Champions League Werder vergibt alle Chancen

Fehlstart: Gegen die Zyprer von Anorthosis Famagusta spielte Werder Bremen 90 Minuten lang auf ein Tor - traf es aber nicht. Die vielen verpassten Möglichkeiten könnten sich noch rächen, denn die nächsten Gegner werden schwerer. Das Zittern ums Weiterkommen hat schon begonnen.


Hamburg - Drüber, daneben, gehalten, abseits - trotz drückender Überlegenheit schaffte Werder Bremen zum Auftakt der Champions League gegen Außenseiter Anorthosis Famagusta nur ein 0:0.

Vor 34.700 Zuschauern im Weserstadion überboten sich die Platzherren im Auslassen guter Torgelegenheiten. Mehr als ein halbes Dutzend Mal ließen die Norddeutschen beste Einschussmöglichkeiten aus und verdarben sich damit den fest eingeplanten Sieg gegen den Champions-League-Debütanten aus Zypern. Zum ersten Auswärtsspiel am 1. Oktober müssen die Bremer beim Gruppenfavoriten Inter Mailand antreten, das 2:0 bei Panathinaikos Athen gewann.

Wie schon am vergangenen Wochenende in der Bundesliga gegen Tabellenschlusslicht Energie Cottbus taten sich die Bremer gegen eine kompakte Abwehr sehr schwer. Hinzu kam, dass die Zyprer nicht nur stur verteidigten, sondern noch gelegentliche Entlastungsangriffe starteten, die zu einem Treffer hätten führen können. So schoss bereits in der achten Minute Mittelfeldspieler Paulo Costa nur knapp über das Bremer Gehäuse, fünf Minuten nach Wiederbeginn prüfte der eingewechselte Hawar Taher Bremens Torhüter Tim Wiese mit einem Flachschuss.

Dennoch drohte dem Tor des 13-maligen zyprischen Meisters deutlich mehr Gefahr. In der 24. Minute konnten Mesut Özil und Claudio Pizarro nacheinander eine prächtige Flanke von Clemens Fritz nicht verwerten. Vor allem durch Hereingaben waren die Bremer gefährlich. So auch, als Sebastian Boenisch eine Flanke auf den Winkel setzte und kurz danach Pizarro bedienen wollte. Der verpasste den Ball zwar, zwang Anorthosis albanischen Keeper Arjan Beqaj dadurch aber zu einer Fußabwehr. Während Özil über weite Strecken die positive Erscheinung war, war Pizarro die unglückliche. Wie auch kurz vor der Pause, als er spektakulär über den Ball säbelte.

"Wir sind einfach nicht druckvoll genug. Das geht so nicht", kritisierte Manager Klaus Allofs bereits zur Halbzeit. Zwar brachte Werder nach dem Seitenwechsel mehr Feuer ins Spiel, doch zwingend waren die Angriffe zu selten. Schaaf wechselte seinen Sturm komplett und brachte für die unglücklich bis schwach agierenden Pizarro und Rosenberg Boubacar Sanogo (58.) und Hugo Almeida (62.).

Der Portugiese Almeida vergab in der 79. Minute die größte Möglichkeit, als er nach einem Konter über Frings und Özil frei zum Schuss kam, den Ball aber völlig verzog. Als in der Schlussviertelstunde die Aktionen der Hanseaten immer konfuser wurden, reagierte das Bremer Publikum mit Pfiffen. Dabei ist ein Fehlstart in Bremen eigentlich schon Routine: Zum sechsten Mal in Folge konnte Werder das erste Spiel in der "Königsklasse" nicht gewinnen.

"Wir haben bis zur letzten Minute auf ein Tor gespielt, aber nicht genug Druck erzeugt, um den Gegner zu Fehlern zu zwingen. Vielleicht hat uns auch ein Schuss Qualität gefehlt. Wir sind sehr enttäuscht und müssen uns steigern. Werder Bremen ist berühmt dafür zurückzukommen", sagte Nationalspieler Per Mertesacker.

Manager Allofs verbreitete dagegen keinen Zweckoptimismus, als er sagte: "Ich bin sehr enttäuscht. Famagusta ist einfach eine Mannschaft, die man schlagen muss. Wir haben nicht den Biss gehabt, den man in jedem Spiel, aber besonders in der Champions League braucht. Das war einfach zu wenig, so kann man das international nicht spielen. So brauchen wir in Athen oder Mailand gar nicht erst anzutreten."

all/sid/dpa

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