Natürlich klappt nicht alles, natürlich passieren Fehler, die mich zusätzlich unter Druck setzen. Aber darauf zu reagieren, ohne meine Aufgabe zu vernachlässigen, darum geht es. Das hat viel mit Erfahrung zu tun. Und beide Teams haben schon bewiesen, dass sie dazu im Stande sind. Nun wird es darum gehen, wer es am Samstag in London besser umsetzt.

SPIEGEL ONLINE: Was würden Sie den Spielern, ob Bayern oder Dortmund, als letzte Worte mit auf den Weg ins Wembley-Stadion geben.

Mickler: Haltet euch an unser taktisches Konzept! Erinnert euch im Zweifel an die Momente, in denen wir erfolgreich waren! Und alles andere blendet ihr aus!

Das Interview führte Birger Hamann

insgesamt 58 Beiträge
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Seite 1
Deepthought42.0815 24.05.2013
1. Ewig das gleiche inhaltslose Gefasel...
Es ist Sport, zu 90 %,, zumindest bei ähnlichem Niveau der Gegner, entscheidet die Tagesform, zufällige Antizipation, Zufälle als solches usw.. Hirnloses, inhaltsleeres und bedeutungsschwangeres Gefsasel von Leuten, die offenbar noch nie Sport auf einigermassen hohem Niveau betrieben haben ist hirnerweichend und vor allem braucht das niemand. Es ist mit einem Wort peinlich.
derbochumerjunge 24.05.2013
2. Routinierter verdauen
Zitat von sysopAP/dpaBayern gegen Dortmund, Favorit gegen Außenseiter: Also der ganze Druck auf Seiten der Münchner? Mitnichten, sagt Sportpsychologe Werner Mickler, der beim DFB Trainer ausbildet. Im Interview erklärt er, warum den Bayern die zuletzt verlorenen Endspiele helfen können und was für den BVB spricht. http://www.spiegel.de/sport/fussball/champions-league-sportpsychologe-zu-bayern-und-borussia-dortmund-a-900272.html
Herr Mickler hat meine Zustimmung. Die Bayern sind Niederlagen in Endspielen gewohnt und können dieselben routinierter verdauen :-)
helgamaus 24.05.2013
3. Das ist doch alles Blödsinn
Warum wird in den Medien die Konkurrenz unter den beiden Vereinen noch zusätzlich angeheizt? Es geht hier doch wohl in erster Linie um Sport. Können wir nicht einfach froh darüber sein, dass gleich 2 deutsche Mannschaften im CL-Finale stehen?
tomatosoup 24.05.2013
4. Quark
Die Bayern, die ein Champions-League-Finale verloren haben, sind nicht identisch mit den Bayern, denen dieses Jahr alles gelingt. Es gibt für diese fantastische Mannschaft des Jahres 2013 keinen psychischen Druck, etwas wiedergutmachen zu müssen, was andere vor einigen Jahren zu verantworten hatten.
kampftier 24.05.2013
5. An unsere Bayernspieler .....
Zitat von sysopAP/dpaBayern gegen Dortmund, Favorit gegen Außenseiter: Also der ganze Druck auf Seiten der Münchner? Mitnichten, sagt Sportpsychologe Werner Mickler, der beim DFB Trainer ausbildet. Im Interview erklärt er, warum den Bayern die zuletzt verlorenen Endspiele helfen können und was für den BVB spricht. http://www.spiegel.de/sport/fussball/champions-league-sportpsychologe-zu-bayern-und-borussia-dortmund-a-900272.html
Sorry,aber ich wünsche dem BVB den Sieg ...Die haben richtig Gekämpft ..
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