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Bayer-Sieg gegen Donezk Kießling trifft das Innennetz

Er war der Mann des Abends: Stefan Kießling überragte beim Bayer-Sieg in der Champions League gegen Schachtjor Donezk. Unbeeindruckt von der Phantomtor-Diskussion traf der Angreifer zweimal selbst und war auch an den restlichen Toren beteiligt. Doch er hatte auch reichlich Glück.

Eigentlich hat Stefan Kießling derzeit nur wenig Lust auf seine Rolle als Mittelpunkt von Bayer Leverkusen. Seit Tagen spricht der Angreifer nicht mit Journalisten, die Debatten über das Phantomtor und seine Nationalmannschaftskarriere sind ihm mächtig auf die Nerven gegangen. Doch in diesen Wochen kommt einfach niemand vorbei an dem 29-Jährigen, der immer neue Sensationsgeschichten liefert. Beim überzeugenden 4:0-Sieg von Bayer gegen Schachtjor Donezk mal wieder in seiner Lieblingsrolle: als großartiger Fußballspieler.

An allen vier Treffern war Kießling beteiligt. Das erste und das vierte Tor hatte er selbst erzielt (22. Minute, 72.), zu Sidney Sams 3:0 (57.) trug er den vorletzten Pass bei, und den Elfmeter, den Simon Rolfes zum 2:0 verwandelte (50.), pfiff der Schiedsrichter nach einem Zweikampf zwischen Darijo Srna und dem Torschützenkönig der vergangenen Bundesliga-Saison. Es handelte sich zwar um eine Art Phantomelfmeter, gefoult hatte der Verteidiger nämlich nicht. Auf die Idee, ein Wiederholungsspiel zu fordern, kam an diesem Abend aber niemand.

Stattdessen wurde in Leverkusen mal wieder ein ausgelassenes Fußballfest gefeiert. Der Ärger um das Phantomtor habe die Mannschaft eher gestärkt als irritiert, meinte Rudi Völler. "Das Gute ist, dass man in solchen Situationen zusammensteht", sagte der Sportchef. Sie haben eine Art Wagenburggefühl entwickelt, und Kießling hat sich als Meister der Krisenbewältigung profiliert. Auch wenn ein paar seltsame Zufälle im Spiel gewesen sind.

"Was Stefan durchmachen musste, ist nicht schön"

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Leverkusen vs. Donezk: Sprechchöre für "Kieß"

Foto: Frank Augstein/ AP/dpa

Denn in dieser Partie war das Schicksal eindeutig auf Kießlings Seite. Ein besserer Torhüter als Andrij Pjatow hätte beide Tore des Stürmers verhindert, und der Elfmeter war die Folge einer Fehlentscheidung. In den allermeisten anderen Spielen wäre Kießling wahrscheinlich leer ausgegangen.

"Was Stefan durchmachen musste, ist nicht schön, das ist auch nicht berechtigt", sagte Torhüter Bernd Leno über den Kollegen, dem ja unterschwellig vorgeworfen wird, ein Gauner zu sein. "Es zeichnet ihn aus, dass er sich in so einer schweren Situation durchsetzen kann." Zumal die Treffer nicht nur kostbar waren, weil sie eine beeindruckende Reaktion auf den Phantomtor-Ärger interpretiert werden können, sondern auch, weil Kießling in der Königsklasse bislang nie als ähnlich großer Torschütze in Erscheinung getreten ist, wie die Fans ihn aus der Bundesliga kennen. Es handelte sich erst um seinen zweiten und seinen dritten Champions-League-Treffer.

Dass der Stürmer auf höchstem Niveau bislang nur wenig bewegen konnte, ist wohl auch ein Argument in den Erwägungen von Bundestrainer Joachim Löw. Nun war Kießling endlich einmal auch im internationalen Wettbewerb effizient - und nicht nur als Torschütze wertvoll: Er spielte kluge Pässe, arbeitete für die Defensive und wurde nach 76 Minuten mit Standing Ovations in den Feierabend verabschiedet. Auch viele Mitspieler applaudierten, das Lob der Verantwortlichen galt aber dem gesamten Team.

Denn die Werkself ist bekanntlich im ersten Saisondrittel sehr erfolgreich gewesen. Dass die Leistungen bei den vielen Siegen oftmals wenig überzeugend waren, hat überregional kaum jemand bemerkt. In dieser Woche hatte Trainer Sami Hyypiä nun erstmals öffentlich eingeräumt, dass die Ergebnisse zwar gut seien, dass das Team fußballerisch aber "eine schwächere Phase" durchlaufe.

Völler formulierte nun die These, dass das Phantomtor dazu beigetragen haben könnte, dieses Stadium zu überwinden. "Wir haben den Spielern in den vergangenen Tagen gesagt, dass sich eine große Mannschaft zeigt, wenn man mal ein bisschen Gegenwind bekommt", sagte er. Auch zu Kießling habe er explizit gesagt, "dass man dann mal Flagge zeigen muss". Die Mannschaft hat die Forderung nach einer Leistungssteigerung erfüllt. Und der wortkarge Coach Hyypiä sagte: "Wir haben viel besser gespielt, als in den Partien davor."

Bayer Leverkusen - Schachtjor Donezk 4:0 (1:0)
1:0 Kießling (22.)
2:0 Rolfes (50., Foulelfmeter)
3:0 Sam (57.)
4:0 Kießling (72.)
Leverkusen: Leno - Donati, Spahic (56. Wollscheid), Toprak, Boenisch - Castro, Rolfes, Can - Sam, Kießling (76. Derdiyok), Son (71. Hegeler)
Donezk: Pjatow - Srna, Rakizki, Kutscher, Schewtschuk - Fernando (61. Ilsinho), Hübschman - Costa, Teixeira, Taison (46. Bernard) - Adriano (78. Ferreyra)
Schiedsrichter: Lannoy (Frankreich)
Zuschauer: 25.184
Gelbe Karten: Donati, Kießling, Can - Srna

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