Champions League Triumph der bayerischen Mauer

Selbst der FC Chelsea wäre an diesem Gegner verzweifelt, glaubt Arsenal-Keeper Jens Lehmann. Aggressiv und fast perfekt organisiert hatte der FC Bayern aufgetrumpft wie seit Jahren nicht mehr. Mit breiter Brust verließen die Münchner die "Hölle von Highbury". Der Weg zur Champions-League-Trophäe scheint nur über sie zu führen.

London - Felix Magaths Mantel wehte im milden Londoner Nachtwind, und das zufriedene Lächeln wollte auch nach einer guten Stunde der Konfrontation mit fragenden Journalisten nicht von seinen Lippen verschwinden. Genussvoll schweifte sein Blick noch einmal durch das legendäre Highbury, das die Bayern vor dem baldigen Umzug des FC Arsenal in eine neue Arena zum letzten Mal besucht hatten, und dann erzählte der Trainer eine verblüffende Geschichte.

Es sei ein Gespräch mit dem Argentinier Martin Demichelis im Winter gewesen, das den Charakter dieser beeindruckenden Bayern-Mannschaft ganz entscheidend geprägt habe. "Martin hat mir damals erklärt, dass er seine Meinung geändert hat und statt nur einen Platz in der Viererkette nun auch die zentrale Position vor der Abwehr einzunehmen bereit ist", erzählte Magath. Das hat er ausprobiert und seither sei die Mannschaft "viel kompakter, stabiler", man sei nun in der Lage "das Geschehen fast vollkommen zu kontrollieren".

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Champions League: Strahlen und Qualen

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Angesichts dieser neuen und zumindest während einer Halbzeit für die Konkurrenz fast schon erschreckend gut funktionierenden Organisation fand die in aller Fußballwelt ehrfürchtig geschätzte Kurzpasskunst von Arsenal London in fast keinem Moment der Partie den nötigen Platz. Die knappe und sogar etwas unglückliche 0:1-Niederlage reichte nach dem 3:1-Sieg aus dem Hinspiel. Patrick Vieira konnte nur traurig mit den Schultern zucken. "Wir wussten auf dem Platz keine Lösung, und ich weiß jetzt keine Lösung", sagte der französische Stratege leise. "Bayern war das bessere Team". Sein Kollege Ashley Cole zog in einem Anflug von Resignation den Schluss, dass man diese "Spielweise auch lernen muss, um endlich Erfolg in Europa zu haben".

Die Bewunderung für die Demonstration der Bayern war groß, und sie war angemessen. Denn die Mannschaft hatte das Kunststück vollbracht, defensiv einen fast unüberwindbaren Wall zu errichten, ohne jedoch das eigene Spiel aus der Hand zu geben, ohne sich zu weit zurück zu ziehen, ohne dem Gegner die Kontrolle zu überlassen. Der wieder einmal großartig aufgelegte Michael Ballack entfaltete vielmehr auch in der Offensivrolle, die er seit Demichelis' Einbau in den Verbund wieder spielen darf, eine bemerkenswerte Defensivwirkung. Bei fast jeder für das Arsenal-Spiel so wichtigen Spieleröffnung von Vieira hatte Ballack seine Füße vor dem Ball, der französische Stratege fand keinen Moment der Ruhe, die sonst so sauber gezogenen Linien des schnellen Spiels der Engländer erreichten nur in sehr seltenen Momenten ihre Endpunkte.

Und da Willy Sagnol auf der rechten Seite im Duell mit Thierry Henry einen besonders guten Tag erwischt hatte, half noch nicht einmal die individuelle Klasse des Stürmers, der nach Magaths Ansicht "gerannt ist wie noch nie". Wenn Henry sich durchsetzen konnte, dann in Situationen, als er sich Lucio gegenüber sah. Wie beim Tor des Tages in der 67. Minute.

Dass sich diese beeindruckende Darbietung der Münchner in der Schlussphase dennoch zu einem hoch spannenden Spiel mit zitternden Knien auf der Bayern-Bank entwickelte, lag denn auch weniger an der Defensive, als vielmehr am Versäumnis, irgendwann einmal "eine der guten Kontermöglichkeiten zu nutzen", fand Bayern-Manager Uli Hoeneß, der sich bereits wieder in jenem Stadium des Wettbewerbs wähnt, in dem Geschichte geschrieben wird. "Ich habe am Ende an Barcelona gedacht", erzählte er, "das Schlimmste wäre gewesen, in der 90. Minute das 0:2 zu kassieren. Das war mein Alptraum heute Abend."

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Champions League: Große Momente in der Königsklasse

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Doch statt eines Traumas bringen die Bayern ein Selbstbewusstsein mit von der Insel, wie sie es lange nicht gehabt haben. In den letzten 21 Europapokal-Teilnahmen hatte der Club nur dreimal das Erreichen des Viertelfinals verfehlt, darunter die vergangenen beiden Jahre. "Nach zwei Jahren wieder die Runde der letzten Acht zu erreichen, war ganz, ganz wichtig für uns", sagte Oliver Kahn "wir haben nach Jahren wieder genau die richtige Mischung im Spiel".

Zauberfußball, wie ihn Barcelona und Chelsea einen Abend zuvor ein paar Kilometer weiter zelebriert hatten, kam dabei selbstverständlich nicht heraus. So sind sie nicht, diese Bayern. Ihre alte und neu entdeckte Stärke ist die Kontrolle, die wenn Roy Makaay gesund ist, auch wieder mit der entsprechenden Kälte vor dem Tor vollendet werden wird. Beängstigend für die Konkurrenz, Kahn wollte diesen Abend auch als "Signal an Schalke" gewertet wissen, wo die Bayern am Sonntag zum Spitzenspiel erwartet werden.

Zumindest in England ist der Respekt vor diesen Münchnern jetzt besonders groß, sie fürchten für die beiden verbliebenen britischen Klubs keinen Gegner mehr. "Diese Bayern würden auch Chelsea eliminieren", schloss sich Arsenal-Torhüter Jens Lehmann einer Vermutung an, die vorher schon diverse Experten von der Insel zum Ausdruck gebracht hatten. Felix Magath ist gar so selbstbewusst, dass er nun sagt: "Ja, wir können die Champions League gewinnen." Sein Lächeln legte sich da besonders breit über sein Gesicht.

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