Chaos auf Schalke "Die Spieler haben den Club hängen gelassen"

Beim FC wird die Stimmung immer explosiver: Nach der Niederlage in Bochum wächst der Unmut der Fans, der umstrittene Manager Müller kritisiert die Mannschaft scharf und Geschäftsführer Peters will "über alles nachdenken". Und als ob dies nicht reicht - nächste Woche kommt Dortmund.


Hamburg - Als Trainer Fred Rutten nach der bitteren 1:2-Pleite in Bochum in den Mannschaftsbus steigen wollte, flogen Bierbecher. Wütende Fans schrien sich die Seele aus dem Leib. Ihr nächstes Angriffsziel Andreas Müller flüchtete kommentarlos. Der Manager von Schalke 04 war wieder der Sündenbock des königsblauen Anhangs, doch Redebedarf verspürte er offensichtlich nicht. Erst am Sonntag griff er in einem Statement auf der Club-Homepage die Mannschaft an, nahm Trainer Fred Rutten in Schutz und verhängte eine Geldstrafe gegen den Brasilianer Rafinha. Seine verspätete Abrechnung konnte jedoch nicht verhindern, dass er weiterhin im Mittelpunkt der Fankritik steht.

Schalker Bank in Bochum: Gute Laune sieht anders aus
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Schalker Bank in Bochum: Gute Laune sieht anders aus

Sein Schicksal scheint der 46-Jährige ohnehin nicht mehr selbst in der Hand zu haben. "Ich habe dazu eine Meinung, aber ich bin nicht zuständig", sagte Müllers Vorstandskollege Peter Peters und verwies auf den mächtigen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies. Dessen Aussagen trugen allerdings nicht dazu bei, Spekulationen aus der Welt zu schaffen. Im Gegenteil: "Ich bin weder mit dem Verlauf der Saison, noch mit dem Spiel in Bochum zufrieden. Wir treffen jedoch keine Entscheidungen aus der Hüfte heraus", ließ Tönnies auf der Club-Website verlauten.

Müller nahm sich derweil an gleicher Stelle die Spieler zur Brust. "Gerade in einem solchen Derby müssen wir die Zweikämpfe annehmen und aggressiv spielen. Ich sage es ganz deutlich: Die Spieler haben den Club hängen gelassen." Rutten trifft laut Müller an der Situation keine Schuld. "Dieser Trainer tut alles für die Mannschaft und arbeitet hart, professionell und intensiv", sagte Müller, der die Situation des Clubs als "schwierig" einschätzte: "Wir können sie nur gemeinsam meistern: Mannschaft, Trainer und Vorstand."

Unmittelbar nach dem abermaligen sportlichen Offenbarungseid des selbsternannten Champions-League-Anwärters hatte sich nur Müllers Kollege Peters den Fragen gestellt. "Das ist für Schalke 04 eine sehr schwere Stunde", sagte der Geschäftsführer. Die Wut der Fans, die nach dem Bochumer Siegtor durch Christoph Dabrowski (57.) erneut "Müller-raus"-Rufe anstimmten, akzeptierte Peters. "Die große Enttäuschung der Menschen, die immer wieder mit viel Hoffnung kommen, kann ich gut verstehen", sagte er, "mir geht es genauso." Nach diesem Spiel müsse man "über alles nachdenken", kündigte Peters an.

Personelle Konsequenzen erwarte er trotz der völlig vergifteten Atmosphäre zwischen Müller und den Fans vor dem großen Revierderby am kommenden Freitag (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen Borussia Dortmund nicht.

"Vielleicht fehlt die Qualität", sagte Schalkes Torschütze Kevin Kuranyi angesichts der nach der Pause wenigen Versuche seiner Teamkollegen, noch den Ausgleich zu schaffen. Dass er mit dieser Aussage Manager Müller einen weiteren Tiefschlag verpasste, war wahrscheinlich nicht die Absicht des umstrittenen Stürmers. Doch es passte zum desolaten Bild, das die Schalker in Bochum abgaben.

Dabei hatten sie sogar noch Glück, dass sie nicht den achten Platzverweis der Saison kassierten. Denn Rafinha schlug Stanislav Sestak ungestraft ins Gesicht (80.). Schiedsrichter Knut Kircher gab nach dem Studium der Fernsehbilder zu, dass es "Strafstoß für Bochum und Gelb oder Rot für Rafinha" hätte geben müssen.

"Ich fordere Aggressivität auf dem Platz, aber auch professionelles Verhalten. Rafinha muss sein Verhalten auf dem Platz jetzt endgültig verändern", sagte Müller und verhängte eine Geldstrafe in ungenannter Höhe. Eine nachträgliche Sperre ist wegen der Tatsachenentscheidung Kirchers, der den Schlag nicht als Foul gewertet hatte, nicht möglich.

Nicht gesehen hatte Kircher eine Aktion von Rafinhas Teamkollegen Jefferson Farfan. Der Peruaner hatte Daniel Imhof ins Gesicht gegriffen (85.). Der Kontrollausschuss, so erklärte der DFB am Sonntag, überprüfe mögliche Schritte gegen den Peruaner.

fsc/sid/dpa



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