Tottenhams Halbfinaleinzug in Manchester VAR was?

Zwischen Manchester City und Tottenham Hotspur entwickelte sich früh ein atemberaubendes Spiel - mit einem dramatischen Ende. Einer der Hauptdarsteller? Mal wieder der Schiedsrichter.

Die entscheidende Szene im Viertelfinalrückspiel zwischen Manchester City und Tottenham Hotspur: Das Tor von Raheem Sterling wird zurückgenommen
Anthony Devlin/AFP

Die entscheidende Szene im Viertelfinalrückspiel zwischen Manchester City und Tottenham Hotspur: Das Tor von Raheem Sterling wird zurückgenommen

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Die Szene des Spiels: Die dritte Minute der Nachspielzeit zwischen Manchester City und Tottenham Hotspur. Tottenhams Christian Eriksen spielte einen fatalen Rückpass, der zu Citys Stürmer Sergio Agüero abgefälscht wurde. Vor dem Tor legte der Argentinier zu Raheem Sterling, der an Tottenhams Torhüter Hugo Lloris vorbei zum 5:3 ins Tor traf. Sterling schrie seine Freude heraus, sein Trainer Pep Guardiola schrie seine Freude heraus, fast alle Zuschauer im Etihad Stadium schrien ihre Freude heraus. Mit diesem Ergebnis stünde Manchester City im Halbfinale der Champions League.

Der Videobeweis: Stünde. Denn der türkische Schiedsrichter Cüneyt Çakir entschied nach kurzer Abstimmung mit dem Videoassistenten auf Abseits. Eine richtige Entscheidung, die in Manchester kollektives Entsetzen auslöste. Zuvor hatte Çakir bereits gegen City entschieden, auch da lag er richtig: Fernando Llorentes Tor zum 4:3 bewertete er nicht als Handspiel. Dieser Abend dürfte ein großes Plus für den Video Assistant Referee (VAR) gewesen sein. Die Social-Media-Abteilung von Manchester City sah das natürlich anders:

Ergebnis: Manchester City gewann 4:3 (3:2) gegen Tottenham Hotspur - und verpasste doch den Sprung in das Halbfinale. Für die Spurs ist es der erste Halbfinaleinzug seit 1962, damals noch im Pokal der Landesmeister. Hier geht es zur Meldung.

Schnellstart: Wer sich am Mittwochabend beim Abendessen etwas mehr Zeit ließ und die ersten Minuten zwischen Manchester City und Tottenham Hotspur verpasste, wurde von den Verteidigungslinien der Teams bitter bestraft. Erstmals fielen in der Königsklasse in den ersten 21 Minuten fünf Tore, dabei wechselte dreimal die Führung. Die Teams lieferten sich eine epische Schlacht.

Ausfälle: Tottenham ging als Außenseiter in die Partie, unter anderem weil der Starstürmer Harry Kane verletzt fehlte. Als kurz vor der Pause auch noch Moussa Sissoko verletzt ausgewechselt werden musste, griff Mauricio Pochettino schon sehr tief in die Trickkiste. In Fernando Llorente brachte der Tottenham-Trainer einen langsamen, dem eigentlichen Spielstil widersprechenden Stürmer. Spätestens zu dem Zeitpunkt rechnete vermutlich niemand mehr mit den Spurs.

Guardi-over: "Schon wieder", wird sich Pep Guardiola in den Schlusssekunden der Partie gedacht haben. Schon wieder schafft es seine Mannschaft nicht in das Finale der Champions League. Zum siebten Mal in Folge scheitert der Spanier in der Königsklasse vorzeitig. Zum dritten Mal mit Manchester City vor dem Halbfinale - trotz großer Ambitionen. Es scheint nicht mehr der Wettbewerb des Pep Guardiola zu sein.

Tottenham-Trainer Mauricio Pochettino (r.) feiert seine Torschützen
Andrew Yates/REUTERS

Tottenham-Trainer Mauricio Pochettino (r.) feiert seine Torschützen

Der Spieler des Spiels: Nach diesem Abend muss man Son Heung Min hervorheben. Mit zwei Treffern drehte er früh das Spiel - und legte am Ende den Grundstein für das Weiterkommen seiner Mannschaft. Dabei konnte er sich zweimal bei City-Verteidiger Aymeric Laporte für dessen Unterstützung bedanken. Gerade das 2:1 (10.), als er einen Pass von Christian Eriksen direkt in den rechten Winkel schoss, dürfte es in einige Zusammenfassungen dieser Saison schaffen.

Der eigentliche Spieler des Spiels: Kevin De Bruyne machte eine herausragende Partie. Er bereitete drei Treffer direkt vor und war auch selbst stets gefährlich im Abschluss. Weil seine Mannschaft am Ende nicht in das Halbfinale eingezogen ist, wird in den Medien nicht über sein Solo und die Vorarbeit vor dem 4:2 geschrieben. Eine Schande. Eigentlich.

Himmelblauer Dauerdruck: In der zweiten Hälfte drückte City auf das nächste, das Halbfinale legitimierende Tor. Allen voran Torhüter Hugo Lloris rettete die Spurs vor einem höheren Rückstand. Zwölfmal schossen die Skyblues in der zweiten Hälfte in Richtung des Tores der Nordlondoner. Lediglich Agüero schaffte es auch an Lloris vorbei (59.).

Zu viel Sicherheit? Direkt nach dem 4:2 redete City-Trainer Pep Guardiola wild auf seinen Co-Trainer ein, den Ex-Profi Mikel Arteta. Wenige Minuten später kam mit Fernandinho ein weiterer Sechser für den offensiveren David Silva. Stabilität war gewollt, Instabilität die Folge. Llorente traf zum entscheidenden Tor.

Revanche: Bereits am Samstag hat City die nächste Chance, Tottenham zu schlagen. In der Premier League geht es für Manchester immerhin noch um die Meisterschaft. Und für die Spurs um die Qualifikation für die Champions League. Diese können die Nordlondoner aber auch noch über einen anderen Weg erreichen: den Gewinn der Königsklasse.

Manchester City - Tottenham Hotspur 4:3 (3:2)
1:0 Sterling (4.)
1:1 Son (7.)
1:2 Son (10.)
2:2 Bernardo (11.)
3:2 Sterling (21.)
4:2 Agüero (59.)
4:3 Llorente (73.)
Manchester: Ederson - Walker, Kompany, Laporte, Mendy (84. Sané) - De Bruyne, Gündogan, Silva (62. Fernandinho) - Bernardo, Agüero, Sterling
Tottenham: Lloris - Trippier, Alderweireld, Vertonghen, Rose (90. Sanchez) - Sissoko (41. Llorente), Wanyama, Dele - Eriksen - Lucas (81. Davies), Son
Schiedsrichter: Cüneyt Çakir
Gelbe Karten:
- / Sissoko, Son, Rose, Wanyama

Anmerkung: Wir haben die Nationalität von Sergio Agüero korrigiert. Er ist Argentinier, nicht Spanier.



insgesamt 20 Beiträge
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meresi 18.04.2019
1. Ein Feuerwerk
an Toren. Leider das andere Spiel gebucht, wg dem Klopp warats. Nun gut, irgendwo wird es wohl eine Zusammenfassung geben. Die Spurs tun gut daran auch das nächste Spiel gegen City zu gewinnen denn das Finale werden sie nicht erreichen, wenn doch werden sie nicht als Sieger vom Platz gehen.
karsten.kotthaus 18.04.2019
2. Das war...
... ein absolut grandioses Spiel! Eine Werbung für den Fußball! Wie schon AJAX am Abend zuvor. Alle "hater" (Geld schießt Tore usw.) haben jetzt mal Pause. ManCity hätte es natürlich klar verdient, nach der 2. Hälfte - sie haben die Kugel aber nicht reingebracht. Nichtsdestotrotz: Großes Kino von ManCity! Noch größeres aber eben von Tottenham! Bin extremst gespannt auf das diesjährige Halbfinale. Wenn Messi nochmal so zaubert, wird es dünn für Liverpool. Falls nicht, dürfte ein Finale "LFC - Tottenham" drin sein
RalfHenrichs 18.04.2019
3.
ManC hat ausreichend Geld, eine überragende Mannschaft, jetzt benötigt der Verein nur noch einen guten Trainer und nicht einen Selbstdarsteller, der Titel nur mit Mannschaften holen kann, die allen anderen im Wettbewerb so überlegen sind, dass auch der Greenkeeper die Titel holen würde.
markus.pfeiffer@gmx.com 18.04.2019
4. Pep hat das Weiterkommen nicht verdient
Wenn ein Trainer in einer so torreichen Partie unmittelbar, nachdem die eigene Mannschaft erstmal die benötigten 2 Tore Vorsprung erreicht hat, defensiv wechselt - mit dem Ziel, fortan alle weiteren Tore zu verhindern, dann muss das ja nach hinten losgehen. Man konnte in der Partie nicht damit rechnen, dass Tottenham in den verbleibenden 31 Minuten plus Nachspielzeit kein Tor mehr erzielen würde. Da hätte man im Gegenteil nach dem 4:2 das Momentum nutzen sollen und im offensiven Mittelfeld z.B. einen schnellen Konterspieler bringen müssen, mit dem Ziel, den Abstand eher auf 3 Tore zu erhöhen (so dass das erste weitere Gegentor nicht direkt das Ausscheiden bedeutet), anstatt in einem solchen Spiel zu versuchen, sich 31+ Minuten lang einzumauern. Insofern: Gut für den Offensivfußball, dass City raus ist.
tomaraya 18.04.2019
5.
Klare Sache, ManCity muss dringend den Trainer wechseln!
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