Champions League Stuttgart scheitert torlos an Chelsea

Der VfB Stuttgart brauchte ein kleines Wunder, um noch ins Viertelfinale der Champions League einziehen zu können. Doch das torlose Unentschieden gegen den FC Chelsea nützte allein den durchschnittlich spielenden Gastgebern. Ebenso wie die Schwaben verpassten auch Manchester United und Juventus Turin die nächste Runde.


Alexander Hleb (l.) gegen Chelseas Gallas: Das Wunder von London blieb aus
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Alexander Hleb (l.) gegen Chelseas Gallas: Das Wunder von London blieb aus

London - Die märchenhafte Erfolgsgeschichte des VfB Stuttgart in der Champions League hat beim FC Chelsea wie befürchtet ihr Ende gefunden. Der deutsche Fußball-Vizemeister kam im Achtelfinal-Rückspiel beim millionenschweren Starensemble von Öl-Milliardär Roman Abramowitsch nicht über ein 0:0 hinaus und ist damit nach dem 0:1 im Hinspiel in Stuttgart ausgeschieden. Das erhoffte Wunder von London blieb aus und die Schwaben zogen wie schon 1998 im Endspiel um den Europacup der Pokalsieger gegen die "Blues" den Kürzeren.

Das Team von Felix Magath zeigte zwar vor allem nach dem Seitenwechsel eine couragierte Leistung, fand aber nicht die richtigen Mittel gegen das britische Bollwerk. Die beste Chance hatte vor 36.657 Zuschauern der eingewechselte Christian Tiffert in der 86. Minute. In der Schlussphase rettete VfB-Torwart Timo Hildebrand auf der Gegenseite zweimal glänzend gegen Adrian Mutu.

Jesper Gronkjaer traf zudem noch Sekunden vor dem Abpfiff den Pfosten. Chelsea ist in der Champions League nun bereits seit 501 Minuten ohne Gegentor. Der VfB schaffte es auch als dritte deutsche Mannschaft nach 1860 München (Saison 1965/66) und Hertha BSC Berlin (1999/2000) nicht, an der Stamford Bridge einen Treffer zu erzielen.

Stuttgart poliert internationales Image auf

Trotz des Ausscheidens im Achtelfinale hat sich das Abenteuer Königsklasse für den VfB gelohnt. Die Schwaben polierten mit couragierten Auftritten wie beim 2:1-Erfolg gegen Manchester United nicht nur ihr internationales Image auf. Der Klub spielte auch rund 20 Millionen Euro ein, die zu einem großen Teil schon wieder in die Mannschaft investiert wurden.

Magath bot mit Ausnahme der in der Champions League nicht spielberechtigten Hakan Yakin und Marco Streller seine Bestbesetzung auf und vertraute der Anfangsformation vom 2:0-Sieg bei Borussia Dortmund. Kapitän Zvonimir Soldo, der "letzte Mohikaner" der 0:1-Niederlage 1998 gegen die "Blues" in Stockholm, war trotz leichter Knieprobleme dabei, Neuzugang Boris Zivkovic feierte in der Innenverteidigung seine Champions-League-Premiere für den VfB. Der Portugiese Fernando Meira, dem im Hinspiel das bittere Eigentor gegen die Londoner unterlaufen war, rückte wie zuletzt in der Liga ins Mittelfeld.

Die erste Halbzeit gestaltete Stuttgart ausgeglichen

In der ersten Halbzeit gestaltete der VfB die Partie weitgehend ausgeglichen, auch weil Chelsea sich selbst weit zurückzog. Zu mehr als einigen Distanzschüssen von Marcelo Bordon nach 50 Sekunden, Meira (9.), Kevin Kuranyi (19.) und Imre Szabics (42.), der zwei Minuten zuvor für den verletzten Cacau ins Spiel gekommen war, reichte es aber nicht.

Chelsea war zunächst nur gefährlich, wenn der Ire Damien Duff über links Druck machte. Der Ire, mit 35 Millionen Euro teuerster Spieler in Chelseas Startruppe und erstmals nach längerer Verletzungspause wieder von Beginn an dabei, scheiterte in der sechsten Minute an Hildebrand.

Nach dem Seitenwechsel wollte der VfB mehr Risiko eingehen, und bereits 36 Sekunden nach Wiederanpfiff hatte Philipp Lahm die bis dahin größte Chance des VfB. Der Jung-Nationalspieler, der im Hinspiel eine sehr starke Leistung gezeigt hatte, setzte sich gegen drei Gegenspieler durch, scheiterte dann aber an Chelsea-Keeper Carlo Cudicini. In der 55. Minute verfehlte Alexander Hleb das Tor nur knapp. Der VfB hatte seine stärksten Akteure in Lahm und Zivkovic. Beste Spieler bei den Londonern waren Duff und Claude Makelele.

ManU und Juve raus

Der Traum vom Gewinn der Champions League ist auch für Manchester United und Juventus Turin vorbei. Turin verlor das Achtelfinal-Rückspiel gegen Deportivo La Coruna vor heimischem Publikum mit 0:1 (0:1) und schied nach dem 0:1 aus dem Hinspiel vorzeitig aus. Walter Pandiani (12.) schockte die "Alte Dame" mit seinem vierten Treffer im laufenden Wettbewerb, von dem sich der Gastgeber im Stadion Delle Alpi nie erholte.

Der Angriffsmotor der offensiv eingestellten Italiener kam bereits nach acht Minuten ins Stottern, als Ballkünstler Alessandro Del Piero wegen einer Oberschenkelzerrung ausgewechselt werden musste. Nur vier Minuten nach diesem Rückschlag fiel der Treffer für die Galizier wie aus heiterem Himmel. Die Juve-Abwehr unterschätzte einen harmlosen, lang in die Spitze geschlagenen Ball der Spanier, und Pandiani nutzte die Unsicherheit eiskalt aus. Deportivo stand von nun an kompakt in der Abwehr, deckte Spielgestalter Pavel Nedved. Der für Del Piero eingewechselte Fabrizio Miccoli vergab die Riesenchance zum Ausgleich (37.), als er frei vor dem Tor an Deportivos Torhüter Jose Molina scheiterte. Danach fügte sich Turin in sein Schicksal.

ManU tat sich zu Hause schwer

Manchester United tat sich im heimischen Old Trafford gegen den Uefa-Cup-Sieger aus Portugal sehr schwer. Die Gäste beschränkten sich nur auf die Defensive, wollten den Ein-Tore-Vorsprung aus der ersten Partie über die Zeit retten. Doch die "Red Devils" zeigten sich in ihrem 101. Spiel in der Königsklasse geduldig. Torjäger Ruud van Nistelrooy (24.) vergab nach einem Querschläger der Portugiesen die erste Möglichkeit. Acht Minuten später machte es Scholes besser, der eine Flanke von Verteidiger John O'Shea per Kopf verwertete. Ein zweiter Treffer des englischen Nationalspielers wurde wegen angeblichen Abseits zu Unrecht aberkannt. Porto gab in der zweiten Hälfte seine defensive Haltung auf und kam zum verdienten und umjubelten Ausgleich.

Olympique Lyon blieb beim glanzlosen 1:0 (0:0) gegen Real Sociedad San Sebastian seinen Fans vieles schuldig. Nach dem Hinspielerfolg (1:0) in Spanien beschränkten sich die Platzherren, bei denen der Ex-Bayer Giovanne Elber erst spät eingewechselt wurde, auf eine kontrollierte Offensive, konterten im eigenen Stadion. Juninho nutzte einen davon zum Siegtor (77.).

FC Chelsea London - VfB Stuttgart 0:0
Chelsea: Cudicini - Johnson (30. Desailly), Terry, Bridge, Gallas - Parker (61. Geremi), Makelele, Lampard, Gronkjaer - Duff (82. Mutu), Crespo
Stuttgart: Hildebrand - Hinkel (81. Gomez), Zivkovic, Bordon, Lahm - Meira, Soldo, Meißner (63. Tiffert), Hleb - Cacau (39. Szabics), Kuranyi
Schiedsrichter: Nielsen (Dänemark)
Zuschauer: 41.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: - / Hinkel



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