Tottenhams Niederlage in der Champions League Spurs am Boden, aber noch nicht k.o.

Tottenham hat das Halbfinal-Hinspiel gegen Ajax Amsterdam verloren - und Verteidiger Vertonghen, der mit einer bösen Verletzung im Rückspiel ausfällt. Genau das ist Anlass zur Hoffnung.

Dylan Martinez / REUTERS

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Die Szene des Spiels: Ajax-Spielmacher Hakim Ziyech steckte den Ball zum haarscharf entlang der Abseitslinie agierenden Donny van de Beek durch, der mit ein, zwei Täuschungen Spurs-Torhüter Hugo Lloris in die Knie zwang und aus halbrechter Position überlegt ins linke Eck einschoss. Es war in der 15. Minute der Lohn für eine dominante Anfangsphase der Gäste, die zunächst nahtlos an die beeindruckenden Auswärtsleistungen bei Real Madrid und Juventus anschließen konnten.

Das Ergebnis: Ajax Amsterdam hat das Habfinal-Hinspiel der Champions League 1:0 (1:0) bei Tottenham Hotspur gewonnen. Hier geht es zum Spielbericht.

Die erste Hälfte: Begann mit totaler Kontrolle für Ajax. Nach 20 Minuten kamen sie auf nahezu 70 Prozent Ballbesitz und 6:0 Torschüsse. Die Dreierkette der Spurs war in steter Unruhe, unter anderem bei Chancen von David Neres (19. Minute) und van de Beek (24.). Fernando Llorente hatte per Kopf die erste Gelegenheit der Spurs (25.), die erst kurz vor dem Halbzeitpfiff den Zugriff auf diese Partie erlangten und mit Toby Alderweireld (45.+4) und Moussa Sissoko (45.+5) zwei weitere Möglichkeiten verbuchen konnten.

Vertonghens K.o.: Nach einem Freistoß für die Spurs von Kieran Trippier stieß Jan Vertonghen mit dem Kopf seines Innenverteidigerkollegen Alderweireld zusammen (33.). Verthongen blutete stark und wirkte benommen. Nach minutenlanger Behandlung kam er jedoch zurück aufs Feld, bevor er umgehend seine Auswechslung einforderte. Beim Verlassen des Spielfeldes brach er fast in den Armen seines Trainers Mauricio Pochettino zusammen. Der Schiedsrichter hatte Sekunden zuvor offenbar noch mit der Bank der Spurs kommuniziert, ob eine Gehirnerschütterung vorliege. Dramatische, vermeidbare Szenen. Ein weiteres Argument für das "Concussion Protocol", wie es zum Beispiel in der NFL üblich ist.

Die zweite Hälfte: die Spurs nun wacher und aktiver. Direkt nach dem Wiederanpfiff vergab Llorente eine gute Chance, auch Eriksen (50.), Dele (56.) und Lucas Moura (63.) näherten sich dem Tor von André Onana an, doch ohne den verletzten Harry Kane und den gesperrten Son Heung-Min fehlte den Gastgebern die Durchschlagskraft. Für Erik ten Hags Team vergab Dusan Tadic in der 51. Minute die Gelegenheit, auf 2:0 zu erhöhen. Fallen müssen hätte der Ajax-Treffer in der 78. Minute, als Neres aus halblinker Position nur den rechten Pfosten traf.

Ex-Faktor und Taktikwechsel: Mit Davinson Sánchez, Alderweireld und Vertonghen bot Pochettino im Tottenham Hotspur Stadium eine Dreierkette aus ehemaligen Ajax-Akteuren auf. Nach der Verletzung Vertonghens stellte er auf eine Viererreihe um, was seinem Team vor allem half, das zentrale Mittelfeld zu verdichten und von dort aus eigene Angriffsaktionen zu entwickeln. Dort spielte mit Christian Eriksen der vierte Ex-Amsterdamer - der Spurs-Spielmacher agierte allerdings ebenso wie Offensivpartner Dele (nur 13 Ballaktionen in Hälfte eins) über weite Strecken des Spiels unauffällig.

Führen, nicht verlieren: Wenn Ajax in Führung geht, verlassen sie den Platz in der Königsklasse nie als Verlierer. 49-mal erzielten sie das 1:0, 41-mal gewannen sie anschließend, achtmal endete die Partie remis.

Das Rückspiel: Ajax hat sich eine gute Ausgangsposition erspielt, die Spurs dürfen auf zwei Faktoren hoffen: Zum einen hat ihnen die - notgedrungene - Umstellung auf 4-4-2 gezeigt, wie die Niederländer zu kontrollieren sind, zum anderen kehrt mit Son der überragende Akteur aus den Viertelfinalbegegnungen gegen Manchester City zurück. Die Hoffnung, als 40. Team ein Finale der Königsklasse zu erreichen, ist weiterhin intakt. Das Rückspiel findet am kommenden Mittwoch (21 Uhr, TV: Sky und Dazn, Liveticker: SPIEGEL ONLINE) in Amsterdam statt.

Tottenham Hotspur - Ajax Amsterdam 0:1 (0:1)
0:1 van de Beek (15.)
Tottenham: Lloris - Alderweireld, Sánchez, Vertonghen (39. Sissoko) - Wanyama - Trippier (79. Foyth), Eriksen, Dele, Rose (79. Davies) - Llorente, Lucas Moura
Ajax: Onana - Veltman, de Ligt, Blind, Tagliafico - Schöne (65. Mazraoui), de Jong - Ziyech (87. Huntelaar), van de Beek, Neres - Tadic
Schiedsrichter: Antonio Miguel Mateu Lahoz
Gelbe Karten: - / Tagliafico, Veltman
Zuschauer: 60.000 (ausverkauft)



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
BurekTomate 01.05.2019
1. Ich hasse Tottenham
Wieso drückt der Autor diesem Verein die Daumen? Jeder Anhänger des Fußballs müsste in diesen Tagen doch Ajax-Fan sein. Wenn es halbwegs gerecht zugegangen wäre, hätte Tottenham schon in der Gruppe ausscheiden müssen. Dann bekamen sie Dortmund, in der denkbar schlechtesten Form. Aber sogar in diesen Spielen benötigten sie viel Glück. Dann kam ManCity, und wenn Vereine aus dem gleichen Land in Europa aufeinandertreffen ist das immer etwas merkwürdig. Auch da kamen sie letztlich sehr glücklich weiter. Diese Versager haben so viel Glück, sowas haben wir seit Chelsea 2012 nicht mehr gesehen. Ich wünsche ihnen alles erdenklich schlechte. Und vielmehr wünsche ich Ajax Glück.
salkum 01.05.2019
2. noch ist nichts verloren.....
ich wünsche Tottenham den Titel. Wer Dortmund ausschaltet, hat es letztendlich auch verdient. Also alles Gute für's Rückspiel für das sympatische Team aus Londons Norden um die Sympathieträger Kane und Son.
gammoncrack 01.05.2019
3. Nun habe ich mir den Artikel mehrfach durchgelesen und
Zitat von BurekTomateWieso drückt der Autor diesem Verein die Daumen? Jeder Anhänger des Fußballs müsste in diesen Tagen doch Ajax-Fan sein. Wenn es halbwegs gerecht zugegangen wäre, hätte Tottenham schon in der Gruppe ausscheiden müssen. Dann bekamen sie Dortmund, in der denkbar schlechtesten Form. Aber sogar in diesen Spielen benötigten sie viel Glück. Dann kam ManCity, und wenn Vereine aus dem gleichen Land in Europa aufeinandertreffen ist das immer etwas merkwürdig. Auch da kamen sie letztlich sehr glücklich weiter. Diese Versager haben so viel Glück, sowas haben wir seit Chelsea 2012 nicht mehr gesehen. Ich wünsche ihnen alles erdenklich schlechte. Und vielmehr wünsche ich Ajax Glück.
leider nichts gefunden, was für ein "Daumendrücken" des Verfassers spricht. Vielleicht klären Sie mich noch auf, aus welchen Formulierungen Sie das geschlossen haben. Ich drücke tatsächlich Amsterdam die Daumen, teile aber die Einschätzung des Autors, dass noch alles möglich ist.
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