Champions-League-Vorschau Vorsicht bei Bayern, Hunger bei Real

Der Klassiker geht in die entscheidende Runde: Bayern trifft auf Real, die Münchener gehen mit frischem Selbstvertrauen in die Partie. Allerdings drücken Trainer und Manager auf die Euphorie-Bremse - zumal der Schiedsrichter dem deutschen Meister noch nie Glück gebracht hat.


Hamburg - Lubos Michel pfeift das Spiel morgen (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), und die Bayern konnten keines der vier Champions-League-Spiele gewinnen, die der Slowake geleitet hat. Zuletzt gab es im November 2005 ein 1:2 bei Juventus Turin. Im Gegensatz dazu verlor Madrid noch nie eine Partie, wenn Michel pfiff. Dreimal gewann Real, einmal spielte es unentschieden.

Bayern-Trainer Hitzfeld: "Wenn wir Real ausschalten, ist das ein Signal"
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Bayern-Trainer Hitzfeld: "Wenn wir Real ausschalten, ist das ein Signal"

Von der Statistik lassen sich die Bayern ihre Zuversicht nicht nehmen, sondern setzen stattdessen auf ihre gute Form und die Zuschauer. "Ich hoffe, die Arena wird brennen", sagte Mark van Bommel, dem im Hinspiel das wichtige 2:3 kurz vor Schluss gelungen war. Trainer Ottmar Hitzfeld sieht in dem Publikum "den entscheidenden zwölften Mann", Torwart Oliver Kahn spekuliert: "Die Zuschauer werden heiß sein, sie werden kochen", das sei ein "psychologischer Vorteil". Furcht kennen die Gäste aus Madrid nicht. "Wir gehen raus, um die Bayern aufzufressen", sagt Verteidiger Fabio Cannavaro.

Die knappe Hinspiel-Niederlage und die Tatsache, dass schon ein 1:0 zum Weiterkommen reichen würde, macht die Münchener allerdings vorsichtig. "Du kannst nicht auf ein Törchen spielen. Ich bin überzeugt, man braucht zwei Tore, um weiterzukommen", sagte Manager Uli Hoeneß. Auch Torwart Kahn mahnt: "Real ist auswärts einen Tick stärker. Wir müssen aus einer kompakten Defensive heraus Akzente setzen. Es gibt keinen Grund, Real überrennen zu wollen."

Personell sieht die Situation bei den Bayern besser aus. Real muss auf den verletzten David Beckham verzichten, der nicht nur im Hinspiel überragte, sondern sich in den vergangenen Wochen zum Antreiber des Real-Spiels aufschwang. Zudem droht der Ausfall von Cannavaro. Der Kapitän der italienischen Weltmeister-Elf konnte wegen Beschwerden in der Oberschenkelmuskulatur nicht am Abschlusstraining teilnehmen. Die Münchener müssen wahrscheinlich Hasan Salihamidzic ersetzen, der sich im Training eine Innenbanddehnung im Knie zuzog. Verteidiger Lucio kann wohl trotz einer Zehenprellung spielen.

Trotz des Beckham-Ausfalls kann Real immer noch die beiden besten Torschützen der Champions-League-Geschichte aufbieten: Raúl (56 Treffer) und Ruud van Nistelrooy (48)markierten schon im Hinspiel alle Treffer für Madrid. "Wir brauchen jeden, um sie zu stoppen", sagt van Bommel. Der Niederländer steht nach seinen obszönen Jubelgesten aus dem Hinspiel im Blickpunkt. "Die Spanier werden ihn provozieren und attackieren", prophezeit Hoeneß. Van Bommel lässt das kalt: "Das Essen wird nicht so heiß gegessen, wie es auf den Tisch kommt. Es geht nur um das Spiel, und das will ich gewinnen. Fertig."

Bei Real gegen Bayern geht es aber nicht nur um ein Spiel, es steckt Größeres dahinter. Für einige altgediente Akteure in beiden Teams könnte es nach einer Reihe legendärer Spiele im Europapokal das letzte Aufeinandertreffen sein, auch Hitzfeld steht vielleicht zum letzten Mal in seiner Karriere an der Seitenlinie, wenn der Gegner Real heißt. "Wenn wir Real ausschalten, ist das ein Signal. Ein Sieg gegen Real, das sind die Big Points in einem Fußballer-Leben", so der Bayern-Trainer.

bri/sid/dpa



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