Endspiel-Verlierer Wie Tottenham bald wieder ins Finale kommt

Tottenham Hotspur enttäuschte im Champions-League-Finale gegen den FC Liverpool. Damit die Chance bald wieder kommt, muss der Verein investieren - und Trainer Mauricio Pochettino bleiben.

Weggucken, nicht anfassen: Harry Kane geht an der Champions-League-Trophäe vorbei
Francisco Seco / DPA

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Aus Madrid berichtet


Er hatte sichtlich Mühe, die Gegenwart zu verarbeiten, und sollte dann schon über die Zukunft sprechen? Nein, Mauricio Pochettino hatte keine Lust, Stellung zu der Frage zu beziehen, ob er auch über die Saison hinaus für Tottenham Hotspur arbeiten werde. Nicht nach dem 0:2 gegen den FC Liverpool im ersten Champions-League-Finale in der Geschichte der Spurs. Pochettino versuchte, der Frage so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen. "Es ist jetzt nicht der Moment, um viel zu reden", sagte er.

Einerseits hatte er damit natürlich Recht. Kurz nach einer Niederlage ist es schwer, sich mit anderen Themen zu befassen, zumal nach einer Niederlage in einem Finale. Andererseits hätte Pochettino einfach auf seinen bis 2023 laufenden Vertrag hinweisen können. Das tat er nicht, sondern ließ seine Zukunft offen, wieder einmal.

Pochettino kokettierte mit Abschied

Der Übungsleiter aus Argentinien hat zum Ende der Saison mehrfach mit einem Abschied von Tottenham kokettiert. Vor dem Halbfinal-Rückspiel gegen Ajax Amsterdam vor knapp einem Monat stellte er in Aussicht, das Kapitel im Falle eines Champions-League-Siegs zu beenden. Nach der Niederlage gegen Liverpool und einer enttäuschenden Leistung seiner Mannschaft sagte er - soweit das zu verstehen war -, dass er erstmal die Trauer bewältigen müsse, dann werde man weitersehen: "Jetzt ist es Zeit, zur Ruhe zu kommen, unsere Stimmung wieder zu ändern und dann zu sprechen."

Es war ein nebulöser Satz, so nebulös, wie auch Pochettinos Zukunft ist. Möglicherweise glaubt er wirklich, dass mit Tottenham nicht mehr zu erreichen ist als der Einzug ins Finale der Champions League. Denkbar ist allerdings auch, dass er mit seinen Andeutungen Druck auf seinen Verein ausüben will, vor allem auf den sparsamen Vorstand Daniel Levy, um mehr Geld auszugeben und Tottenham langfristig auf ein neues Niveau zu heben. Pochettino hofft auf eine ambitioniertere Kultur im Norden Londons.

Vorbild Liverpool

Damit der Endspieleinzug keine Ausnahme bleibt, ist sein Verbleib die Voraussetzung. Pochettino ist der Baumeister des unerwarteten Erfolgs. Sein größtes Talent ist es, aus knappen Ressourcen das Maximum herauszuholen. Das geht allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt. Liverpools Trainer Jürgen Klopp konnte seinen Final-Fluch auch deshalb besiegen, weil sein Verein rund 160 Millionen Euro für die Verpflichtung von Torwart Alisson und Abwehrchef Virgil Van Dijk freigab.

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Tottenham wird investieren müssen, und hat das auch vor. Levy plant offenbar, im Sommer ein moderates Transfer-Budget zur Verfügung zu stellen. Als mögliche Zugänge im Gespräch sind unter anderem die Mittelfeldspieler Giovani Lo Celso von Betis und Tanguy Ndombélé von Olympique Lyon. Außerdem könnte Geld aus Spielerverkäufen in die Mannschaft investiert werden. Hier dürfte Spielmacher Christian Eriksen die größte Summe bringen, sollte sein Wechsel zu Real Madrid stattfinden.

Pochettino bleibt positiv

Im Finale gegen Liverpool konnte er sich dafür nicht empfehlen, er enttäuschte wie die ganze Mannschaft. Nachdem Tottenham in der Champions League in dieser Saison immer wieder Unmögliches möglich gemacht hatte, vor allem im Halbfinale gegen Ajax, war sie im Endspiel überfordert mit der Situation und kam nie richtig im Spiel an. Sturm-Ikone Harry Kane operierte bei seinem ersten Einsatz nach siebenwöchiger Verletzungspause in der Anonymität. Das alles soll das Gesamtbild aus Pochettinos Sicht allerdings nicht trüben: "Die Saison war fantastisch. Wir müssen positiv bleiben."

Die Voraussetzungen bei Tottenham sind gut. Der Verein hat sich in der Champions League etabliert und Konkurrenten wie den Nordlondoner Rivalen Arsenal und Rekordmeister Manchester United sportlich überholt. Das neue Stadion ist die modernste Sportstätte der Welt. Durch den Finaleinzug hat der Verein gut verdient. Die Rede ist von umgerechnet 100 Millionen Euro zusätzlich zu den rund 145 Millionen aus dem Ligabetrieb.

Damit der Verein künftig öfter um Europas Krone mitspielen kann, muss ein Teil dieses Geldes für neues Personal ausgegeben werden. Und Pochettino muss, nachdem er die Gegenwart verarbeitet hat, ein Bekenntnis zu seiner Zukunft bei Tottenham abgeben.

Liverpool - Tottenham Hotspur 2:0 (1:0)
1:0 Salah (2., Handelfmeter)
2:0 Origi (87.)
Liverpool: Alisson - Alexander-Arnold, Matip, Virgil, Robertson - Henderson, Fabinho, Wijnaldum (62. Milner) - Salah, Firmino (58. Origi), Mané (90. Gomez)
Tottenham Hotspur: Lloris - Trippier, Alderweireld, Vertonghen, Rose - Sissoko (74. Dier), Winks (66. Lucas Moura) - Dele (81. Llorente), Eriksen, Son - Kane
Schiedsrichter: Skomina
Zuschauer: 63.272

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meresi 02.06.2019
1. Stimmt
im Großen und Ganzen. Die erwähnten eventuellen Neuzugänge sind mir nicht bekannt. OT, was die Anschuldigungen gegen einen vermeintlichen Fussballstar betreffen, sollte die Tabloits jetzt ein bisserl Zurückhaltung üben beim publizieren. Wenn alles geklärt ist, sollten sie mit derselben Vehemenz und diesem Verve auf diese Frau einprügeln, genauso wie sie es bei div. sogenannte Stars taten. Das wäre nur gerecht, nicht wahr ?
jensen12345 02.06.2019
2. Warum muss Tottenham
zwingend investieren, um wieder ins Finale zu kommen? Sie haben in den letzten 1,5 Jahren keinen Cent investiert und sind ins Finale gekommen.
appenzella 02.06.2019
3. Weil, Herr Jensen,
ins Finale kommen und es gewinnen unterschiedliche Dinge sein können, siehe Jürgen Klopp und seine verloreńen Endspiele. Diesmal wurde in Liverpool in zwei der besten Abwehrspieler der Welt investiert mit Summen, die noch nie für Abwehrspieler bezahlt wurden. Klopp hat seine Bescheidenheit abgelegt und Forderungen gestellt, die dann auch erfüllt wurden. Das Resultat spricht für sich, obwohl Geld natürlich keine Titel garantiert. Wie auch immer, niemandem wurde dieser Titel mehr gegönnt als diesem Trainer aus dem beschaulichen Mainz! der appenzella
halverhahn 02.06.2019
4. Feurige Artikel-Überschrift...
danach im Text nur noch ein warmes Lüftchen. Wenn der Trainer bleibt, wenn genug Geld da ist um neue und gute Spieler kaufen zu können und bla bla. Solche Standardsätze passen quasi zu jeder Mannschaft, die in den europäischen Spitzenligen Ende dieser Saison unter den ersten 5 Mannschaften war. Nächstes Jahr werden die Karten komplett wieder neu gemischt, auch die anderen direkten Konkurrenten werden wieder kräftig in neues Spielermaterial investieren... Und wie schwer es ist, in das CL-Finale erneut zu kommen... davon können zig Spitzenmannschaften ein Klagelied von singen. Somit bleibt hier als Fazit: netter Blick in die Kristallkugel aber quasi ohne jede Substanz!
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