kicker.tv

Bayern-Ersatzspieler Müller "Ein Gesicht zu ziehen, hilft keinem weiter"

Einst hieß es beim FC Bayern: Thomas Müller spielt immer. Doch Josep Guardiola hält sich nicht an diese Regel - gegen Atlético saß der Angreifer zunächst draußen. Und was sagt Müller?

Thomas Müller hat neben all seinem fußballerischen Talent eine weitere Gabe, die ihm in Situationen wie am späten Mittwochabend zupasskommt. Der 26-Jährige hat eine Physiognomie, die es selbst dem geübten Müller-Beobachter schwer macht, einwandfrei zu sagen, wie die Mimik des Bayern-Spielers zu deuten ist. Vor allem, wenn er zuvor nicht als Bayern-Spieler, sondern als Bayern-Ersatzspieler in Erscheinung getreten ist.

So wie eben am Mittwoch, beim Halbfinal-Hinspiel gegen Atlético Madrid. Müller saß im Estadio Vicente Calderón zunächst nur auf der Bank und wurde in der 70. Minute eingewechselt. Müller war angefressen, das schon. Über die Entscheidung von Josep Guardiola "ist man nicht glücklich", sagte Müller, aber: "Wenn alle, die draußen sitzen, ein Gesicht ziehen, hilft das keinem weiter."

Die Sache ist: Müller zieht immer Gesichter, er kann gar nicht anders. Müllers Mimik zuzuschauen, wie sie innerhalb weniger Sekunden von Grinsen zu Staunen, von Staunen zu Nachdenken und von Nachdenken wieder zu Grinsen übergeht, ist meist unterhaltsamer als das Spiel zuvor.

Und so grimassierte Müller spielerisch den Ärger über seine zeitweilige Degradierung weg. Klar, er wolle immer spielen, sagte er, aber der Trainer habe nun mal so entschieden; es geht nur um die Mannschaft, nicht um den Einzelnen.

Fotostrecke

Champions-League-Analyse: Wie der FC Bayern bei Atlético in die Falle tappte

Foto: JAVIER SORIANO/ AFP

Viele Zuschauer sahen das allerdings anders. In den sozialen Medien wurde Guardiola, wie immer wenn die Bayern mal Mühe haben und Müller ausnahmsweise draußen sitzt, heftig kritisiert. Müller müsse spielen, so die einhellige Meinung, die seit Louis van Gaal und seinem Spruch 2010 ("Müller spielt immer") in München zu einem Naturgesetz geworden ist.

Aber solche Gesetze interessieren Guardiola bekanntermaßen wenig. Der Spanier setzte in dieser Saison auch schon Robert Lewandowski, Philipp Lahm oder David Alaba auf die Bank. "Der Trainer darf nur elf Spieler aufstellen und er hat sich für andere entschieden", stellte Müller nach dem Spiel schulterzuckend fest. Er kennt seinen Coach, so läuft das eben. "Diskussionswürdig ist das zum aktuellen Zeitpunkt nicht."

Das könnte nach dem Rückspiel ganz anders aussehen. Wieder gelang den Münchnern kein Auswärtstor, wie schon in den beiden vergangenen Jahren im Halbfinal-Hinspiel. 0:1 bei Real Madrid, 0:3 beim FC Barcelona. Am Ende stand jeweils das Aus.

"Zuversicht gibt mir, dass wir immer in der Lage sind zu gewinnen - auch mit mehr als einem Tor Unterschied", sagte Müller. "Wir sollten aber kein Tor bekommen, sonst wird es schwierig."

Nach seiner Einwechslung 20 Minuten vor Schluss war Müller gleich einer der gefährlichsten Bayern gewesen, spielte mal auf dem rechten Flügel, mal in der Mitte, lief, dribbelte, legte Torschüsse auf. Aber der Ball wollte einfach nicht ins Tor. "Wir hatten viele gute Möglichkeiten. In der zweiten Halbzeit hätten wir auf jeden Fall ein Tor verdient gehabt."

Dass es nicht klappte, lag, so Müller, auch am Platz. Es sollte nicht wie eine Ausrede klingen, aber zumindest ein bisschen wie eine Erklärung: "Der Platz nimmt, vor allem bei Kopfballaufsetzern, ein bisschen Gas aus dem Ball. Wenn der aufkommt, musst du aufpassen, dass er dir nicht wieder ins Gesicht zurückspringt."

Aber wenn einer das locker wegstecken würde, dann ganz sicher Thomas Müller.