Chaos in Dortmund Röber wirft hin

Zwei Trainer in einer Saison verheizt: Die Krise bei Borussia Dortmund hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Trainer Jürgen Röber erklärte heute seinen Rücktritt und kritisierte Teile seines ehemaligen Teams. Wer Nachfolger beim abstiegsbedrohten BVB wird, ist völlig unklar.


Dortmund - Nach nur zehnwöchiger Amtszeit ist Schluss für Röber. Der 53-Jährige zog zwei Tage nach dem 0:2 im Revierderby beim VfL Bochum die Konsequenzen aus der Talfahrt der Borussia seit seinem Amtsantritt am 4. Januar mit sechs Niederlagen und nur zwei Siegen. Dortmund steht mit 28 Punkten auf dem 13. Tabellenplatz und hat lediglich einen Zähler Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang, den derzeit Eintracht Frankfurt (27 Punkte) belegt.

Dortmunds Ex-Trainer Röber: "Nicht alle den Ernst der Lage begriffen"
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Dortmunds Ex-Trainer Röber: "Nicht alle den Ernst der Lage begriffen"

Röber hatte die Nachfolge des Niederländers Bert van Marwijk angetreten, der mit dem BVB nach der Hinrunde Platz neun belegt hatte. Ein Nachfolger für Röber steht noch nicht fest.

"In dieser schwierigen Situation geht es nicht um Personen, sondern einzig und allein um die Zukunft des BVB, deshalb habe ich meinen Rücktritt angeboten", sagte Röber. Der 53-Jährige betonte, er habe sich Ende letzten Jahres mit voller Überzeugung für das Halbjahres-Engagement bei Borussia Dortmund entschieden.

"Spätestens nach der Niederlage in Bochum bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass in dieser Mannschaft längst nicht alle den Ernst der Lage begriffen haben", erklärte Röber weiter. Die Aktien des Fußballbundesligisten Borussia Dortmund sind nach Röbers Rücktritt eingebrochen. Die Papiere markierten mit einem Abschlag von über fünf Prozent auf 1,85 Euro ein neues Jahrestief. Beim Börsengang im Jahr 2000 waren die Anteilsscheine noch elf Euro wert.

Thomas von Heesen, lange Zeit Wunschtrainer der Dortmunder, kommt offenbar nach übereinstimmenden Zeitungsberichten des "Kicker" und der "Bild" nicht mehr für die Röber-Nachfolge in Frage: Laut "Bild"-Zeitung soll der BVB jetzt versucht haben, von Heesen zum sofortigen Einstieg zu bewegen. Dieser habe aber abgelehnt - mit der Folge, "dass die Tür für von Heesen in Dortmund nun zu" sei, wie ein Insider im "Kicker" sagte. Gehandelt werden jetzt Namen wie Felix Magath, Thomas Doll oder BVB-Kultverteidiger Jürgen Kohler.

Bereits in der Saison 1999/2000 hatte Dortmund im Kampf um den Klassenerhalt zweimal den Trainer gewechselt. Nach dem Rauswurf von Michael Skibbe nach dem 18. Spieltag folgte Bernd Krauss für elf Spiele, bevor das Duo Matthias Sammer und Trainer-Oldie Udo Lattek den BVB in den letzten fünf Saisonspielen vor dem Abstieg bewahrte.

Durch die Trennung von Röber ist der achte Trainerwechsel in dieser Saison und der insgesamt 303. in der Bundesliga-Geschichte seit 1963 perfekt.

In der laufenden Spielzeit hatten sich außer Röber und van Marwijk noch Thomas van Heesen (Arminia Bielefeld), Thomas Doll (Hamburger SV), Felix Magath (Bayern München), Jupp Heynckes (Borussia Mönchengladbach), Peter Neururer (Hannover 96) und Dieter Hecking (Alemannia Aachen/ging auf eigenen Wunsch zu seinem Ex-Club Hannover 96) vorzeitig von ihren Vereinen getrennt.

mig/sid



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