Champions League Waterloo in Lyon

Mit einer schwachen Leistung hat sich Bayern München bei Olympique Lyon präsentiert. Gegen die motivierten Franzosen hatte der Deutsche Meister nicht den Hauch einer Chance.


Zweikampf zwischen Jens Jeremies und Pierre Laigle
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Zweikampf zwischen Jens Jeremies und Pierre Laigle

Lyon - Der FC Bayern München muss nach einer 0:3-Blamage bei Olympique Lyon um den Einzug ins Viertelfinale der Champions League bangen. Vor knapp 40.000 Zuschauern im Stadion Municipal de Gerland, wo schon 1998 die deutsche Nationalmannschaft im WM-Viertelfinale gegen Kroatien ihr Waterloo erlebte, präsentierte sich auch der deutsche Rekordmeister am Dienstagabend von allen guten Geistern verlassen. Mit den Gegentoren von Sidney Govou (13. und 21) sowie Pierre Laigle (71.) war die Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld nach einer desaströsen Darbietung sogar noch gut bedient. Am letzten Zwischenrunden-Spieltag benötigt der FC Bayern nun am Mittwoch gegen Arsenal London ein Unentschieden, um den Einzug aus eigener Kraft zu schaffen. In der Partie fehlt Kapitän Stefan Effenberg, der nach einem Frustfoul, das eigentlich einen Platzverweis verdient hatte, eine Gelbsperre absitzen muss.

Der Kaiser wie Rumpelstilzchen


Der desolate Bayern-Auftritt trieb Präsident Franz Beckenbauer schon in der Halbzeit zur Pause zu einem Wutausbruch. "So kann man gegen eine Alt-Herrenmannschaft spielen, aber nicht in der Champions League. Das ist eine Blamage, gelinde gesagt eine einzige Katastrophe. Wir können froh sein, dass wir nicht 0:5 hinten liegen", tobte der Kaiser. Zornig wie schon lange nicht mehr empfahl er Kapitän Stefan Effenberg, den Schiedsrichter wegen krasser Unterlegenheit um vorzeitigen Abbruch zu bitten: "Da verschenken wir die Punkte lieber."

Auch Regisseur Stefan Effenberg konnte keine Akzente setzen
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Auch Regisseur Stefan Effenberg konnte keine Akzente setzen

Einstellung, Zweikämpfe, Laufbereitschaft - nichts davon war bei den Bayern in der ersten Halbzeit zu sehen. "Da läuft der, der den Ball hat. Die anderen schauen zu und wünschen ihm viel Glück", wetterte der Bayern-Chef. Die Abwehr präsentierte sich als Torso, noch viel anfälliger und unsicherer als bei der 2:3-Pleite am Samstag bei Hansa Rostock.

Dabei hatte Hitzfeld als Konsequenz daraus Patrik Andersson anstelle von Jens Jeremies als Abwehrchef nominiert. Doch der Schwede agierte unsicher in den Zweikämpfen, war erschreckend langsam und ohne Übersicht. Seine Nebenleute strahlten ebenso wenig Sicherheit aus. Vor allem Sammy Kuffour erwischte einen rabenschwarzen Tag gegen den erst 21-jährigen Govou, der nur wegen einer Gelbsperre von Stammstürmer Steve Marlet in die Anfangself rutschte und seine ersten Tore in der Champions League markierte.

Doppelschlag von Govou

Bei beiden Treffern wurde er von Kuffour überhaupt nicht angegriffen, in beiden Fällen kam Andersson als Retter zu spät, beide Male war Torhüter Oliver Kahn machtlos. Der Doppelschlag nach nur 21 Minuten hinterließ im Bayern-Team deutliche Wirkung. Taumelnd und mit viel Glück verhinderte es einen größeren Rückstand, erspielte sich selbst bis zur Pause keine einzige echte Torchance. Obwohl Lyon praktisch seine komplette erste Verteidigung ersetzen musste, waren die FCB-Spitzen völlig abgemeldet, weil sie aus dem Mittelfeld heraus nicht gefüttert wurden.

In der Halbzeit zog Hitzfeld die Reißleine, nahm Kuffour aus dem Team und stellte in der Abwehr vom Dreier-Block auf Vierer-Kette um. Doch die taktischen Rettungsmaßnahmen des Coaches, der erst in der 72. Minute Mehmet Scholl einwechselte, brachte nichts. Die Bemühungen, einen Treffer zu erzielen, sahen ähnlich kläglich aus wie die der deutschen Nationalmannschaft beim 0:1 vor einer Woche gegen Weltmeister Frankreich.

Die Bayern-Abwehr wurde indes auch weiterhin auseinandergenommen. In der 58. Minute rettete Kahn noch in höchster Not gegen Dhorasoo. 13 Minuten später aber war auch der einzige Münchner in Normalform machtlos, als sich seine Vorderleute wieder ausspielen ließen und Laigle zum 3:0 vollendete. Damit gingen die Münchner mit dem gleichen Ergebnis vom Platz wie Deutschland 1998 im WM-Viertelfinale gegen Kroatien.

Klaus Bergmann, dpa

Lyon - Bayern München 3:0 (2:0)
1:0 Govou (13.)
2:0 Govou (21.)
3:0 Laigle (71.)
Lyon: Coupet - Deflandre, Cacapa, Brechet, Delmotte - Violeau, Linares, Laigle, Dhorasoo (87. Malbranque) - Anderson (76. Chanelet), Govou (83. Loko)
Bayern: Kahn - Sagnol, Kuffour (46. Jancker), Andersson, Tarnat - Jeremies, Effenberg, Salihamidzic (71. Scholl), Linke - Sergio, Elber
Schiedsrichter: Jol (Niederlande)
Zuschauer: 39.460
Gelbe Karten: Linke, Salihamidzic, Effenberg - Laigle, Govou, Coupet



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