Qualifikation zur Champions League Die Kleinen bleiben draußen - zum Glück?

Rosenborg Trondheim war einst Dauergast in der Champions League, aber das ist lange her. Auch andere Meister aus kleineren Ligen verschwinden aus der Königsklasse. Über deren Probleme - und was daran gut ist.

Rosenborgs Birger Meling (rechts) im Duell mit Zagrebs Petar Stojanovic
AP Photo/Darko Bandic

Rosenborgs Birger Meling (rechts) im Duell mit Zagrebs Petar Stojanovic

Von Eike Hagen Hoppmann, Trondheim


Es war die Arena des FC Schalke 04, in der die Champions-League-Geschichte des Rosenborg Ballklubs am 11. Dezember 2007 vorläufig zu Ende ging. Beide Teams hatten vor dem letzten Spieltag der Gruppenphase noch Chancen auf das Weiterkommen, im direkten Duell fiel die Entscheidung. Schalke gewann 3:1 und erreichte das Achtelfinale, Rosenborg flog raus. Seitdem hat es RBK nicht mehr in die Gruppenphase der Königsklasse geschafft.

Am Dienstag (Anpfiff 21 Uhr) kann der Klub aus Trondheim in Norwegen nach mehr als elfeinhalb Jahren in die Gruppenphase der Champions League zurückkehren. Im Playoff-Rückspiel trifft Rosenborg im heimischen Lerkendal-Stadion auf Dinamo Zagreb, muss dabei aber ein 0:2 aus dem Hinspiel aufholen.

Lange gehörte Rosenborg zu den regelmäßigen Teilnehmern des höchsten Wettbewerbs im Vereinsfußball. Zwischen 1995 und 2002 stand RBK achtmal in Folge in der Gruppenphase, elfmal nahm man bislang insgesamt an der Champions League teil. Diese Vergangenheit prägt. "Es gehört zur Identität von Rosenborg, jedes Jahr in den europäischen Wettbewerben dabei zu sein", sagt Sportchef Stig Inge Bjørnebye dem SPIEGEL. Aber für Rosenborg wird es immer schwieriger, dieses Selbstverständnis zu erfüllen.

Das liegt nur zum Teil an Rosenborg selbst. In der heimischen Eliteserien gehört RBK weiterhin zu den dominierenden Teams. Aber für Mannschaften aus kleineren Fußball-Ländern wie Norwegen ist es seit 2018 schwerer geworden, sich für die Gruppenphase der Champions League zu qualifizieren. Die Uefa hatte damals den Modus reformiert.

Weniger Länder in der Gruppenphase

Seit 2018 qualifizieren sich nur noch sechs statt zehn Mannschaften über die Qualifikationsrunden. Die anderen 26 Vereine sind bereits gesetzt. Die Hälfte der insgesamt 32 Teilnehmer in der Gruppenphase kommt aus den vier großen Ligen in Spanien, England, Deutschland und Italien. Sie profitierten von der Reform und erhielten einen vierten garantierten Startplatz in der Gruppenphase. Rosenborg und die meisten anderen Meister aus den kleineren und mittleren Verbänden müssen dagegen vier Qualifikationsrunden überstehen.

Selbst Vorjahreshalbfinalist Ajax muss in der Qualifikation antreten, da der niederländischen Liga kein direkter Startplatz zusteht. Als Folge der Reform hat sich die Anzahl der in der Gruppenphase repräsentierten Ligen reduziert. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 15, vor der Reform waren meist 17 oder 18 Länder vertreten. "Die Champions League ist heute exklusiver", sagt Bjørnebye. "Für uns ist es schon eine große Leistung, in der Qualifikation überhaupt so weit gekommen zu sein."

Als Trondheim noch ein Dauergast war: Stürmerstar John Carew im Rosenborg-Trikot im Jahr 2000
imago images

Als Trondheim noch ein Dauergast war: Stürmerstar John Carew im Rosenborg-Trikot im Jahr 2000

Es ist schwer, die Champions League so zu gestalten, dass alle Beteiligten zufrieden sind. "Es ist eine Abwägung zwischen der kommerziellen Seite des Wettbewerbs und Solidarität zwischen Vereinen und Ländern", sagt Bjørnebye. Das Duell zwischen den Vierten der Bundesliga und Premier League interessiert vermutlich mehr Fußballfans als ein Duell zwischen dem norwegischen und schwedischen Meister. Auch sportlich hätte Leverkusen als Bundesliga-Vierter dem FC Barcelona mehr entgegenzusetzen als Rosenborg. Schon jetzt hat die Champions League ein Problem mit deutlichen Resultaten und Spannungsabfall am Ende der Gruppenphase, weil viele Entscheidungen schon gefallen sind.

Was sich in Zukunft ändern könnte

Den kleineren Ländern wäre daher nicht unbedingt geholfen, wenn sie einfach mehr Startplätze erhalten. In den meisten Spielen wären sie lediglich Kanonenfutter; die Spannung würde eher weiter sinken. Helfen könnte langfristig etwas anderes: "Es wäre wichtig, wenn man die Gewinne an mehr Vereine verteilen könnte", sagt Bjørnebye. So könne die Ungleichheit zumindest verringert werden. Passiert ist zuletzt das Gegenteil: Von der letzten Reform profitierten finanziell vor allem die ohnehin schon reichen Vereine, also Bayern München oder Real Madrid.

Aber es gibt auch gute Nachrichten für die kleineren Länder. Im vergangenen Dezember wurde die Einführung eines dritten Europapokal-Wettbewerbs ab 2021 beschlossen. Dieser dritte Wettbewerb sorgt dafür, dass künftig mindestens 34 Länder in der Gruppenphase der drei Wettbewerbe vertreten sein werden. Aktuell liegt das garantierte Minimum bei 26.

Und es gibt bereits Bestrebungen für eine grundlegende Reform ab 2024. Nach Plänen der europäischen Klubvereinigung ECA sollen dann nur noch vier der 32 Gruppenplätze über die Platzierung in den nationalen Ligen vergeben werden. Das wären noch einmal zwei Plätze weniger als aktuell. 24 Teams würden durch die Teilnahme im Vorjahr gesetzt sein - und vier weitere Mannschaften aus der Europa League aufsteigen. Die Champions League würde dann zu einer nahezu geschlossenen Gesellschaft, sagen Kritiker. Über den Vorschlag wird beraten, eine Entscheidung gibt es noch nicht.

Die heimische Liga stärken

Die kleineren Länder haben aber auch eine Mitverantwortung für ihre Situation. "Wir müssen den Wettbewerb in unserer Liga stärken", sagt Bjørnebye. Wenn der Rest der Liga stärker wäre, müsste sich auch RBK verbessern, so der Gedanke.

Am vergangenen Samstag, zum Heimspiel für Rosenborg in der norwegischen Eliteserien, waren 12.000 Zuschauer da. Gegen den Abstiegskandidaten Stabæk gewann RBK mit Mühe 3:2. In der Liga steht Rosenborg nur auf Platz vier, die Meisterschaft ist bei zehn Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze außer Reichweite. Immerhin: Der Serienmeister hat offenbar wieder Konkurrenten, so wie er es sich gewünscht hat. Echte Entwicklungssprünge kann der Klub aber nur machen, wenn er in der Champions League dabei ist und die garantieren Startgelder in Millionenhöhe kassiert.



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Seite 1
achilles2017 27.08.2019
1. Schwachsinnige CL....
...immer wieder die gleichen Teams in den KO-Runden, und im 1/8.Finale eigentliche keine richtige Auslosung da Teams aus den selben Ligen oder der Vorrunde nicht gegeneinander spielen dürfen. Besser wäre es wenn im Endspiel zB 2 Mannschaften aus verschiedenen Ländern antreten würden. Liverpool vs Totenham hätte es ohne Auslosung im Halbfinale geben müssen. Pro Runde würde ich immer Mannschaften aus den selben Ligen gegeneinander losen und danach den Rest.Wenn schon privilegiert mit 4 Mannschaften in der Gruppenphase dann bitte ab Halbfinale maximal 1 Mannschaft dabei. und glaubt mir, es würden gute Paarungen herauskommen. Bayern gegen BvB, oder Liverpool gegen City und wenn würde ein Achtelfinale Real-Barca wenig interessieren??? So hätten Mannschaften aus ärmeren Ligen die Möglichkeit auch mal ins Halbfinale zu kommen und gutes Geld kassieren. Das meine Meinung dazu.
rudi.brunner123 27.08.2019
2.
Zitat von achilles2017...immer wieder die gleichen Teams in den KO-Runden, und im 1/8.Finale eigentliche keine richtige Auslosung da Teams aus den selben Ligen oder der Vorrunde nicht gegeneinander spielen dürfen. Besser wäre es wenn im Endspiel zB 2 Mannschaften aus verschiedenen Ländern antreten würden. Liverpool vs Totenham hätte es ohne Auslosung im Halbfinale geben müssen. Pro Runde würde ich immer Mannschaften aus den selben Ligen gegeneinander losen und danach den Rest.Wenn schon privilegiert mit 4 Mannschaften in der Gruppenphase dann bitte ab Halbfinale maximal 1 Mannschaft dabei. und glaubt mir, es würden gute Paarungen herauskommen. Bayern gegen BvB, oder Liverpool gegen City und wenn würde ein Achtelfinale Real-Barca wenig interessieren??? So hätten Mannschaften aus ärmeren Ligen die Möglichkeit auch mal ins Halbfinale zu kommen und gutes Geld kassieren. Das meine Meinung dazu.
Ich kann Ihre Meinung über eine schwachsinnige CL nicht teilen. Die Auslosung fürs Achtelfinale ohne Duelle der Mannschaften aus dem gleichen Land ist eine sehr gute Lösung. Und ab dem Viertelfinale kann jeder auf jeden treffen. Wieso sollen im Endspiel 2 Mannschaften aus verschiedenen Ländern zusammentreffen? Sollten nicht die besten Mannschaften des Jahres im Endspiel aufeinandertreffen? Fußball ist einer der sehr wenigen Sportarten bei der die besten Spieler und Mannschaften so gut wie nie aufeinandertreffen. Seit Ronaldo in Italien spielt gibt es das Duell der 2 besten Fußballer des letzten Jahrzehnts nicht mehr, wenn sie sich nicht zufällig in der CL treffen. Nur die Romantik der nationalen Meisterschaften verhindert (glücklicherweise) eine europäische Spitzenliga. Gerade deswegen will ich in der CL die besten Vereine sehen und nicht Mannschaften aus "ärmeren" Ligen. Zum Abschluss noch ein Vergleich. Finden Sie es schwachsinnig im Tennis die Duelle zwischen Federer, Nadal und Djokovic zu sehen? Oder sollte das Länderduell Federer gegen Wawrinka verboten werden? Wohl eher nicht.
hanseat52 27.08.2019
3. Mehr Länderpools schaffen
Wenn kleinere Länder sich zu regionalen Ligen zusammenschließen (Benelux, Baltikum, Österreich,Tschechien, Slowakei, Skandinavien) würde das Niveau steigen und nicht mehr so viele Profis abwandern. Ajax hätte mehr Finanzkraft...Die Sieger dieser Ligen wären nicht unbedingt das heutige Kanonenfutter.
hileute 27.08.2019
4. CL steht für hochqualitativen Fußball
da können eben nur die ersten 4 in Spanien und England und die jeweils ersten in Deutschland, Italien, Frankreich mithalten, mit viel guten Willen auch der BVB. Der Rest verflacht nur das Niveau und hat sowieso keine Chance aufs weiterkommen, also brauchen sie gar nicht erst teilnehmen
Archie69 27.08.2019
5. Die europäische CL
ist doch schon lange nicht mehr an Europa interessiert. Millionen von Fanartikeln der größten Clubs werden in Asien etc. verkauft, warum sonst gehen diese Vereine auf Asientour. Diesen Sommer sind alle durch Nordamerika getourt um diesen Markt zu erschließen. Dort sind natürlich Paarungen z.B. Liverpool gegen Barca schon in der Gruppenphase gefragter als Trondheim gegen Helsinki. Aus diesem Grund werden die Kleinen nie wieder mehr Geld bekommen. Nachdem in diesem Jahr Halbfinale und Finale nur noch im Pay TV zu sehen waren, ist doch ganz klar wo der Weg hinführt. Der europäische Zuschauer ist hier nicht mehr entscheidend.
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