PSG-Gala gegen Barcelona Stadt der Hiebe

Lange hat man Barcelona nicht mehr so schlecht gesehen. Das lag aber auch an der überragenden Leistung von Paris Saint-Germain. Julian Draxler glänzte, das Mittelfeld dominierte. Alles Wichtige zum Spiel.

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Die Ausgangslage: Es war das zehnte Duell zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Barcelona. Nur einmal war es den Franzosen bisher gelungen, Barcelona aus einem Europapokal zu werfen, und das war schon 22 Jahre her. Die Katalanen reisten als Titelfavorit in den Prinzenpark.

Das Ergebnis: 4:0 (2:0). Vier. Zu null. Hier geht es zum Spielbericht.

Die Startaufstellungen:
Paris Saint-Germain:
Trapp - Meunier, Marquinhos, Kimpembe, Kurzawa - Verratti, Rabiot, Matuidi - Di María, Cavani, Draxler
Barcelona: ter Stegen - Sergi Roberto, Piqué, Umtiti, Alba - André Gomes, Busquets, Iniesta - Messi, Suárez, Neymar.

Die erste Hälfte: PSG begann sehr dominant und erspielte sich in den ersten 20 Minuten viele Chancen. Die 1:0-Führung durch einen Freistoß von Ángel Di María war folgerichtig. Dann zog Paris sich zurück und konterte eher. Aber auch das blieb sehr gefährlich. Julian Draxler erhöhte auf 2:0, nachdem Rabiot und Verratti den Ball gegen Lionel Messi gewonnen hatten.

Schwächste Barcelona-Halbzeit des 21. Jahrhunderts: Wie überlegen war PSG in der ersten Hälfte? Die Gastgeber brachten acht Schüsse aufs Tor von Marc-André ter Stegen, davon sechs aus dem Strafraum. Barcelona gelang das in 90 Minuten nur einmal. Wie sagt der Sportreporter? "Auch in der Höhe verdient".

Alle Pariser Torschüsse. In der ersten Halbzeit...
Opta

Alle Pariser Torschüsse. In der ersten Halbzeit...

Die zweite Hälfte: PSG war nicht mehr so dominant, zeigte aber teilweise brillanten Umschaltfußball. Barcelona war immer noch nicht im Spiel und bekam vor allem im Mittelfeld keinen Fuß auf den Boden. Selten in seiner Karriere war Andrés Iniesta so wirkungslos wie heute. Das 3:0 erzielte erneut Di María, aber sensationell war in der Entstehung vor allem, wie Adrien Rabiot das Angriffspressing ins Leere laufen ließ. Edinson Cavani stellte den 4:0-Endstand her.

Ist das Draxler? Julian Draxler? Dass Draxler nach seinem Wechsel aus Wolfsburg nach Paris aufblüht, ist vielleicht nicht überraschend. Die Lebensqualität an der Seine wird von vielen Menschen höher bewertet als die am Mittellandkanal. Der Treffer zum 2:0 war bereits Draxlers fünftes Tor für PSG - nach zuvor null für Wolfsburg in der Hinrunde. Aber nicht nur das: Draxler holte den Freistoß vor dem 1:0 heraus, leitete sein 2:0 durch einen Doppelpass mit Verratti ein und war am perfekten Konter vor dem 3:0 beteiligt. Sieht so aus, als habe er gerade den entscheidenden Wechsel in seiner Karriere vollzogen.

Die Lage ist ernst, aber auch hoffnungslos: Noch nie hat eine Mannschaft im Europapokal eine 0:4-Hinspielniederlage noch umgedreht. Noch nie. Außerdem hat der FC Barcelona noch nie höher verloren. Das erste Achtelfinalaus seit zehn Jahren droht. Zuletzt hatte der Verein in der Saison 2006/2007 das Viertelfinale verpasst - damals noch unter Frank Rijkaard gegen Liverpool. Ist es das Ende einer Ära? Zumindest könnte es das Ende der Ära Luis Enrique sein. Der Coach fand keine Antwort auf das bewegliche Mittelfeldspiel von Blaise Matuidi, Marco Verratti und Rabiot, alle drei spielten großartig. Barcelona spielte fast keine Torchancen heraus. Da nützen dann auch Neymar, Lionel Messi und Luis Suárez nichts.



insgesamt 25 Beiträge
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gbaboyseb 15.02.2017
1. Wie
gegen den FCB 12/13 war Barca wieder mal absolut chancenlos. Ist halt keine Kämpfermannschaft, wenn es mal nötig wäre, und zwar von vorne nach hinten, absolut überschätzt...
Romara 15.02.2017
2. Lückenjournalismus?
"Außerdem hat der FC Barcelona noch nie höher verloren" Jedem anderen deutschen Medium wäre m. E. die Erwähnung der Tatsache eine Zeile Wert gewesen, gegen WEN der FC Barcelona genauso hoch verloren hat, wenn es nicht ausgerechnet der FC Bayern gewesen wäre. Nämlich 2013, als dieser zuletzt diesen Titel gewann.
retterdernation 15.02.2017
3. Draxler ...
scheint in Paris seine Liebe zum Fußball zu leben. Wer hätte das gedacht, dass das angeblich ewige Talent dort so aufblühen würde. Niemand. Alle hätten Geld darauf gesetzt (ja - Wir Fußballfans sind ja immer ein wenig gehässig :-))) das der Ex-Schalker und Wolfsburger dort scheitert. Und jetzt tritt das Gegenteil ein. Die Kritiken gegen Barcelona sind überragend ... das Ergebnis auch. Das war Fußball wie ich grade auf you tube sehen konnte!
Pela1961 15.02.2017
4. Seit ich Fußball gucke,
also seit ca. 45 Jahren, kann ich mich an genau 5 solche Spiele erinnern, wo eine Mannschaft so unerwartet in der Form auseinander genommen wurde. Das war Ajax - Bayern 4:0, Barca - Bayern 4:0, Bayern - Barca 4:0 und das grandiose Halbfinale 2014 gegen Brasilien. Es war teilweise zu ahnen, dass sich selbst die große Zeit eines Messi dem Ende nähern könnte. Dann ist Barca wieder eine sehr gute Mannschaft, aber nicht mehr.
trompetenmann 15.02.2017
5. Ich gönne es Draxler...
... und Barca! Ich wünsche es Draxler, dass er das Niveau halten kann, das wäre klasse. Und ob Barca das Ding noch drehen kann, ist so ausgeschlossen nicht. Zwei frühe Tore im Rückspiel, und schon zittern PSG die Knie, dann könnte es nochmal spannend werden.
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